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Schisma auf leisen Sohlen

vor 2 Tagen in Kommentar, 14 Lesermeinungen
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Der Konflikt um Segensfeiern ist mehr als eine pastorale Frage. Er betrifft das Kirchenverständnis selbst. BeneDicta am Freitag von Dorothea Schmidt


Regensburg (kath.net)

Der Konflikt um Segensfeiern ist mehr als eine pastorale Frage. Er betrifft das Kirchenverständnis selbst. Wenn einige deutsche Bischöfe den Papst nicht mehr als Prinzip der Einheit, sondern als eine Stimme unter vielen sehen, stellt sich kirchenrechtlich die Frage nach einem Schisma.

Eines muss man den führenden Köpfen des Synodalen Wegs lassen: Sie sind konsequent. Allerdings stehen sie auf der falschen Seite. Weder der ehemalige Chef der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und Limburger Bischof, Georg Bätzing, noch der Münchener Kardinal Reinhard Marx lassen erkennen, dass sie ihr Versprechen, das jeder Bischof bei seiner Bischofsweihe abgibt, ernst nehmen: nämlich unter anderem, die Lehre der Kirche unverfälscht zu verkünden. Besonders schwer wiegt, dass sie darin sogar eine Treue zum Evangelium zu sehen meinen.

Um es konkret zu machen: Bätzing hat jüngst Papst Leo in puncto „Segensfeiern“ widersprochen, Marx seine Seelsorger zu solchen Feiern geradezu gedrängt. Für beide gibt es keinen Grund, queere Segnungsfeiern zurückzunehmen. Der neue DBK-Vorsitzende, Heiner Wilmer, hat sich zu dem Thema noch nicht geäußert. Einerseits zeigte er sich in der Vergangenheit vielen als jemand, der treu zu Rom hält und die Evangelisierung im Blick hat. Beim Synodalen Weg hat er allerdings für Segensfeiern abgestimmt. War das Diplomatie oder Ausdruck einer Überzeugung? Das wird sich zeigen. Dieser Moment ist jedenfalls eine erste Bewährungsprobe für den neuen Vorsitzenden.


Die Linie seines Vorgängers wie auch die von Marx und einiger anderer Bischöfe jedenfalls, die sich seit Jahren von Rom löst, trat nun offen zutage – auch wenn entsprechende Bischöfe rhetorisch ständig die Einheit betonen. Hier zeigt sich: Sie gehen in dieser Frage nicht mit Rom. Kirchenrechtlich stellt sich zumindest die Frage, ob hier nicht (endlich) über die Gefahr eines Schismas gesprochen werden sollte. Denn wo verbindliche Weisungen Roms nicht nur kritisch diskutiert, sondern in der Praxis bewusst unterlaufen werden, steht die kirchliche Einheit nicht mehr nur theoretisch auf dem Spiel. Zwar argumentieren Befürworter der Segenfeiern mit ihrem Gewissen, mit pastoraler Not und einer Weiterentwicklung der Lehre und beteuern, sich innerhalb der römisch-katholischen Grenzen zu bewegen. Doch Lehre ist nicht das Ergebnis regionaler Aushandlung, sondern steht in verbindlicher Gemeinschaft mit Rom. Der Papst ist Hüter der überlieferten Lehre und als solcher zu achten. Wer wirklich mit dem Papst geht, etabliert keine parallelen Formen kirchlicher Praxis gegen ausdrückliche römische Weisung.

Erstaunlich ist, mit welcher Gelassenheit dies geschieht. Während Rom um die Einheit der Kirche ringt, scheint in Teilen der Deutschen Bischofskonferenz eine bemerkenswerte Coolness, ja Gleichgültigkeit im Umgang mit römischen Vorgaben zu herrschen, die manches Herz vielleicht höher schlagen lässt, nicht aber mehr für Jesus begeistern wird.

