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Ehemaliger Bischof verteidigt Papst Leo XIV. gegen Vorwürfe im Zusammenhang mit Pachamama

vor 36 Stunden in Weltkirche, 11 Lesermeinungen
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Fotos, die den damaligen Augustinerpater Robert Prevost bei einem Pachamama-Ritual zeigen, sind kein Beweis für Götzendienst. Man müsse zwischen Geste und Intention unterscheiden, betont Rainaldo Nann.


São Paulo (kath.net/jg)
Ein ehemaliger Bischof hat Papst Leo XIV. gegen Vorwürfe verteidigt, dieser habe in der Vergangenheit an Akten indigener Anbetung teilgenommen. Der Vorfall dreht sich um eine Fotografie aus dem Jahr 1995, die den damaligen Augustiner-Missionar Robert Prevost (heute Papst Leo XIV.) kniend während einer Zeremonie in São Paulo (Brasilien) im Kontext einer Spiritualität der Anden zeigt, berichtet The Catholic Herald

Der deutschstämmige ehemalige Bischof Reinaldo Nann, der von 2017 bis 2024 als Bischof in Peru tätig war, veröffentlichte am 22. März 2026 einen Beitrag auf der Plattform Religion Digital. Darin erklärt er: Der damalige Missionar Robert Prevost „ist kein Götzendiener und hat Pachamama nicht angebetet“. Nann bestreitet nicht die Authentizität des Bildes oder die Umstände des Ereignisses. Er schreibt wörtlich: „Um es klar zu sagen: Der junge Missionar Robert Prevost hat 1995 tatsächlich an diesem Kongress zu Ökologie und Theologie teilgenommen und ist im Rahmen einer Zeremonie zur Mutter Erde niedergekniet.“ Dennoch weist er die daraus gezogenen Schlussfolgerungen entschieden zurück. 


In dem Foto sei keine Statue der Pachamama zu erkennen, sondern lediglich kniende Männer, von denen einer die rechte Hand erhebe. „Ich sehe keine Anbetung Pachamamas als Göttin, weder vonseiten Prevosts noch vonseiten der Anwesenden“, betont Nann. Die Vorwürfe, die vor allem von Online-Medien wie LifeSiteNews am 18. März 2026 erhoben wurden, würden das Bild als Beweis für Götzendienst darstellen und daraus sogar die Legitimität des Pontifikats von Leo XIV. infrage stellen. Solche Interpretationen seien schwerwiegende Missverständnisse sowohl des Ereignisses als auch der katholischen Lehre. 

Nann, der aus seiner langjährigen Missionserfahrung in Peru spricht, interpretiert die Szene anders: Es handle sich um eine interreligiöse Zeremonie, bei der ein Vertreter der Anden-Kultur eine „Zahlung“ oder ein Opfer an die Erde darbringe – eine Form des Dialogs mit der Natur. Andere Teilnehmer, darunter Augustiner-Priester, hätten dieser kulturellen Handlung beigewohnt. Entscheidend sei die Intention: Eine bestimmte Geste oder das Knien sei nicht automatisch Anbetung. „Die Intention ist es, worauf es ankommt. Die Geste des Betens ist nicht automatisch Anbetung, noch ist es die Geste des Knieens“, schreibt er. 

Der ehemalige Bischof zieht eine Parallele zur katholischen Frömmigkeit: Man könne zur Erde sprechen wie zu den Heiligen und vor ihr knien, solange man sie als Geschöpf und nicht als Göttin betrachte. In vorchristlicher Zeit sei Pachamama als Göttin verehrt worden, heute werde sie jedoch eher als Geschöpf Gottes mit einer eigenen Persönlichkeit verstanden. Die Achtung der Erde als „Wesen mit Seele“ erkenne sie weiterhin als Teil der Schöpfung an. „Das ist kein Synkretismus, das ist Inkulturation“, argumentiert Nann. Verschiedene Kulturen und Philosophien könnten evangelisiert werden, ohne ihre kulturelle Sprache abzulehnen – vorausgesetzt, sie akzeptierten Jesus Christus als einzigen Erlöser. 

Die Interpretation von Nann wird durch Stimmen aus dem Augustinerorden unterstützt. Der brasilianische Ordensbruder Luiz Augusto de Mattos wies Kritik an Prevosts Missions- und Pastoralarbeit in Lateinamerika zurück. Solche Angriffe ignorierten oder manipulierten, was Prevost als Ordensmann, Priester und Bischof tatsächlich gelebt habe. Die Arbeit des Ordens stehe im Einklang mit den Vorgaben der Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und den lateinamerikanischen Bischofskonferenzen (Medellín, Puebla, Santo Domingo, Aparecida). Sie umfasse Evangelisierung, Bildung, soziale Gerechtigkeit und Friedensarbeit in Schulen, Pfarreien und Universitäten. 

