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vor 36 Stunden in Kommentar, 6 Lesermeinungen
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Gedanken aus dem Auenland von Nikolaus Lobkowicz
Linz (kath.net/gem/rn)
Heute passiert es ja durchaus schnell mal, dass gewisse Menschen andere als „Nazis“ bezeichnen. Jetzt kann es ja durchaus auch gut sein, dass es tatsächlich immer noch solche „faulen Eier“ unter uns gibt. Falls das so ist, dann habe ich das Gefühl, dass die sich gut vor mir verstecken. Ich persönlich habe jedenfalls noch nie einen richtigen Nazi getroffen. Glaube ich jedenfalls – aber man weiß ja nie. Eigentlich erstaunlich, denn angeblich soll es ja heute wieder ziemlich viele Nazis bei uns in Deutschland geben. Ich persönlich habe allerdings noch nie jemanden getroffen, der die Grundpfeiler der nationalsozialistischen Weltanschauung explizit bejaht.
Grundpfeiler der Nazi-Ideologie sind (in etwa) die Einteilung der Menschheit in höhere und niedere Rassen und insbesondere die Juden als Verkörperung des menschlichen Feindbildes. Das sog. „Führerprinzip“. Extremer Nationalismus (in Form einer absurden Überhöhung der „deutschen Herrenrasse“) im Verbund mit der kommunistisch anmutenden Idee der den Individualismus zugunsten der Allgemeinheit überwunden habenden „Volksgemeinschaft“. Dann wären da auch noch die Ablehnung der Demokratie, Gewaltverherrlichung und der Militarismus zu nennen, und nicht zuletzt eine aggressive Abneigung gegen die Kirche.
Allerdings kenne ich durchaus einige Leute, die ernsthaft finden, dass „Weiße“ weniger wert seien als „Farbige“ – besonders dann, wenn diese Weißen heterosexuelle, christliche Männer sind. Dieselben Leute mögen meistens auch keine Juden (besonders dann nicht, wenn diese in einem eigenen Staat leben) und finden „From the River to the Sea, Palestine shall be free“ schon eine gute Forderung. Viele dieser Leute waren während der Covid-Jahre ganz schnell dabei, all jenen einen Mangel an „Gemeinschaftssinn“ vorzuwerfen, die sich den autoritären Maßnahmen widersetzten (besonders der Impfung) – und sie finden auch, dass Demokratie nur so lange in Ordnung ist, wie „ihre Werte“ hochgehalten werden. Sobald „ihre Werte“ vermeintlich in Gefahr sind, fordern sie, dass die Partei, aus der diese „Gefährdung“ kommt, verboten werden soll**,** und bezeichnen pauschal alle, die dieser Partei ihre Stimme geben, als Nazis. Einige dieser Leute wollen auch unbedingt, dass Deutschland gegen Russland in den Krieg zieht, und von der Kirche (besonders der katholischen) halten sie nicht viel.
Dazu kommen noch einige andere Behauptungen, wie zum Beispiel, dass das Geschlecht nur ein „soziales Konstrukt“ sei, dass ungeborene Menschen nichts als „Zellhaufen“ seien und dass es eine gute Sache sei, alten Menschen, „die nichts mehr zum Allgemeinwohl beitragen“, nicht nur die legale Möglichkeit zum assistierten Suizid nahezulegen, sondern ihnen dies sogar proaktiv schmackhaft zu machen. Gerade diese Leute sind oft besonders schnell dabei, Andersdenkende als „Nazis“ zu bezeichnen, und finden es dann durchaus großartig, wenn so jemand mal ordentlich auf die Schnauze kriegt – wie man leicht an den Kommentaren unter einschlägigem**,** in den sozialen Medien geteiltem Material ablesen kann. „Nazis klatschen“ – dieser Begriff hat es sogar in einige Liedtexte geschafft, die sich bei diesen Leuten großer Popularität erfreuen. Sogar hohe Politiker (wie zum Beispiel der heutige Finanzminister und ehemals stolzes Antifa-Mitglied Lars Klingbeil) bezeichnen ihre politischen Gegner gerne ganz unverblümt und selbstbewusst als Nazis.
Ich frage mich manchmal, ob diesen Leuten eigentlich auffällt, wie merkwürdig ähnlich sie selber in ihrer Weltanschauung den Architekten des Dritten Reiches sind. Mal sehen:
Wenn Rassismus heißt, dass man Leute aufgrund ihrer Hautfarbe anpöbelt, dann trifft das auch zu, wenn man Weißen ihr Weißsein vorwirft.
Wenn jemand „From the River to the Sea…“ sagt, dann fordert er/sie die Auslöschung Israels – und wenn das kein extremer Antisemitismus ist, dann weiß ich auch nicht.
Gemeinschaft (ideologisch gleichgeschaltet) über Individualismus? Definitiv.
Ablehnung der Demokratie? Man kann noch so sehr behaupten, ach so besorgt um „unsere Demokratie“ zu sein – wenn man im gleichen Atemzug das Verbot einer neuen Volkspartei fordert, straft man sich selbst Lügen. Und eine Demokratie, in der alle Parteien ideologisch gleichgeschaltet marschieren, hatten wir gerade erst in der DDR – der „Deutschen Demokratischen Republik“. Da kann man noch so lautstark behaupten, ein großer Demokrat zu sein und deswegen ganz viel „gegen Rechts“ demonstrieren.
Gewaltverherrlichung? „Nazis klatschen“ cool finden und sich schön freuen, wenn wieder mal einer von der „Nazi-Partei“ ordentlich aufs Maul gekriegt hat – das, liebe Leute, ist Gewaltverherrlichung. Und die Hamas zu verteidigen, natürlich ebenso.