Ein Post auf „katholisch.de“ zeigt exemplarisch, wie in Deutschland mit päpstlichen Aussagen umgegangen wird. Man sei froh, hieß es dort, dass der Papst die Segnungen zwar nicht gut finde, er aber kein Problem darin sehe, dass andere dies anders sähen und praktizierten. Leo halte die Sexualmoral nicht für entscheidend für die Kirche. Dass der Papst bislang diplomatisch viel auf Kommunikation setzt und den Deutschen nicht komplett den Riegel vorschiebt, wird offenbar als Einverständnis gedeutet. Was Rom sagt, wird so lange uminterpretiert, bis es ins eigene Bild passt oder schlicht dem eigenen Wunsch entspricht.

Was hier geschieht, ist Synodalität als Einbahnstraße. Man spricht von pastoraler Verantwortung, von Liebe zu allen Menschen, von Treue zum Evangelium — und erklärt sich faktisch selbst zum Maßstab. Um es kirchenrechtlich zu sagen: Der Bischof ist nicht autonomer Lehrherr. Der Codex des kanonischen Rechts hält unmissverständlich fest: Die Bischöfe üben ihr Amt „nur in hierarchischer Gemeinschaft mit ihm und dem Kollegium“ aus (can. 375 §2), sprich: im Gehorsam dem Papst gegenüber. Und weiter: „Schisma nennt man die Verweigerung der Unterordnung unter den Papst oder der Gemeinschaft mit den diesem untergebenen Gliedern der Kirche.“ (Can. 751 CIC) Diese Communio ist in Deutschland aber zumindest in Teilen der deutschen Kirche sehr brüchig.

Es entsteht der Eindruck, als betrachteten manche deutschen Bischöfe die Einheit mit Rom als eine Option unter mehreren. Die Stimme des Papstes wird zwar noch als legitim anerkannt, aber nicht mehr als verbindlicher Maßstab. Einheit aber lebt vom Mitvollzug, nicht vom gefährlichen Dehnen der Grenzen.

Hinzu kommt, dass es sich bei diesem konkreten Thema der Segensfeiern nicht bloß um eine einzelne moraltheologische Frage handelt, sondern es betrifft das zugrunde liegende Kirchenverständnis. Wo Lehre regional interpretierbar und damit verhandelbar wird, ist der katholische Anspruch auf Verbindlichkeit aufgegeben.

Die eigentliche Gefahr liegt daher weniger im offenen Bruch — so schlimm er wäre —, als in der schleichenden Umdeutung: Begriffe wie Einheit, Synodalität oder pastorale Verantwortung behalten ihren Klang, werden aber mit neuem Inhalt gefüllt, einem, der der bisherigen Lehre geradezu diametral entgegensteht. So vollzieht sich langsam aber sicher eine neue „Normalität“ — und mit ihr eine Kirche, die sich von ihrer eigenen verbindlichen Ordnung still und leise verabschiedet, ohne es ausdrücklich zu sagen.


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Lesermeinungen

Versusdeum vor 14 Stunden: @Stefan Fleischer

Nun ja, wenn Jesus beispielsweise sagt, "Empfanget den Heiligen Geist. Wem Ihr die Sünden nachlasst, dem sind die nachgelassen, wem Ihr sie behaltet, dem sind sie behalten", dürfte es schwer fallen, darin keine göttlichen Weihevollmachten Apostel und keinen klaren Auftrag zur Sündenvergebung zu erkennen. Und dennoch gibt es kaum noch Beichten in Deutschland.
Und wenn Jesus genau 0 (Null) Frauen zu Aposteln berufen hat, nicht einmal seine Mutter oder Maria Magdalena, dürfte es auch schwerfallen, Gott andere Absichten zu unterstellen.
Im persönlichen Leben kann das ganz anders aussehen. Dort mag vieles unklar sein, besonders in neutralen Dingen oder den Grauzonen. Und ja, mit viel Pech hielt man sich sogar lange Zeit und mit aller Kraft an "Spielregeln", die aus guten Gründen absolut sicher erschienen, die es aber offenbar so gar nie gab. PP. Persönliches Pech.