Die Kontroverse geht auf Fotos zurück, die aus den offiziellen Tagungsunterlagen des ökotheologischen Kongresses in São Paulo stammen, die 1996 unter dem Titel „Ecotheology: A Perspective from St Augustine“ veröffentlicht wurden. Kritiker sehen darin einen Akt der Anbetung der Pachamama, einer in der Tradition der Anden verehrten Mutter-Erde-Gottheit. Reinaldo Nann und andere betonen hingegen den kulturellen und ökologischen Kontext sowie die Unterscheidung zwischen kultureller Respektsbezeugung und eigentlicher Idolatrie.


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Lesermeinungen

SalvatoreMio vor 8 Stunden: Klar Zeugnis geben war immer gefragt und wird wieder aktueller!

@JohannesM: Danke! Im Grunde sehe ich das genauso wie Sie und wäre bei den Regen-Tänzen ums Feuer auch nicht davongelaufen, hätte aber nicht mitgemacht. Oder z. B.: mit einem Buddhisten, der zum Gebet seine Hände erhebt, verbindet mich tief in der Seele mehr als ein Verwandter, der aus der Kirche austritt, weil er nicht an Gott glaubt.- Aber bei Pachamama in Rom oder der Verehrung von "Mutter Erde" geht es um mehr, um Zeugnisablegen für Christus! In Peru sind ca.75 % getauft! In Rom wiederum steht der Papst stellvertretend für Christus! Das ist etwas völlig Anderes! Der junge Österreicher, der damals die Pachamama in den Tiber schmiss, hatte das begriffen. Wir haben den Auftrag, Zeugnis zu geben. Wenn im Römerreich Christen aufgefordert wurden, vorm Standbild des Kaisers die Knie zu beugen, so taten sie es oft nicht. Es wäre ein Leichtes gewesen, es zu tun und im Herzen zu murmeln: "Vergib mir Gott, aber ich muss doch am Leben bleiben!" (Im Nazi-Reich gab es ähnliche Situationen).

JohannesM. vor 12 Stunden: @SalvatoreMio

Als Missionar trifft man stets auf einheimische Rituale und eine höfliche Teilnahme ist für mich selbstverständlich. Beispiel aus der Praxis: durch meine Arbeit mit Hilfsorganisationen war ich auch auf Baustellen in afrikanischen Ländern. Wir wurden oft zu religiösen Zeremonien eingeladen, die jenseits unserer christlichen Vorstellungskraft lagen. Da gab es Tänze und „Gebete“ z.B. für Regen. Es mutete für uns seltsam an wenn da Männer mit Fackeln um ein Feuer tanzten. Wir haben uns selbstverständlich angepasst. Das hat uns bis heute nicht vom Katholizismus noch vom christlichen Glauben generell abgebracht. Ich bin von Natur aus jeder Kultur aufgeschlossen und respektiere sie. Natürlich dürfen wir im Umkehrschluss auch erwarten, dass Zuwanderer anderer Religionen unsere christlichen Traditionen auch respektieren.

SalvatoreMio vor 14 Stunden: Worte und Zeichen - nur die Intention ist wichtig?

Manche Argumente hier, wollen mir nicht einleuchten. Letztlich ist es gewiss so: Gott schaut uns ins Herz und weiß, warum wir dieses oder jenes tun. Wenn es aber um öffentliche Handlungen oder Riten der Kirche geht, so müssen doch eindeutige Signale gesetzt werden, praktisch wie ein "ABC der Kirche", das jeder Gläubige versteht: kurz gesagt: Worte und Zeichen müssen eindeutig sein und zusammenpassen!

Johannes14,6 vor 15 Stunden: Wie weit soll die Anpassung des Missionars für die Kultur des Landes gehen ?

„Der Missionar muss nicht darauf warten, entkleidet zu werden, sondern er wird es besser machen, wenn er sich vorweg entkleidet, um Zeichen der Wertschätzung und Achtung für die Kultur des Huaorani-Volkes zu geben“ (CH, 144).

In den autobiografischen Schriften von Bischof Labaka, cronicas huaorani, offenbart sich ein eigenartiges Verständnis des Nudismus der Huaorani als "paradiesisch-unschuldiger Urzustand", dem sich der Missionar freundlich anpaßte, bis hin zu Kontakten mit Minderjährigen, in geteilter Hängematte.

Eine SELIGSPRECHUNG würdigt doch das Leben als vorbildhaft, nicht nur das Zeugnis der Lebenshingabe. Angesichts der Wunde des Missbrauchs m.E. ein falsches Zeichen.

Rolando vor 15 Stunden: Die Intention ist wichtig

Ich kann z. B. bei einem Pachamamaritusl mich hinknien, im Geiste zu Jesus beten, er mögen den Ritualteilnehmern seinen Hl. Geist schenken. Sieht äußerlich zwar nicht gut aus, doch der Herr kennt das Herz.
Ist zwar nicht ratsam sich dazuzuknien, das aber als Beispiel für Verurteilungen und Vorwürfe die nur äußerlich urteilen können, das Herz aber nicht sehen.

