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vor 3 Stunden in Kommentar, 2 Lesermeinungen
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Der Erzbischof von München schreibt einen Brief, in dem er seine Priester auffordert, gegen die Lehre der Kirche zu handeln. Der Plan, das Ganze heimlich zu tun, ging nicht auf. Der Montagskick von Peter Winnemöller
München (kath.net)
Na endlich gibt es den Segen auch in Oberbayern. Dazu hat der Erzbischof von München und Freising einen Brief, der kath.net vorliegt, an die Priester, Diakone und so wörtlich „Mitarbeitenden“ im Pastoralen Dienst geschrieben. Hoffentlich erreicht das Schreiben letztere in ihrer Arbeitszeit, denn Feierabendhabende im Pastoralen Dienst wurden nicht angesprochen. Den Treppenwitz an der Sache machte Communio online öffentlich, nämlich die Tatsache, dass das Schreiben gar nicht im Amtsblatt veröffentlicht werden sollte. Mithin ist es kein offizielles Dekret des Erzbischofs. Kardinal Marx regiert sein Bistum also mit Geheimdekreten. Nun ist es halt öffentlich, formell setzt dieses Schreiben keinen Rechtsakt, es gibt nur eine lauwarme Empfehlung, die Handreichung „Segen gibt der Liebe Kraft – Segnungen für Paare, die sich lieben“ als Grundlage seelsorglichen Handelns zu verwenden. Das umstrittene Papier, das in vielen Punkten gegen die Lehre der Kirche steht, war von der sogenannten Gemeinsamen Konferenz von DBK und „ZdK“ beschlossen worden.
Erstaunlich, dass ein solches Gremium überhaupt Beschlüsse fassen kann – aber wie man sieht, entfalten sie natürlich von sich aus keine Wirkung. Funfact am Rande: Die Gemeinsame Konferenz wird faktisch von der noch nicht verbindlich eingeführten Synodalkonferenz abgelöst werden. Nun gilt das Papier „so irgendwie“ auch in der Diözese von Kardinal Marx. Das erleichterte Aufatmen von Tausenden Paaren, die sich vor den Portalen oberbayrischer Landgemeinden die Füße plattgestanden haben, war bis in den hohen Norden zu hören. Wie viele von den 108.000 sonntäglichen Kirchgängern unter den 1,4 Millionen Katholiken des Erzbistums wirklich betroffen sind, ist natürlich auch im statistikverliebten Deutschland nicht mit Zahlen belegt. Von Interesse dürfte es bei ernsthafter Betrachtung ohnehin nur in der linksgrün dominierten Metropole München sein. Dabei wird vermutlich auch dort der populistische Effekt weitaus größer sein als der seelsorgliche. Mithin ist das Kernproblem gar nicht der Pfarrer, der das schwule oder lesbische Paar segnet und es auf sein Gewissen nimmt. Das Problem ist, dass hier eine Handreichung existiert, die sich gegen mehrfache dezidierte Äußerungen des ordentlichen Lehramtes der Kirche richtet.
Während ein schon an sich umstrittenes Papier mit dem Namen Fiducia suplicans (FS) des derzeitigen Vorsitzenden des Glaubensdikasteriums, Kardinal Fernandez, ganz klar festgelegt hat, dass allenfalls persönliche und spontane Segnungen, die nicht in einen gottesdienstlichen Rahmen stattfinden dürfen und die keine liturgischen Anklänge haben dürfen, erlaubt sind, wird in der umstrittenen deutschen Segenshandreichung von Segensfeiern gesprochen und Formulare dafür angekündigt. Allein deshalb wäre es unbedingt erforderlich, diese Handreichung, die schon bei ihrer Veröffentlichung zu argen Irritationen führte, unverzüglich einzustampfen. Mehr noch, allen Unkenrufen zum Schreiben und allen pastoralen Schleifen im Schreiben zum Trotz bestätigt FS die Lehre der Kirche von der Ehe. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte die Handreichung während der Sedisvakanz, wenige Tage nach dem Tod von Papst Franziskus, veröffentlicht. Das Datum der Veröffentlichung folgte einem bei der DBK üblichen zeitlichen Abstand zur Verabschiedung zwei Wochen zuvor. Ein Schelm, wer Arges dabei denkt. Einige Bistümer, wie Passau, Augsburg, Köln und Regensburg, gaben sehr schnell zu erkennen, dass sie diese Handreichung nicht in Kraft setzen wollen. Andere beeilen sich, wie Limburg. Osnabrück, Trier, Essen oder Münster, die Handreichung in Kraft zu setzen. Einige halten sich zurück, so Berlin, wo die Handreichung zwar nicht in Kraft gesetzt wird, es dem pastoralen Personal aber faktisch freigestellt ist, danach zu handeln.