Antiklerikalismus, besonders was die katholische Kirche angeht? Vielleicht ist das heute in Deutschland bei diesen Leuten vor allem deswegen nicht mehr so ausgeprägt, weil die Kirche (zumindest in Deutschland) diesen Leuten angesichts der eben aufgezählten Punkte beklagenswert wenig Anlass zum Affront bietet.
Wie gesagt, einen echten Nazi habe ich persönlich noch nie getroffen. Aber ich kenne viel zu viele Leute, die andere gerne so bezeichnen – und dabei selbst viel mehr ideologische Überschneidungen mit den Nazis aufweisen als die von ihnen in dieser Weise Verunglimpften. Aber wer weiß – vielleicht geht es ja auch nur mir so.
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Versusdeum vor 28 Stunden: Wer oder was ist "Nazi"?
@alke und @Mensch#17
Fakt ist:
- Ein "Nazi" ist kein "Nationalist", sondern per Definition entweder ein Parteimitglied der NSDAP (weitestgehend ausgestorben) oder zumindest als "Neonazi" Anhänger der nationalsozialistischen Weltanschauung (u.a. Judenfeindlichkeit, Herrenmenschengedöns etc.)
- Nicht jeder Nationalist ist ein "Nazi" (denn sonst gäbe es auch z.B. viele "nazifeindliche jüdische Nazis", was absurd wäre)
- ein Patriot, der sein Land liebt, aber andere Länder und Völker achtet, ist noch weniger ein "Nazi"
- ein Andersdenrender zwischen gemäßigt links und konservativ ist erst Recht kein "Nazi"
> "Nazi" ist meistens nichts anders als die altbewährte "Nazi-Keule", die es selbst geistigen Tieffliegern in der Politik erlaubt, den (Nicht-)Diskurs zu dominieren und die Konkurrenz auszuschalten
Bilbo B. vor 29 Stunden: Bern
Gestern ging ich nach 17:00 unter einem der Laubengänge durch das schweizerische Bern. Drei Jugendliche, deren Äusseres offensichtlich auf einen Migrationshintergrund schliessen lassen, stellten sich mir provokativ in den Weg. Einer ging vor mir in die Hocke und herrschte mich an: „Bisch Du der Fritz!“ Schweigend und gleichmütig schlängelte ich mich an den drei Burschen vorbei. Hinter mir rief einer nach „Hitler!“ Ich hatte noch nie etwas mit der menschenverachtenden Naziideologie zu tun. Auch mein Äusseres lässt in keiner Weise auf einen Nazisympathisanten schliessen.
Richelius vor 32 Stunden:
Weiland Erzherzog Otto hat sehr richtig gesagt, daß der Nationalsozialismus von einst nicht wiederkommt, aber andere Formen desselben schon existieren. Dazu muss man auch wissen, daß wir heute die NS-Zeit immer aus der Perspektive der Nachkriegsjahre sehen. Das unterscheidet sich von dem Blick auf die Nationalsozialisten den die Leute vor Kriegsbeginn hatten.
Der Nationalsozialismus in seiner urspünglichen Form ist die Kombination aus Nationalismus und Sozialismus, also aus zwei drr schlimmsten Ideologien der Neuzeit, die beide historisch dem linken Lager zuzurechnen sind.
Ich bin schon recht vielen Nationalsozialisten begegnet, wobei keiner gemerkt hat, daß er eigentlich tief braun ist.
NS Politiker würden mir im Moment Putin und Kim Jong Un einfallen. Die europäischen nenne ich lieber nicht, bevor ich mir eine Anzeige einfange.
Mensch#17 vor 34 Stunden: Was ist eigentlich ein "Nazi"?
Man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass die meisten, die den Begriff "Nazi" verwenden, keine klare Definition geben können, was ein "Nazi" ist. Ahnlich verhält es sich auch mit dem Begriff "Faschist".
Viele meinen "Nazi" und "Faschist" wären politisch "Rechts" zu verorten. Kann das so durchgehalten werden?
Bischof Feige hat wohl durch einen Fauxpa in seinen jüngsten Hirtenbrief ein Schlagwort aus dem Programm der NSDAP von 1920 eingebaut. Man findet von dem Programm ein Bild bei Wikipedia. Manche der dortigen Punkte klingen doch eher als hätten es linke Kräfte formuliert.
Als: was ist ein "Nazi"?
Schwierige Frage! - Besonders für alle, die nicht nur an Schlagworten interessiert sind!
Versusdeum vor 34 Stunden: Großartige Analyse
der mehr oder weniger einzig verbliebenen erbärmlichen und prä-totalitären Diskursform in diesem Land, des sich als Antirassismus tarnenden antiweißen Rassisms und des sich seit 2023 in nichts aufgelöst habenden Narrativs, dass Judenfeindlichkeit rächz sei (wo bitteschön soll diese denn sein, wenn praktisch ausnahmslos jeder Fall, zu dem man mehr erfährt links- oder ausländisch-extremistisch ist - und wäre es anders, würden wir es ganz sicher sofort erfahren)?
Wilolf vor 35 Stunden: er/sie?
Mir geht es sehr ähnlich wie dem Autor. Aber zum „dann fordert er/sie die Auslöschung Israels“: Warum muss hier der Geschlechtsunterschied betont werden? Sind Frauen, weil sie weiblich sind, die besseren oder schlechteren Antisemiten als Männer? Oder wird der Geschlechtsunterschied zur Züchtung neuer Antisemiten gebraucht?
Mir jedenfalls ist es vollkommen gleichgültig, ob ein Antisemit männlich oder weiblich ist.
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