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Das Ende einer Amtszeit voller Streit und Spaltung

vor 11 Stunden in Kommentar, 4 Lesermeinungen
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Rückblick auf die Zeit von Bätzing. Der Bischof von Limburg war dynamisch gestartet, der Vorgänger hatte ihm eine gespaltene Konferenz hinterlassen. Statt zu einen, sind die Spaltungen tiefer und härter geworden. Der Montagskick von Peter Winnemöller


Limburg (kath.net)

Der Mann mit der Mütze geht nach Haus, so sang einst der österreichische Schlagersänger Udo Jürgens beim Abschied des deutschen Fußballbundestrainers Helmut Schön. In der Tat war die Mütze des Bundestrainers so ikonisch wie seine Erfolge. Der stille und sympathische Mann hatte die Mannschaft in seiner ruhigen Art zu großen Erfolgen geführt. Als zweiter Bundestrainer hatte er – nach Sepp Herbergers Erfolg im Jahr 1954 – das Team 20 Jahre später im Jahr 1974 erneut zur Weltmeisterschaft geführt. Eine Europameisterschaft zwei Jahre zuvor und viele weitere Erfolge waren ihm als Trainer ebenfalls zu verdanken. Der Boomer mag sich noch erinnern, die Jugend mag es googlen. Udo Jürgens dichtete damals über Schön: „Du warst ein General mit Herz, ein Freund zugleich und Boss. Du wusstest Rat und manchen Trick und rittest nie das hohe Ross.“ Eine wunderbare Beschreibung eines Mannes, der Verantwortung für Menschen übernimmt und mit ihnen Ziele verfolgt und erreicht.

Vom Fußball in die Kirche. Hier geht nun auch ein Mann mit einer Mütze, einer spitzen Mütze, auch Mitra genannt. Der Klassensprecher der deutschen Bischöfe, Georg Bätzing, verlässt das kirchliche Spielfeld. Im Gegensatz zu Bundestrainer Schön hat er Deutschland in seinem Metier nicht nur keine Reputation, sondern viel Kritik und tiefes Misstrauen eingebracht. Dabei ritt er im Gegensatz Helmut Schön sehr oft das hohe Ross. Er war eben kein harter Boss, sondern er hat es zu verantworten, dass seine Mitbrüder, die deutschen Bischöfe, keine 27 Freunde wurden, die mutig die nötigen Reformen angingen und einen Impuls zur Neuevangelisierung des Landes geben konnten. Helmut Schön bekam damals von Udo Jürgens Achtung und Applaus mit auf den Weg. Ein verdientes Dankeschön für einen Mann, der in seinem Leben viel geleistet hat.

Der Bischof von Limburg verlässt nun das Spielfeld, man könnte auch sagen, die große Bühne der Kirchenpolitik. Er hat sie nur zu oft allzu sichtbar genossen. Weder Dankbarkeit mag man empfinden, noch hat man das Bedürfnis, ihm Applaus zu spenden. Der Vorsitzende der DBK hinterlässt eine zutiefst gespaltene Konferenz, ein kirchliches Milieu in Deutschland in Aufruhr und in massiver Spannung zur Weltkirche. Gläubige sind in dramatischer Verunsicherung und es gibt in den Bistümern reichlich offene Baustellen. Eine Kirchenkrise, die eine Glaubenskrise ist, lässt die Menschen in einer Welt in Aufruhr allein. Dafür haben Laienfunktionäre die Kirche in Deutschland förmlich an der Gurgel und wollen den Haushalt des Verbands der Diözesen Deutschlands (VDD) unter ihre Kontrolle bringen. Sie sind nahe dran, es zu erreichen. Am morgigen Dienstag wird die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) voraussichtlich einen neuen Vorsitzenden haben. Alle Spekulationen verbieten sich an dieser Stelle. Namen zu handeln sei anderen überlassen. Für Katholiken ist es der Normalfall, einfach zum Gebet für die Wahl und den Gewählten aufzurufen. Die Aufgabe wird schwer genug, denn eine Bischofskonferenz, die in dieser Zeit uneins mit sich und der Weltkirche ist, ist das letzte, was die Kirche gebrauchen kann.