Nun hat es München nicht nur in Kraft gesetzt, sondern der Erzbischof ordnet per Geheimkommando an, dass Priester, die einen solchen Segen nicht spenden wollen, die Interessenten weiterleiten sollen. „Kein Paar, das um einen Segen bittet“, so der Erzbischof in seinem Schreiben, „soll abgewiesen werden.“ Ein kurzes Nachdenken löst Kopfkino aus. Bonnie und Clyde bitten um Segen für ihr nächstes Ding. Also bitte! Kein Paar soll ohne Segen ausgehen. Ja, man darf einen Brief, den ein Bischof schreibt, wörtlich auslegen. Und wehe es behauptet jemand, die beiden hätten sich nicht geliebt. Der Kardinal fährt fort: „Wer es aus verschiedenen Gründen für sich nicht verantworten kann, eine solche Segnung selbst durchzuführen, möge das Paar an den zuständigen Dekan verweisen bzw. selbst die Verbindung zu anderen Seelsorgern und Seelsorgerinnen herstellen.“
Die Perfidie dieser Stelle ist kaum zu fassen. Wer als Seelsorger, weil er auf Basis einer gesunden christlichen Anthropologie die Lehre der Kirche zu Sexualität und Ehe vertritt, nicht segnen möchte, ist nicht etwa gehalten, auf Basis dieser Lehre ein einfühlsames Seelsorgegespräch zu führen und mit den Bittstellern nach gangbaren Wegen zu suchen. Nö, weiterreichen ist angesagt. Nach kurzer Zeit wird sich in der Szene schon rumsprechen, wer willig ist und wer zickt. Und dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich ein Lokalredakteur findet, der aus einer verweigerten Segnung eine tränenreiche Story bastelt. Die Textbausteine dazu kann ich auf Anfrage gegen angemessene Gebühr gerne liefern. Homophob ist so was mindestens, wenn nicht sogar rassistisch und nach ganz rechts anschlussfähig. Weh dem Priester, der in eine solche Mühle gerät. Der Kardinal hat seine Seelsorger hier bedenkenlos den Wölfen zum Fraß vorgeworfen. Glaube bitte keiner, dass ein solcher Seelsorger irgendeinen Rückhalt im Ordinariat oder bei seinem Bischof hätte.
Damit ist man beim Kern des Problems angekommen. Die blanken Zahlen derer, die um einen solchen Segen bitten werden, dürften überschaubar bleiben. Dabei ist es gleich, ob es sich um Heterosexuelle, die geschieden und wiederverheiratet sind, oder Homosexuelle in welcher Partnerkonstellation auch immer handelt. Das ist kein Massenphänomen. Es war auch in der Vergangenheit keines. Was es aber ist, es ist ein Lobbyphänomen. Ganz gleich ob staatlich, gesellschaftlich oder kirchlich, die weitaus einflussreichste Lobby in unserem Land ist die LGBT-Lobby. Sie hat die Automobil-Lobby an Einfluss weit übertroffen und weiß sich von der Mainstreampresse gehegt und gepflegt. Innerhalb der Kirche kommt diesem Phänomen ein dramatisch nachlassendes Interesse an der Kirche zugute. Auch in Oberbayern geht mit 7,6 Prozent Gottesdienstbesuch laut Statistik nicht einmal jeder Zehnte am Sonntag in die Messe. Wenn man weiß, wie die Statistiken gepimpt werden (Kinderchor singt am Zählsonntag), kann man die Zahlen noch mal gepflegt halbieren und ist dann bei realistischen Größenordnungen.