Stefan Fleischer vor 21 Stunden: @ Versusdeum

Ja, der Wille Gottes. Doch dieser ist nicht immer leicht zu erkennen. Auch der Lügner von Anbeginn versucht immer wieder, die Einheit der Gläubigen zu stören, wenn nicht gar die Kirche zu spalten. Wo Rechthaberei und Streit etc. auftreten, ist immer mit der Möglichkeit zu rechnen, dass dieser die Finger im Spiel hat. Uns hat man im Religionsunterricht noch gelehrt, dass der Gehorsam gegenüber dem Lehramt eines der wichtigsten Kriterien für die Beurteilung von Erscheinungen, Botschaften und Wundern etc. sei.

Versusdeum vor 26 Stunden: Was Gott will, ist der Maßstab der Kirche,

@HerrHilfDeinerKirche denn Er hat sie gestiftet, um möglichst vielen Menschen durch Sakramente, Katechese / Predigt und andere Formen von Seelsorge oder Gebet zu heligen und ihnen so den Himmel aufzuschließen und siedurch das Lehramt dorthin zu leiten. Was Sie, ich oder auch ein Pfarrer, Bischof für eine persönliche Meinung haben, ist irrelevant (selbst die persönliche Meinung eines Papstes, z.B. in Interviews). Das kann im Sinne des Herrn sein und sollte es zumindest bei Priestern auch, aber ist es eben leider nicht immer. Denn viele Verantwortliche Missachten das Wort Jesu "...und lehret sie alles zu halten, was ich Euch geboten habe" und lassen den Volksglauben und sogar zentrale Sakramente verdunsten.

HerrHilfDeinerKirche vor 28 Stunden: @Vox coelestis

Was Papst Leo tun muss, ist, klar und deutlich durchgreifen! Dort wo er Kenntnis von unerlaubten Segnungen oder unwürdig gefeierten Heiligen Messen erlangt; wie im Berufsleben: Abmahnung mit der Info dass beim nächsten Vorfall die „Kündigung/ Amtsenthebung“ droht. Und das dann konsequent durchziehen! Dann wird man sehen, ob diese Segnung oder das Amt wichtiger ist. Ich weiß, dass so mancher Pfarrer In den Nachbargemeinden des nicht abschreckt und sie dann aussteigen aus dem Amt. Unsre 3 Pfarrer sind (noch) zurückhaltend; sind allerdings schon alle über 60 und wollen vermutlich ihren Arbeitsplatz behalten.

Vox coelestis vor 30 Stunden: Wie geht es jetzt weiter?

Ein sehr guter Artikel, der die Situation zutreffend beschreibt.
Aber wie geht es denn jetzt weiter, wenn diese Bischöfe im Ungehorsam gegenüber dem Papst verbleiben und diese Segensfeiern weiterhin aktiv unterstützen und verteidigen??
Was muss der Vatikan bzw. Papst Leo dann unternehmen? Können solche Alleingänge überhaupt noch gestoppt werden?
Da würde ich mir noch eine Fortsetzung wünschen...

Versusdeum vor 34 Stunden: Falls die Bischöfe in Deutschland den SyndWeg wie beschlossen umsetzen,

sind sie sowieso zwangsläufig im Schisma (u.a. das zu-2/3-Laienaktivistenparlament mit allen Ernstes für verbindlich erklärten Beschlüssen oder die ultimative Forderung an letztlich Gott, endlich auch Frauen gültig zu Priestern zu weihen).
Falls die DBK damit, mit den Segenssimulationen für offen homosexuelle und andere irreguläre / sündhafte Beziehungen und vielen anderem mehr durchkommt, hat Pius den Beleg für den "Notstand in der Kirche" rosa auf weiß.

SalvatoreMio vor 2 Tagen: Schisma auf leisen Sohlen

Allerbesten Dank und großes Kompliment für diesen Artikel!

ThomasR vor 2 Tagen: in München* sind unzulässige Frauenpredigten** kein Tabu mehr eher Alltag in St.Michael***

*erfreulicherweise nicht in allen Kirchen in der Stadt

** unzulässig nach Motu proptrio Spiritus domini von Papst Franziskus, 2021

*** Kirche mit gemeinsamen Innenhof mit dem Münchner Ordinariat

Nur in zwei Kirchen in der ganzen Stadt von über 50 hält man sich an die Regelungen zur Kommunionausteilung nach Redemptionis sacramnetum Nr.93.

