kath.net katholische Nachrichten

Aktuelles | Chronik | Deutschland | Österreich | Schweiz | Kommentar | Interview | Weltkirche | Prolife | Familie | Jugend | Spirituelles | Kultur | Buchtipp


Kanada hat fast 100.000 Euthanasiefälle seit der Legalisierung 2016

vor 14 Stunden in Prolife, keine Lesermeinung
Artikel versenden | Tippfehler melden


Was als streng regulierte Ausnahme für schwerkranke Menschen begann, hat sich innerhalb von weniger als zehn Jahren zu einem der bedeutendsten Todesursachenfaktoren in Kanada entwickelt.


Ottawa (kath.net/LifeNews/jg)
Kanada hat seit der Legalisierung der medizinisch assistierten Sterbehilfe (Medical Assistance in Dying – MAiD) im Jahr 2016 eine hohe Zahl an Todesfällen durch diese Praxis zu verzeichnen. Laut einem aktuellen Bericht und Schätzungen auf Basis offizieller Provinz- und Bundesdaten wird die Marke von fast 100.000 Euthanasiefällen in Kürze erreicht oder bereits überschritten.

Der sechste jährliche Bericht von Health Canada, veröffentlicht am 28. November 2025, meldet für das Jahr 2024 genau 16.499 Fälle von MAiD. Das entspricht einem Anstieg von 6,9 Prozent gegenüber 2023, als es 15.427 Fälle gab. Das bedeutet, dass etwa 5,1 Prozent aller Todesfälle in Kanada im Jahr 2024 durch ärztliche Sterbehilfe erfolgten – also etwa jeder 20. Tod.

Bis Ende 2024 summierten sich die offiziell gemeldeten MAiD-Todesfälle seit Einführung des Gesetzes auf 76.475. Besonders aufschlussreich sind die aktuellen Zahlen aus Ontario, der bevölkerungsreichsten Provinz, in der ungefähr 39 Prozent der kanadischen Bevölkerung leben. Der Bericht des Chief Coroner of Ontario für das vierte Quartal 2025 weist für das gesamte Jahr 2025 5.303 Euthanasiefälle aus. Das ist eine Zunahme von 7,2 Prozent gegenüber 2024. Damals gab es 4.944 Fälle. Unter der konservativen Annahme eines ähnlichen landesweiten Wachstums von etwa 7 Prozent ergibt sich für ganz Kanada für das Jahr 2025 eine Schätzung von rund 17.650 MAiD-Todesfällen.


Addiert man diese Zahl zu den bisherigen 76.475 Fällen, kommt man Ende 2025 auf etwa 94.125 dokumentierte Euthanasiefälle. Bei einer durchschnittlichen Rate von etwa 45–48 MAiD-Todesfällen pro Tag (basierend auf den jüngsten Trends) dürfte die Schwelle von 100.000 kumulativen Todesfällen bereits Mitte bis Ende April 2026 überschritten werden.

Ursprünglich wurde MAiD 2016 als eng begrenzte Ausnahme für unheilbar kranke Menschen mit absehbar bevorstehendem Tod eingeführt. Durch eine Gesetzesänderung im März 2021 entfiel jedoch die Bedingung der „absehbar bevorstehenden natürlichen Todesursache“. Seitdem ist die Zahl der Fälle kontinuierlich gestiegen – und das nicht nur bei unheilbar Kranken.

Kritiker weisen darauf hin, dass MAiD inzwischen in vielen Fällen zur erwarteten oder sogar „normalen“ Todesart geworden ist. Es gibt dokumentierte Berichte über Fälle, in denen Menschen aufgrund von Armut, Obdachlosigkeit, Einsamkeit, Krankenhausüberbelegung oder mangelnder sozialer Unterstützung die Sterbehilfe wählten. In Ontario allein wurden mindestens 428 Fälle als nicht konform mit den gesetzlichen Vorgaben eingestuft.

Besonders umstritten ist die Regelung, dass bei vorheriger Einwilligung auf die finale Zustimmung im Moment der Durchführung verzichtet werden kann (sogenannte „Waiver of Final Consent“). Allein in Ontario gab es 2025 250 solcher Fälle – das entspricht etwa einem von 21 MAiD-Todesfällen in der Provinz.

Weitere auffällige Entwicklungen
Das Durchschnittsalter der Betroffenen liegt bei etwa 78 Jahren, die jüngsten Fälle betreffen jedoch Personen ab 20 Jahren.
Die häufigste Grunderkrankung ist Krebs, aber auch nicht-lebensbedrohende Behinderungen spielen eine Rolle (Mobilitätseinschränkungen, chronische Schmerzen etc.).
Nur ein sehr geringer Anteil der MAiD-Toten spendet Organe (in Ontario 2025 lediglich 31 von 5.303).

Was als streng regulierte Ausnahme für schwerkranke Menschen begann, hat sich innerhalb von weniger als zehn Jahren zu einem der bedeutendsten Todesursachenfaktoren in Kanada entwickelt. Die Prognose, dass bereits im Frühjahr 2026 die 100.000-Marke erreicht wird, wirft grundlegende ethische, gesellschaftliche und rechtliche Fragen auf – insbesondere zum Schutz vulnerabler Gruppen wie Armen, Behinderten und psychisch Belasteten.

 


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

Tweet 




Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können nützen sie bitte die Desktop-Version.


© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz