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vor 2 Stunden in Kommentar, 7 Lesermeinungen
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„Einfach gläubige Katholiken, zu denen auch Gelehrte zählen, wünschen sich eine Predigt, die mit dem Glauben der Kirche aller Zeiten und aller Orte übereinstimmt und das Evangelium sachgerecht in der Welt von heute auslegt.“ Von Dr. Thorsten Paprotny
Hannover (kath.net) Was nach dem verbindlich gültigen römischen Kirchenrecht normativ geboten ist – auch in der Kirchenprovinz Deutschland –, wird bekanntlich faktisch vielerorts unterlaufen oder aus vermeintlich pastoralen Gründen übersehen: Die Homilie, also die Auslegung des Evangeliums in der heiligen Messe, ist gemäß Can. 767 § 1 dem Priester oder dem Diakon vorbehalten, damit also einem geweihten Amtsträger. Das mag als Diskriminierung von Weltchristen verstanden. Es ist aber mitnichten so, denn ein solches weltliches Ausschlussprinzip hat in der römisch-katholischen Kirche keinen Platz, auch wenn es von Einzelnen so erlebt werden mag.
Vielerorts gibt es Klagen über eine bestimmende Lebenswirklichkeit in der Kirche, nämlich uninspirierte Predigten, über geistliche Lauheit oder auch über kirchenpolitische Schwatzhaftigkeit, bei der dann die Homilie zu einer Stätte der Selbstbespiegelung wird. Ich kann jeden verstehen, der darunter stöhnt und leidet. Manchmal findet eine geradezu verheerende freisinnige Exegese statt, bei der sich die Auslegung des Evangeliums vollständig von dem auszulegenden Text entfernt und mitunter, in seltenen Fällen, die Gestade der Häresie und auch der Apostasie erreicht. Die gläubige Hörerschaft mag sich damit trösten, dass derjenige, der das Wort Gottes verkündet und auslegt, auch von dem Wort, das Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat, geschnitten wird – und dies auch dann, wenn er selbst nicht daran glaubt oder damit rechnet.
Der Herr der Kirche ist eben nicht der Ortspfarrer oder irgendein zur Zelebration bestellter Gastpriester. Der, der zur Homilie bestellt ist, hat nie das letzte Wort, darf und wird es auch nicht haben, selbst wenn er das im Augenblick der Verkündigung vergisst. In der Kirche Gottes, und dies auch vor Ort, waltet der Heilige Geist in allem – und dies trotz aller lehramtswidrigen Meinungsbekundungen und subjektiven Machtmissbräuche von Amtsträgern –, und wer das Walten des Heiligen Geistes konsequent und hartnäckig bestreitet, begeht eine Sünde wider den Heiligen Geist, die bekanntlich nicht vergeben werden kann. Darüber zu richten, das ist Sache eines anderen, und zwar des Herrn, auf dessen Richtspruch alles ankommt.
Natürlich bleiben Missbräuche bei der Predigt trotzdem korrekturbedürftig, und das liegt allein in der Verantwortung des diözesanen Oberhirten, nicht in der Verantwortung des leidenden Gliedes einer Pfarrgemeinde. Die Homilie soll den Glauben der römisch-katholischen Kirche verständlich machen. Im Kirchenrecht ist das präzise dargelegt, can. 767, § 1: „Unter den Formen der Predigt ragt die Homilie hervor, die Teil der Liturgie selbst ist und dem Priester oder dem Diakon vorbehalten wird; in ihr sind das Kirchenjahr hindurch aus dem heiligen Text die Glaubensgeheimnisse und die Normen für das christliche Leben darzulegen.“ Wer Letzteres nicht tut und vielleicht statt der verbindlich gültigen Morallehre der Kirche die Fantasien des deutsch-synodalen Weges vorträgt, macht etwas grundlegend falsch, aber selbst das ist kein Grund, um einem möglicherweise begabten, der Lehre der Kirche ohne Wenn und Aber verbundenen Weltchristen die Homilie zu überlassen.
Wir dürfen also nicht vergessen: Natürlich gibt es, nicht nur in der Kirchenprovinz Deutschland, sondern überall auf der Welt, Laien – ungeachtet, welches Amt sie bekleiden, oder ob sie jenseits aller kirchlichen Ämter stehen, wie etwa ein romtreuer Theologe –, die theologisch kundiger und den zeitgeistlichen Versuchungen gegenüber resistenter sind als mancher zelebrierende und predigende Priester. Das ist aber niemals ein hinreichender Grund dafür, dass Weltchristen wie ebendiese die Homilie in einer heiligen Messe halten. Ein romtreuer Katholik, der darum gebeten wird, wird sich weigern, eine Homilie in der heiligen Messe zu halten, sondern wie jeder einfach gläubige Katholik das tun, was geboten ist, seiner Berufung entsprechend, und ggf. auch an der Predigt leiden. Das gilt für Katholiken ohne jede akademische Bildung ebenso für die im Glauben der Kirche verwurzelte Exegeten ohne priesterliche Berufung. Niemand bestreitet, dass viele Homilien langweilig und einige schlicht unerträglich sind. Das aber ist kein Grund für selbstgewisse Ignoranz oder deutsche Überheblichkeit gegenüber dem Kirchenrecht. Die Passionsgemeinschaft mit dem Herrn kann auch in der Eucharistiefeier erfahren werden, nicht nur bei liturgischen Missbräuchen, sondern auch bei schlechten Homilien.
