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In Polen war die Katholische Bischofskonferenz erneut Schirmherrin des „Marsch für das Leben“ in Warschau Und bei uns? - „Der Christ der Zukunft wird pro-life sein, oder er wird nicht mehr sein“ - Kommentar von Petra Lorleberg
Warschau (kath.net/pl) Brennt den Bürgern in Polen das Thema „Lebensschutz“ so sehr unter den Nägeln – oder hilft es, dass die Katholische Bischofskonferenz (KEP) erneut die Schirmherrin des „Marsch für das Leben“ in Warschau war? Jedenfalls zog der Marsch für das Leben am 19.4.2026 in der polnischen Hauptstadt Warschau rund 40.000 Menschen an und reiht sich damit wieder unter die größten ProLife-Veranstaltungen Europas ein. Auch nach Stettin kamen mehrere Tausend Menschen zum dortigen Marsch. Weitere Märsche für das Leben finden über ganz Polen verteilt jährlich zu unterschiedlichen Terminen statt. Die Stimme der Lebensschützer ertönt in Polen laut und gut vernehmbar.
Man muss das natürlich säuberlich unterscheiden: Sowohl in Polen wie auch in anderen Ländern ist der Marsch für das Leben keine innerkatholische, sondern eine politische Veranstaltung und es sind Menschen aller Konfessionen, Konfessionen und Weltanschauungen, In- und Ausländer – also „alle Menschen guten Willens“ – zur Teilnahme eingeladen. Denn jedem Marsch für das Leben geht es auf der ganzen Welt um die Gesetzgebung des Landes in Bezug auf ungeborene Kinder, auf Familie, auf das volle Lebensrecht für alle – auch für vulnerable Gruppen wie psychisch oder körperlich Kranke und alte Menschen am Zenit ihres Lebens. Es geht darum, ob eine Gesellschaft das aktive Töten ihrer eigenen Mitglieder durch andere ihrer Mitglieder erlauben will. Deshalb machte es auch Sinn, dass der polnische Staatspräsident Karol Nawrocki als Redner teilnahm und darauf hinwies, dass diese Veranstaltung eine Antwort auf den Geburtenmangel in Polen sei. „Tausende Menschen im Herzen Warschaus zeigen, wie wichtig das Leben und die Familie für Polen sind. Deshalb kann der polnische Präsident heute nicht fehlen. Ich danke den Organisatoren und den wunderbaren polnischen Familien“, sagte er in seiner Rede.
Die polnische katholische Kirche steht aber in bewunderswerter und kompromissloser Klarheit auf der Seite des Lebensschutzes und erfüllt damit einen christlichen Grundauftrag. Deshalb hat die katholische polnische Bischofskonferenz (KEP) auch dieses Jahr wieder die Schirmherrschaft für den Marsch für das Leben in Warschau übernommen. Der KEP-Vorsitzende Erzbischof Tadeusz Wojda (Danzig) amtierte als Ehrenschirmherr und lud per Video eigens zur Teilnahme auf. Auch weitere Bischöfe erstellten Einladungsvideos und Grußworte. Gleich zwei ProLife-Messfeiern wurden von Weihbischöfen gehalten, um der großen Menge von Katholiken unter den Teilnehmern eine Möglichkeit zur Teilnahme anzubieten. Weihbischof Piotr Jarecki (Erzdiözese Warschau) betonte in seiner Homilie: „Die Heiligkeit des Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod ist der primäre unveräußerliche Wert.“ Nach der Messe lud er zur geistigen Adoption eines ungeborenen Kindes ein.