JohannesM. vor 30 Stunden: Muss man wirklich alles als Gefahr

sehen und verurteilen? Es ist oder war eine kulturelle Veranstaltung des Landes. Kultur darf und soll nicht mit Gewalt unterdrückt werden! Wenn jemand der Erde Respekt erweist weil sie uns nährt, kann man dem doch zustimmen. Die Zeiten der Ausrottung der einheimischen Kultur durch weiße Missionare sollte vorbei sein. Ich nenne das Respekt vor dem Land und der Kultur des jeweiligen Landes. Und immerhin scheint es nicht geschadet zu haben, denn daraus wurde immer unser Papst.

Fink vor 31 Stunden: Am besten wäre es, Papst Leo würde sein Bedauern über jene missverständlichen

Gesten und Zeichen vor 30 Jahren äußern. Und gut wärs.

SalvatoreMio vor 35 Stunden: Was soll man davon halten?

Peru hat eine ganz andere Entwicklung als wir, aber dort sind ca. 75 % katholisch. Man wundert sich bei TV-Dokumentationen, dass Christentum und Heidentum offenbar noch recht stark vernetzt sind.- Wenn kürzlich bei Papst Franziskus eine Pachamama-Figur auftauchte und dort seltsame Zeremonien vollzogen wurden, so muss man sich nur wundern. Gewiss spüren Leute im Hochland von Peru viel deutlicher als wir, dass "Mutter Erde" 'Leben' ist. Aber: auf dem Foto von 1995, neigen auch die Ordensleute sich mit dem Körper und der Stirn bis auf den Boden! Zeichen haben eine ebenso starke Wirkung, wie Worte! Hätte man bei jener Zeremonie evtl. ein Kreuz erhoben oder hingestellt und Gott gedankt, dass Christus diese Erde betrat usw. und sich dann auf dem Boden verneigt, wäre das "Mission", aber obiger ehemaliger Bischof sieht das anders: "Man könne zur Erde sprechen wie zu den Heiligen". Reinhold Nann, 1960 geboren, geweiht in EB Freiburg, hat 2024 den Priesterdienst verlassen und geheiratet.

Medusa vor 36 Stunden: verehren oder doch anbeten?

Zitat: „Man könne zur Erde sprechen wie zu den Heiligen und vor ihr knien, solange man sie als Geschöpf und nicht als Göttin betrachte.“
Klar, kann man das, aber wer spricht denn schon zu lebloser Substanz - ohne Seele, ohne Herz und ohne Verstand? Ich redete nicht mal mit meinen Aquarienfischen.

Zitat: „In vorchristlicher Zeit sei Pachamama als Göttin verehrt worden, heute werde sie jedoch eher als Geschöpf Gottes mit einer eigenen Persönlichkeit verstanden.“
Wieso? Damit man sie christlich anbeten kann?
Darf ich dann den Eintopf mit Würstchen, der nach der Fronleichnamsprozession gesegnet wird, auch verehren?

Johannes14,6 vor 36 Stunden: Dieses Ereignis fand 1996 statt

Mich irritieren 2 Ereignisse aus jüngster Zeit:

Die Segnung eines Eisblocks im Geist der Klimawandel - Ideologie, zum 10. Jahrestag der Enzyklika "Laudato si" im Oktober 2025-

Die geplante Seligsprechung von Bischof Alejandro Labaka (Papst Leo erklärte den spanischen Kapuziner - Missionar im Mai 25 zum ehrwürdigen Diener Gottes, trotz der biografischen Notizen "Crónica Huaorani", die ein eigenartiges Verständnis von Nudismus zeigen.)

infovaticana.com/de/2026/02/12/der-bischof-labaka-im-prozess-der-seligsprechung-durch-leo-xiv-berichtete-

KathedraPetri vor 36 Stunden:

Ich habe nie ganz verstanden, warum hier oft jedes Detail auf die Goldwaage gelegt wird, während der Sonnengesang des Franz von Assisi mit der Anrede „Mutter Erde“ völlig unproblematisch durchgeht. Schon im Buch Genesis (Gen 1) werden Sonne und Mond aus Sorge vor Götzendienst nicht einmal beim Namen genannt. Heute sollte eigentlich klar sein, dass solche Bilder keine Konkurrenz zum einen Gott darstellen.

Umso befremdlicher ist es, wenn Papst Leo XIV. vorschnell Götzendienst unterstellt wird. Das wirkt weniger wie ernsthafte Theologie als wie reflexhafte Empörung. Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie überzogen solche Ängste sein können: Selbst das Betreten einer evangelischen Kirche galt einst als problematisch – heute erscheint das eher als Ausdruck von Unsicherheit als von Glaubenstreue.

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