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vor 3 Tagen in Kommentar, 5 Lesermeinungen
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„Wenn Katholikentage nicht Zeugnisse der weltlichen Konfusion, sondern Zeichen des Glaubens setzen wollten, würde auf ihnen über den Lebensschutz gesprochen, mit Leidenschaft und Löwenmut.“ Kommentar von Thorsten Paprotny
Würzburg-Bonn (kath.net) Dass der kunterbunte Würzburger Katholikentag wenig repräsentativ für den römischen Katholizismus in der Kirchenprovinz Deutschland sein würde, war bereits vor Stattfinden des – weltlich gesprochen – „Events“ klar. Die rituell verbrämte Beschwörung des Kampfes um „Unsere Demokratie“, mithilfe der „Brandmauer“, ersetzte die Frage nach Gott, zumindest weitgehend. Das entschlossene Eintreten für den unbedingten Lebensschutz, immerhin Verfassungsauftrag und durch Art. 1 GG gesichert, bleibt außen vor.
Zu sehr hat sich – anders als bei deutschen Bischöfen wie Joseph Kardinal Höffner in den 1970er Jahren – das geschmeidige Anpassen an eine Konformität mit dem Zeitgeist durchgesetzt. Die anstößige Wahrheit des Glaubens wird verdrängt oder vergessen, stattdessen warnt der Publizist Andreas Püttmann im Nachgang auf einem bekannten, aus Kirchensteuermitteln finanzierten Portal noch vor „rechtskatholischen Geisterfahrern“. Und wer zählt alles dazu? Wer heute für die Würde des Menschen eintritt und den unbedingten Schutz des Lebens – etwa auf den Märschen für das Leben –, von der Empfängnis bis in die Sterbephase hinein fordert und erwartet, wird in einer Zeit, in der offensichtlich auch gesprächsfähige und für den kirchlichen Diskurs zugelassene Demokraten für das Recht auf Abtreibung (https://www.gruene-bundestag.de/unsere-politik/fachtexte/schwangerschaftsabbrueche-legalisieren/) plädieren: „Wir Grüne im Bundestag sagen: Schwangerschaftsabbrüche müssen legalisiert werden. Wir Grüne im Bundestag werden weiterhin für die volle Umsetzung von reproduktiven Rechten kämpfen. Denn wir sind der Meinung: Schwangerschaftsabbrüche müssen legalisiert werden, der Paragraf 218 in seiner jetzigen Form gehört abgeschafft.“
Echte Demokraten unter den Katholiken, die die Demokratie und das Recht auf Meinungsfreiheit verteidigen möchten, würden auf einem Katholikentag oder anderswo mit Vertretern einer solchen Partei, selbst wenn viele ihrer Repräsentanten problematische oder sogar antikatholische Positionen vertreten, diskutieren.
Doch vor sogenannten „Rechtskatholiken“ wird nur gewarnt, und jede Gesprächsverweigerung ist ein Armutszeugnis. Wer mit Vertretern demokratisch gewählter Parteien diskutiert – und natürlich kritisch und kontrovers diskutiert –, der nimmt vor allem auch die Demokratie ernst, statt die Vertreter von Oppositionsparteien per se zu stigmatisieren.
Sichert also derjenige, der mit Repräsentanten linker und linkspopulistischer Parteien spricht, streitet und diskutiert, die Demokratie in Deutschland? Davon ist auszugehen. Gibt derjenige, der den Positionen linker und linkspopulistischer Parteien, etwa über den unbedingten Lebensschutz, zustimmt, Zeugnis für seinen Glauben? Daran ist begründet zu zweifeln, aber darüber darf, kann und muss man streiten. Auch „linkskatholische Geisterfahrer“ gehören damit an den Tisch der Debatte. Sichert derjenige, der mit Repräsentanten rechter und rechtspopulistischer Parteien spricht, streitet und diskutiert – etwa über die Migrationspolitik, über die transatlantischen Beziehungen, über die Russlandpolitik –, die Demokratie in Deutschland? Auch davon ist auszugehen, nach meiner unmaßgeblichen Meinung – unbedingt sogar.
Wer sich vor einer kritischen Diskussion nicht fürchtet, der steht ein für die Demokratie, vielleicht nicht für „Unsere Demokratie“, aber für den freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat in der Bundesrepublik Deutschland, wie dieser vom Grundgesetz garantiert wird und wie dieser sich immer wieder neu bewähren muss.