Zum Abschied gab der scheidende Vorsitzende der „Zeit“ ein Interview. Die „Zeit“ ist ausgerechnet jenes Medium, an das die deutschen Bischöfe vor einigen Jahren den „Rheinischen Merkur“ verkauft und damit final ruiniert hatten. Unter der Rubrik „Glauben und Zweifeln“ gewährte die der Kirche recht fremd gegenüberstehende Journalistin Evelyn Finger dem Bischof von Limburg ein Gefälligkeitsinterview. Das erkennt man schon am Beginn, als es um den Grund zum Rückzug geht. Hier werden goldene Brücken gebaut. Der Bischof von Limburg ist noch für elf Jahre Bischof in Limburg, fühlt sich aber schon jetzt nicht mehr in der Lage, das Ehrenamt des Moderators der Konferenz auszuüben. Hier einmal kritisch nachzufragen, ob er sich denn sicher sei, dass er noch eine Mehrheit bekäme, wäre wohl zu viel verlangt gewesen. Und dann beginnt der Aufbau des Narrativs der großen Erfolgsgeschichte der Ära Bätzing, der das Amt in der Superduperkrise zu Beginn der Coronapandemie übernommen hat. Die Zeit, in der die Kirche die Menschen in einem Ausmaß im Stich gelassen hat, das man sich kaum vorstellen kann. Türen zu. Kirche weg. Die Folgen merken wir noch heute. Jetzt sind nämlich die Menschen weg.

Leere Kirchen nach Ende der Pandemie sind die Wirklichkeit vor Ort, aber beim Synodalen Weg tut man so, als gäbe es noch dicke Bretter zu bohren. Dass Bätzing und Franziskus keine Freunde waren, hat sogar Frau Finger auf dem Radar. Der Vorsitzende schlägt sich bei der Frage in die Büsche. Alles Gerede. Dafür aber Auskeilen gegen treue Kirchenvertreter: „Es gab Bischöfe aus Deutschland und Kardinäle in der Kurie, die versuchten, dem Papst weiszumachen, wir würden ein Schisma wollen.“ Das weist er als Unsinn zurück. Ist es wirklich Unsinn? Nur wenige Zeilen später preist Bätzing die Reform des kirchlichen Arbeitsrechts als Erfolg. Die Kirche darf die persönliche Lebensführung nicht mehr berücksichtigen, was in der Tat dazu geführt hat, dass nun ganz offiziell ein sogenannter Arzt, der in einem Krankenhaus eines katholischen Trägers arbeitet, in seiner eigenen Praxis vorgeburtliche Kindstötungen vornehmen darf. Ein toller Erfolg für einen Bischof, der ohnehin mit den Vertretern des Lebensschutz immer wieder mal fremdelt und bestenfalls schmallippige Grußworte zum Marsch für das Leben schrieb. Danke für Nichts.

Bätzing wertet es als Erfolg, dass man in Rom Wünsche nach Veränderung beim Diakonat der Frau, bei Zölibat und Priesteramt vorgetragen habe. An anderer Stelle hat er auch schon mal dezidiert die Forderung nach Priestertum der Frau vorgetragen. Es gibt darauf nur eine Antwort: Ordinatio sacerdotalis ist de fide. Ob sich beim Zölibat etwas ändern wird? Vorläufig wohl besser nicht. Es würde nur noch mehr Verwirrung auslösen. Aber mehr noch, der Bischof von Limburg gesteht: „Ich persönlich bin überzeugt, die Sexualmoral der Kirche muss sich ändern.“ Hier – und nicht nur hier – gesteht ein Bischof der Kirche, dass er nicht mehr glaubt, was die Kirche lehrt. Ist das schon Apostasie? Das wird wohl der Heilige Stuhl entscheiden müssen. Für uns Katholiken gilt der Katechismus und er gilt so, wie ihn uns der heilige Papst Johannes Paul II. damals übergeben hat. Ein prophetischer Akt!