Damit mussten die Segnungen der gleichgeschlechtlichen Beziehungen auch eher kein Problem sein.

www.st-michael-muenchen.de/gottesdienst/unsere-liturgie/frauenpredigten

Hebi vor 2 Tagen:

Rom selbst hat unter dem vorherigen Papst die Tür der Unklarheit geöffnet. Einer der maßgeblichen Autoren befindet sich nach wie vor in Amt und Würden. Das kann man nicht übersehen.

Stefan Fleischer vor 2 Tagen: Wäre vielleicht ein neues Konzil nötig,

welches die Grenzen zwischen dogmatischer Verbindlichkeit und pastoraler Freiheit sauber aufzeigen und Wege finden könnte, wie in unserer Kirche wieder Disziplin und Ordnung herzustellen wäre. Möglich wäre dies, wenn wir uns wieder einigen und dann darauf konzentrieren könnten, dass Gott – und nicht der Mensch – der Herr der Kirche ist, dass es um das geht, was Gott will, nicht was wir Menschen uns wünschen. «Jesus wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. (Mk 8,33)

modernchrist vor 2 Tagen: In dem Moment, wo es

liturgische Vorlagen, Rituale und formu-lierte/gedruckte Gebete für gleichgeschlechtliche Segnungen und Segnungen von Zweitehen gibt, ist sehr wohl auch eine Verwechslung mit der evangelischen Trauung, die ja auch kein Sakrament ist, die Folge! Auch ist interessant, in welchem Raum dann diese Marxschen Segnungen stattfinden sollen/dürfen. Sind das Kirchen und Kapellen, dann ist das wie bei den Protestanten eine kirchliche Einsegnung/Trauung der Paarbeziehung, sprich kath. Trauung! So kommt es in der Bevölkerung an. Ehe und Trauung für Alle jetzt auch bei den Katholiken durch die Hintertüre! Ist das nicht die eigentliche Absicht der Vorprescherei und des Übergehens der klaren Bestimmungen von FS? Jede angeblich "gottgewollte" sexuelle Orientierung und Zweitehe wird nun kirchlicherseits wertgeschätzt und feierlich gesegnet?

golden vor 2 Tagen: Egal worauf sich Kompromissler einigen,

für Gläubige empfehle ich, sich in dieser Zeit der Beliebigkeit an den bewährten Ordensregeln ( z.B. Benedikt-Regel) zu stärken und festzumachen.Mönche zogen damals in eine Gemeinschaft oder Einsiedelei zwecks Besinnung und Klärung.Vielleicht hilft auch uns heute dabei,wieder asketischer zu werden und nicht nur der Libertinage Raum zu lassen.Ein gläubig geführtes Kloster oder ein ebenso begleitetes Wallfahrts-Heiligtum aufzusuchen/zu besuchen ist wohl auch nötiger denn je ?!

ThomasR vor 2 Tagen: es gibt Priesterkreise in München*

* leider bis heute ist es Kard. Marx lediglich gelungen diese Gruppe gering abzuschwächen bzw. zum Teil von München ins Umland zu zerstreuen.

von niemand jemanden zu solchen Feiern wie Homosexuellensegnungen drängen muss.

HerrHilfDeinerKirche vor 2 Tagen: Ablehnung oder Zustimmung der Bischöfe

Wenn ich mir nur anschaue wieviel Bischöfe dem Papier für Segnung aller Art Verbindung zugestimmt haben, dann wird sich an den Beschlüssen nichts ändern. Meine Familie hat ihre Wurzeln im Kölner / Deutsch-belgischen Raum und der dort noch lebende entfernte Zweig hat arge Probleme mit ihrem Bischof Kardinal Wölki. Gleichgeschlechtliche Segnungen gibt’s dann halt im Bistum Essen oder Münster. Leider hat sich der designierte neue Bischof von Münster noch nicht zur neuen Aussage von Papst Leo geäußert. Bischof Genn hat stets stillschweigend zugestimmt.

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