Die Laienpredigt aber ist auch jetzt grundsätzlich durchaus erlaubt, etwa in einer Andacht, gemäß can. 766: „Zur Predigt in einer Kirche oder einer Kapelle können, nach Maßgabe der Vorschriften der Bischofskonferenz und vorbehaltlich von can. 767, § 1, Laien zugelassen werden, wenn das unter bestimmten Umständen notwendig oder in Einzelfällen als nützlich angeraten ist.“
Für diese Predigten gilt ebenso: Sie sind weder bloß subjektive Statements, wie authentisch diese auch immer mitgeteilt werden, noch persönliche Darbietungen, sondern stets gebunden an den Glauben der Kirche aller Zeiten und aller Orte. Die Laienpredigt ist also statthaft, nur nicht in der Eucharistiefeier – und diese kirchenrechtliche Regelung diskriminiert niemanden. Wer das subjektiv anders erlebt, erlebt das anders, das ist zulässig oder unvermeidlich, aber ein subjektives Erleben ist und bleibt auch nicht mehr als ein subjektives Erleben. Es ist im Letzten ohne jede Bedeutung.
Einfach gläubige Katholiken, zu denen auch Gelehrte zählen, wünschen sich nichts mehr als eine Predigt, die mit dem Glauben der Kirche aller Zeiten und aller Orte übereinstimmt und das Evangelium sachgerecht in der Welt von heute auslegt. Es geht bei der Verkündigung um die Auslegung der Frohen Botschaft unseres Herrn Jesus Christus, um nichts anderes, und in der Feier der heiligen Messe ist und bleibt dies die Aufgabe der geweihten Diener des Herrn, für die wir beten dürfen und beten sollten.
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SarahK vor 3 Stunden: In der Heiligen Messe
möchte ich Christus begegnen. Und zu 90 % komme ich deswegen zur Heiligen Messe. Jedenfalls nicht wegen eines Priesters, der sich zu wichtig nimmt und der meint ich komme wegen ihm, nicht wegen einer Betroffenheitsfürbitterin oder wegen der Messdiener aber schon gar nicht wegen eines Laienprediger der nicht verstanden hat, dass die Homilie des Priesters* Teil der Eucharistie und damit Teil der Begegnung mit Christus sein sollte. Ok zu 10% komme ich, besonders während der Woche um Ruhe zu finden, inneren Frieden und ungeklärte - meistens berufliche - Fragen in meinem Kopf zu ordnen. *Sternchen, weil selbst viele Priester das augenscheinlich nicht wissen.
marlin vor 3 Stunden:
@antony: "Die meisten Pfarrer scheuen den öffentlichen Unmut, der sichtbar wird, wenn sich irgendwann immer mehr Leute zu der Gelegenheit hinsetzen."
Manche feiern sogar lieber den Tridentinischen Ritus – mit diesem Trick umgehen sie die Pflicht, den NOM korrekt zu feiern – es ist einfacher den Tridentinischen Ritus zu zelebrieren, als den NOM so, wie er zelebriert werden soll.
antony vor 4 Stunden: @ Joethekieker: In Fürbitten verpackte politische Statements...
... gab es auch bei uns eine ganze Zeit lang, bis hin zu "Wir bitten für die Geimpften und Genesenen".
Was man als Gläubiger machen kann, wenn reden nicht weiter hilft: Sich bei politischen Fürbitten einfach hinsetzen und zur nächsten Fürbitte wieder aufstehen.
Weil: Ich stehe zu Fürbitten. Zu politischen Stellungnahmen sitze ich lieber.
Hat bei uns geholfen. Nachdem etliche Beschwerden nichts brachten, reichte 2x Hinsetzen, damit diese Unart ein Ende fand.
Die meisten Pfarrer scheuen den öffentlichen Unmut, der sichtbar wird, wenn sich irgendwann immer mehr Leute zu der Gelegenheit hinsetzen.
Versusdeum vor 6 Stunden: @marlin
Was erwarten sie von Bischöfen, die sich (als Nachfolger der Apostel immerhin mit besonderen Vollmachten versehen) selbst "entmachten" und ihr Lehramt an Aktivisten abgeben (selbst über Dinge, die sie selbst gar nicht entscheiden können!) und die Kirche mit noch mehr Homo vom Homo-Missbrauchsskandal "erlösen" wollen? Nur noch irre!
Jothekieker vor 6 Stunden: Mir reichen schon die Laienfürbitten
Für mich ist es im novus ordo schon eine große Herausforderung, manche grün-woke Fürbitten zu ertragen. Aber eine Predigt, die dann wahrscheinlich dieselben Laien erstellen, brauche ich wirklich nicht.
marlin vor 6 Stunden: Laienpredigt
Gut gesagt, gut geschrieben – das alles wissen wir (deutsche Bischöfe, Priester, Diakone und Laien) und dennoch ändert sich nichts. Mehr noch – jetzt wollen die deutschen die Erlaubnis für die Laienpredigt – also dafür, was sie eh schon tun. Die Geschichte wiederholt sich. Wir machen die selben Fehler, obwohl immer weniger Katholiken die hl. Messe besuchen…
Begreift keiner, was in der deutschen Kirche los ist?
So dämlich kann man doch gar nicht sein.
Versusdeum vor 6 Stunden: "Die Laienpredigt ist also statthaft, nur nicht in der Eucharistiefeier"
Und: "Einfach gläubige Katholiken, zu denen auch Gelehrte zählen, wünschen sich nichts mehr als eine Predigt, die mit dem Glauben der Kirche aller Zeiten und aller Orte übereinstimmt und das Evangelium sachgerecht in der Welt von heute auslegt."
Damit ist alles Notwendige zum Thema gesagt. Danke!
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