Es war zwar Joseph Ratzinger, der zu Recht betont hat, dass der Katechismus kein Superdogma ist, er ist aber für jeden Gläubigen der gültige und zulässige Leitfaden, auf den er sich im Glauben berufen kann. Was positiv gilt, gilt auch negativ. Es muss zulässig sein, Lehren, die dem Katechismus dezidiert widersprechen auch dann abzulehnen, wenn ein Bischof sie lehrt. Das Interview geht weiter mit sehr viel Politik. Da fragt man sich ernsthaft, warum. Im Anschluss an das Bekenntnis, die Änderung der Lehre zu wünschen, wäre ein Nachhaken unbedingt nötig gewesen. Denn eines sollte man sich klarmachen: Die von Bätzing gewünschten Änderungen kollidieren massiv mit der christlichen Anthropologie. Schon vorher bejubelte der jetzt scheidende Vorsitzende die Ermöglichung von in der Kirche verbotenen Segenshandlungen in seinem Bistum.

Man muss den Bischof sehr ernsthaft fragen, ob er wirklich noch auf dem Boden der Lehre steht. Die Spannungen in moralischen und dogmatischen Fragen einfach wegzulächeln ist hier wenig hilfreich. Auch Aggression, die der jetzt scheidende Vorsitzende Journalisten gegenüber an den Tag legte, wenn sie mal hartnäckig nachfragten, sind wenig hilfreich. Es geht dabei gar nicht um Lehrverurteilungen. Das ist bei Bischöfen die Sache Roms. Doch als gläubige Laien haben wir das Recht darauf zu erfahren, ob wir uns im Fall der Fälle wirklich auf einen Bischof verlassen können, dass er in Einheit mit dem Papst und dem Weltepiskopat steht.

Was fehlte waren auch Fragen zu den umstrittenen Ergebnissen des Synodalen Weges. Wer mit der Kirche vertraut ist, kann wissen, dass Rom die Kontrolle der Bischöfe durch ein Funktionärsgremium dem Grunde nach gar nicht akzeptieren kann. Keine Frage zu dem Monitoring, das der Synodale Weg beschlossen hat. Das ist bedauerlich, denn auch dies gehört zur Bewertung der Amtszeit des Vorsitzenden, der schließlich auch Präsident des Synodalen Weges war.

Zum Zeitpunkt der Übernahme des Amtes war die Konferenz bereits so zerstritten, dass der Vorgänger Marx ebenfalls nicht zu einer zweiten Amtszeit antreten konnte. Die Konferenz nun zu einen und für alle Bischöfe gangbare Wege – zur Not gegen die Funktionäre vom ZdK – zu suchen, war leider nicht drin. Die Konferenz ist heute tiefer gespalten als je zuvor. Die Sonderwege, wie sie einige Bischöfe gehen, sind nicht mehr harmlos. Hier sei an die Veröffentlichung des sexualpädagogischen Dokuments der Schulkommission erinnert, das zuvor von der Ständigen Konferenz der deutschen Bischöfe abgelehnt worden war. Es handelt sich um ein Papier, das in einem so krassen Widerspruch zur Lehre der Kirche steht, dass es dem Grunde nach sofort von Rom kassiert werden müsste. Der verantwortliche Bischof Timmerevers gab im Umfeld der Veröffentlichung zu erkennen, faktisch nicht mehr auf dem Boden der kirchlichen Sexualmoral zu stehen.

Die Amtszeit des jetzigen Vorsitzenden geht mit einer ganzen Wagenladung schwerster Hypotheken für den Nachfolger zu Ende. Die Politisierung des Amtes und der Aufbau einer Art deutschen Oberbischofs, den die Medienwelt so gerne hätte, gehörte ebenfalls dazu. Die Aussage, worauf er sich besonders freue, ist verräterisch, wenn er sagt, er müsse nach seiner Abwahl nicht mehr ständig erreichbar sein. Die Überbewertung des Amtes durch das Sekretariat der DBK ist ein echtes und zu bekämpfendes Problem. Was man beispielsweise daran sieht, dass die Pressestelle des Sekretariats die Predigten eines Provinzbischofs zu hohen Feiertagen verteilt. Das ist völliger Unsinn! Ein Katholik aus dem Bistum X hat selbstverständlich das Recht, keinerlei Interesse an der Predigt eines Bischofs aus Y zu haben. Die Weltpresse interessiert sich ohnehin nicht dafür. Das Sekretariat muss wieder von der Staatskanzlei des Oberbischofs zu einem Dienstleister für alle Bischöfe werden. Auch das ist eine Aufgabe des Nachfolgers. Lassen wir den scheidenden Mann mit der spitzen Mütze nun in Frieden in sein Heimatbistum ziehen. Da gibt es genug zu tun. Viel Applaus gibt es für diese Amtsführung nicht. Achtung, nun ja, das ist so eine Sache – die Achtung gilt katholischerseits ohnehin dem Amt und nicht dem Mann. Gebet für den Nachfolger ist angezeigt. Gebet um den Heiligen Geist für die Konferenz ohnehin. Nicht nur für die Wahl, aber auch.


 

Bild oben: Symbolbild. Der Mann mit der spitzen Mütze geht. Ein anderer wird ihm nachfolgen. Möge er die Konferenz wieder einen – untereinander und mit der Weltkirche. Foto: Peter Winnemöller mit AI generiert.


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Lesermeinungen

Orate fratres vor 9 Stunden: Der Klassensprecher

verläßt das sinkende Schiff, dessen Havarie er selbst mit zu verantworten hat.

Dank an Peter Winnemöller für den hervorragenden Beitrag.

Hope F. vor 9 Stunden: Richte meine Kirche wieder auf

Diesen Ruf vernahm der hl. Franziskus. Er hat nicht nur die Kirche zum Positiven hin erneuert, sondern war auch ein großer Friedensstifter und Wundertäter. Haben wir nicht heute eine vergleichbare Situation? Auch Papst Leo XIV. möchte die Kirche zum Positiven hin erneuern und versucht Frieden und Einheit zu stiften. Auch in Deutschland braucht es derartige Kleriker mehr denn je. Möge der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz in diesem Sinne wirken und die Wahlberechtigten erkennen, daß es eines solchen Vorsitzenden bedarfs. Mögen sie sich vom Heiligen Geist erleuchten lassen.

WasKommtNochAlles? vor 9 Stunden: Deutsche Bischöfe

Die Zeiten stehen, wie sagen wir hier, auf Hochwasser über N.N. Arbeitsrecht: Ich würde differenzieren;; Pflegepersonal und Arzt sollten in einen katholischen Krankenhaus nicht zwangsweise katholisch sein müssen- aber ein Arzt, der in seiner Privatpraxis Abtreibung durchführt hat in einem christlichen Krankenhaus nichts zu suchen! Zölibat: ich bin überzeugt, es fällt! Ich werde es zum Glück wohl nicht mehr erleben, aber der nächste oder übernächste Papst wird es aufheben oder auf Freiwilligkeit setzen. Sexualmoral: fragen wir doch mal die junge Generation: kein Sex vor der Ehe? Wenn ich die wenigen kirchlichen Hochzeiten (es waren 5 in 2025) betrachte, dann waren 3 Bräute hochschwanger in der Kirche. Selbst in meiner eigenen katholischen Verwandtschaft hat niemand auch nur ein Fünkchen Probleme wenn die Kinder mit ihren Partnern vor der Ehe intim werden.

Versusdeum vor 10 Stunden: Die Bischöfe haben es in der Hand,

mit einem ausgleichenden (oder gar offen katholischen) Kandidaten zusammenzuhalten, was zusammengehört - aber was bereits weiter auseinandergedriftet ist, als Südamerika und Afrika.
Oremus
Beten wir um einen guten neuen Sprecher ("Vorsitzenden") der Bischofskonferenz, der es den Bischöfen bei der Versammlung ermöglicht, doch noch nein zum Verrat an der Kirche Jesu Christi zu sagen.

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