Der Marsch für das Leben in Warschau zählt seit Jahren zu den wirklich großen ProLife-Veranstaltungen Europas. Auch wenn – in großer internationaler Einigkeit – die Zahlenangaben je danach bemerkenswert stark schwanken, wie der jeweilige Autor zum Thema Lebensschutz steht, lässt sich auflisten:
Da mag die Frage aufkommen: wieso dümpeln die Teilnehmerzahlen beim Marsch für das Leben in Deutschland, Österreich und der Schweiz und manchen weiteren europäischen Staaten so vor sich hin? Das kann man nicht einseitig der meist bissigen Anti-Lebensschutz-Berichterstattung der jeweiligen Mainstreampresse in diesen Ländern zuordnen – denn mit demselben Phänomen ist die Lebensschutzbewegung auch in jenen Ländern konfrontiert, in denen die Teilnehmerzahlen boomen. Es kommt bei Beobachtern inzwischen die Frage auf, ob es manchen katholischen Bischöfen und weiteren katholischen Amtsträgern eigentlich peinlich ist, positiv mit dem Lebensschutz in Verbindung gebracht zu werden. Und könnte es sein, dass auch im kirchlichen Predigtdienst die Frage nach dem (grundlegenden) Menschenrecht auf Leben verdunkelt wird? Wieviele Pro-Life-Predigten haben eigentlich SIE in den letzten zehn Jahren beim Messbesuch gehört?
Vergessen wir nicht: Alle Päpste seit dem II. Vatikanum waren ausdrücklich pro-Life eingestellt (und auch die Päpste vor dem II. Vatikanum waren es). Doch die katholische Kirche in Deutschland, Österreich und der Schweiz erlaubt sich immer wieder die Tändelei mit Zeitgeistströmungen, die eine „Kultur des Todes“ unter dem Deckmantel der „Selbstbestimmung“ fördert - wobei die „Selbstbestimmung“ z.B. des betroffenen Kindes völlig ausgeblendet wird. Verschiedene Päpste haben den Marsch für das Leben in Berlin mit Grußworten dezidiert unterstützt, ebenso kamen auch Grußworte aus der Nuntiatur in Berlin.
Der neue DBK-Vorsitzende Bischof Heiner Wilmer hat für den Marsch für das Leben in München kein Grußwort gegeben, die DBK-Pressestelle begründete dies damit, dass der Münchner Marsch nur eine regionale Veranstaltung sei (nun ja, man hat schon gelungenere Ausreden gelesen. Denn der christliche Auftrag zur Nächstenliebe, um den es beim Einsatz um vulnerable Gruppen ja geht, ist in seiner Bedeutung nie nur „regional“). Aber auf jeden Fall: Der bevorstehende Marsch für das Leben 2026 in Berlin und Köln ist keine nur regionale Veranstaltung. Von einer Schirmherrschaft der Deutschen Bischofskonferenz für den nächsten Marsch für das Leben träume ich vermutlich vergeblich. Aber auch kleinere Zeichen würden eine deutliche Sprache sprechen: Man darf gespannt sein, ob Bischof Wilmer für den 19. September mit einem Grußwort aufwarten wird. Oder noch besser mit seiner persönlichen Teilnahme, wie es etwa der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer in bewunderswerter Treue vormacht, auch weitere Bischöfe werden namentlich mit dem Marsch für das Leben verbunden, etwa Bischof Stefan Oster (Passau) und die Weihbischöfe Florian Wörner (Augsburg) und Thomas Maria Renz (Rottenburg-Stuttgart). Wenn Bischof Wilmer sich mit einer Rede beteiligen möchte oder falls er eine ProLife-Messe (bzw. –Wortgottesdienst) feiern möchte, wird er mit Sicherheit bei den Organisatoren offene Türen einrennen! Oder lassen hochrangige deutsche Bischöfe sich wieder mit Hinweis auf einen vollen Terminkalender entschuldigen ? Nota bene: Auch hier hat man schon gelungenere Ausreden gelesen. Denn: Der Marsch für das Leben Berlin und Köln findet immer am dritten Septembersamstag statt, so Gott will auch noch in fünf Jahren.
Grundsätzlich muss allen Katholiken (Klerikern und Laien), allen Mitchristen auch in anderen Konfessionen (in Abwandlung eines bekannten Wortes des Theologen Karl Rahner) klar sein: „Der Christ der Zukunft wird pro-life sein – oder er wird nicht mehr sein.“
Die Autorin Dipl.-Theol. Petra Lorleberg ist CvD bei kath.net und gehört dem Bundesvorstand der CDU-Menschenrechtsorganisation "Christdemokraten für das Leben" (CDL) an.
Foto: Ausschnitt eines Einladungsplakates (c) Erzbistum Warschau
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