Wen kümmert es denn, wenn dann der Pfarrer den netten schwulen Lehrer und seinen Partner segnet. Ja, mei … Also niemanden mehr. Und die ältere Dame oder der ältere Herr, der da noch so ein Grundverständnis davon hat, dass da was nicht in Ordnung sein könnte, hält die Gosch’n. Man kann da doch eh nix mehr machen. Den Priestern, die hier nicht mitmachen wollen, sei der Gang nach Rom empfohlen. Kurzfristig, das muss man dazu sagen, wird nicht viel zu erwarten sein. Die Ernennung des neuen Nuntius lässt hoffen. Erzbischof van Megen spricht fließend Deutsch und steht der westlichen Unkultur und ihrer gesellschaftlich linken Agenda kritisch gegenüber. Papst Leo XIV. ist noch immer in der Phase des Sortierens und Zusammenführens. Der Heilige Vater setzt die römische Linie, allzu harte Schnellschüsse zu vermeiden, durchaus fort. Ein Schisma wäre nur allzu leicht festzustellen. Immerhin, was in einer fundamentalen Frage katholischer Morallehre in München erlaubt ist, ist in Augsburg verboten. Faktisch hat das schismatische Züge. Doch statt später ein Schisma heilen zu müssen, was in der Kirchengeschichte kaum je gelungen ist, setzt man auf Geduld, einzelne Maßnahmen, Überzeugung, Gespräche, Gespräche und noch mal Gespräche. Denn eines sollte man bedenken, die Äußerungen von Papst Leo XIV. auf dem Rückflug nach Rom lassen keinen Raum für Zweifel. Er hat sehr deutlich gesagt, dass er mit der deutschen Segenshandreichung nicht einverstanden ist. Folgenlos wird das nicht bleiben, da kann man sicher sein, auch wenn er sehr sanft und gelassen dabei blieb.
Vor allem deshalb sollte man – auch jetzt im Fall München – nicht sofort nach Schisma schreien. Es gilt, in der Lehre der Kirche zu bleiben, sich gut zu informieren, sich zu vernetzen, mit Rom in Kontakt zu bleiben und keinen Schritt zu weichen. Man mag es gar nicht schreiben, doch ja, es könnte Bekennermut verlangt sein, dann brauchen auch Priester den Rückhalt von Laien und deren Unterstützung. Wo andere die Spaltung praktizieren, gilt es in der Einheit zu bleiben und wo immer es geht, den eigenen Bischof in der Einheit zu halten oder in diese zurückzuholen, wenn er davon driftet, wie es gerade in München-Freising passiert. Und gerät man unter Druck, so gilt es eine Frage zu stellen: Gilt der Katechismus im Erzbistum München-Freising noch? Gilt er noch, so ist zu fragen, ob man sich als Laie, als Diakon, als Priester noch darauf berufen darf. Zwar ist der Katechismus kein Superdogma, doch er legt in der Fassung, die uns der Heilige Papst Johannes Paul II. geschenkt hat, den Glauben der Kirche authentisch vor.
Mag auch der Brief des Kardinals für die Populisten ein Grund zum Jubeln sein und für die katholischen Seelsorger ein ernster Grund zur Sorge: Für die einfachen Gläubigen ist er ein Ärgernis. Für die Aktivisten ein Grund zum Jubeln. Münchens erster Katholik betreibt Augendienerei für Münchens ersten Bürger. Man will auf der richtigen Seite stehen. Wenn die Weltstadt mit Herz gerade ihren ersten schwulen Bürgermeister hat, kann die Kirche, die ein paar Häuser weiter ihre Zentrale hat, nicht nachstehen. So weit, so schlecht. Wer zur Diözese München-Freising gehört und sich an der Freigabe der Segenshandreichung für sein Bistum stört, kann dem Kardinal schreiben, kann an Rom schreiben oder den Mist einfach aussitzen. Egal, wofür man sich entscheidet, eines sollte man nicht tun – aufgeben. Wer aufgibt, hat schon verloren. Erinnern wir uns an Erzbischof Dyba, der einmal darauf hinwies, dass derjenige, der den Zeitgeist heirate, bald Witwer sein werde. Das sollte man auch inmitten der populistischen Zeitströmungen nie vergessen.
Bild oben: Der Himmel über München ist weiß-blau. Das bleibt auch nach dem kardinalen Geheimerlass so. Foto: Pixabay
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Stefan Fleischer vor 2 Stunden: Wobei wir auch m.E. wieder ganz bewusst
mit Paulus Christus als den Gekreuzigten verkündigen müssten, für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen. (1.Kor 1,23-25)
Peter2021 vor 2 Stunden: "We are no idiots."
Die Reaktion von Bishop Martin Anwel Mtumbuka auf Fiducia Supplicans - s. Link.
Die Sünde ist weder an Nationalitäten gebunden, noch ist sie ein Erzeugnis ihrer Epoche. Was über zwei Jahrtausende hinweg die Wahrheit war, behält seine Gültigkeit auch in der Ewigkeit, denn Gott steht außerhalb der Zeit. Es gibt nur eine universelle Wahrheit. Jesu hat gesagt: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." Wer die Wahrheit leugnet, leugnet Gott.
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