Anders gesagt: Wenn irgendwelche Linken und/oder irgendwelche Rechten zu den verborgenen Gegnern der Demokratie und zu Gegnern der Kirche gehören sollten, dann muss man erst recht die Auseinandersetzung mit ihnen suchen. Vergessen wir aber nicht: Die römisch-katholische Kirche in Deutschland und damit alle Gläubigen, die ihr angehören, was auch immer sie wählen, ob sie wählen oder nicht wählen, sind nicht auf die Treue zu dem medialen Gespinst namens „Unsere Demokratie“ verpflichtet, aber auf die Treue zum Evangelium, ob gelegen oder ungelegen, und auf die Treue zum Papst und zur Kirche des Herrn, die alle Zeiten und alle Orte umschließt. Wir werden einmal nicht gefragt werden, ob wir den Aposteln und Apologeten von „Unserer Demokratie“ nachgefolgt, sondern unserem Herrn Jesus Christus – darauf, und auf nichts anderes, kommt es einzig und allein an.
Vor 50 Jahren schrieben die deutschen Bischöfe in der Handreichung „Zur Neuregelung des § 218“ (https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/veroeffentlichungen/deutsche-bischoefe/DB06.pdf): „Recht und Sittengesetz stimmen also überein, wenn es um den Schutz des menschlichen Lebens geht. Nicht nur die Kirche, sondern auch der Staat und die Gesellschaft müssen Nein sagen und entschiedenen Widerstand leisten, wenn das Recht des Menschen auf sein Leben angetastet wird. Das gilt uneingeschränkt auch für das ungeborene Leben im Mutterschoße.“
Eine solche Entschlossenheit und Eindeutigkeit wünschen sich viele einfach gläubige Katholiken auch von ihren Bischöfen heute, und eine solche Eindeutigkeit vermissen viele einfach gläubige Katholiken heute.
Wenn Katholikentage nicht Zeugnisse der weltlichen Konfusion, sondern Zeichen des Glaubens setzen wollten, würde auf ihnen über den Lebensschutz gesprochen – mit Leidenschaft und Löwenmut, in einer Zeit, in der die „Diktatur des Relativismus“ (Joseph Ratzinger) und „Satans Rauch“ (hl. Paul VI.) auf vielfältige Weise auch in die Kirche Einzug gehalten haben.
Nur die Kirche Gottes hat Zukunft – dank sei Gott –, der kirchenpolitische Gemischtwarenladen der Beliebigkeit wird vergehen. Der einfach gläubige Katholik ist übrigens weder „links“ oder „linkspopulistisch“ noch „rechts“ oder „rechtspopulistisch“, sondern einfach nur römisch-katholisch. Und das genügt, ob gelegen oder ungelegen.
Dr. Thorsten Paprotny (siehe Link) lehrte von 1998-2010 am Philosophischen Seminar und von 2010 bis 2017 am Institut für Theologie und Religionswissenschaft der Leibniz Universität Hannover. Der Autor vieler Bücher publizierte bsp. den Band "Theologisch denken mit Benedikt XVI.".
Foto: Logo des Katholikentags Würzburg (c) Katholikentag Würzburg
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HerrHilfDeinerKirche vor 7 Stunden: @Walahfrid Strabo : interessant wie Meinungen differieren
Aus unserer Gemeinde ist ein Bus dorthin gefahren. Laut Berichten und Fotos auf der Gemeindehomepage waren es Teilnehmer aus allen Altersstrukturen. Auffällig viele Menschen im mittleren Alter (gut 50 oder 60 Jahre). Eine Handvoll junger Menschen und ein paar ältere Ehepaare, die stets bei solchen katholischen Veranstaltungen dabei sind. Einordnung zwischen « War toll « und « zu bunt / zu modern « Mein verwitweter Kollege war mit Sohn und Schwiegertochter gefahren und schrieb mir in einer Kurzmitteilung, dass es sehr beeindruckend war und er viele Eindrücke mitgenommen hat. Wären wir jünger und besser auf den Beinen, wir wären dabei gewesen. Alles ist subjektiv und wenn ich wie mein Schwager schon eine voreingenommene negative Meinung habe, ist es besser, auf die Teilnahme zu verzichten
modernchrist vor 36 Stunden: Gestern haben wir mit unserem Bibelkreis das fortlaufende Lesen
des Buches Ezechiel begonnen. Schlagen Sie unbedingt gleich jetzt Kap 3, Vers 16-21 auf! Mit Sterben meint Gott da immer den ewigen Tod, nicht irgendeine etwaige Todesstrafe. Zu warnen vor der Tötung von Menschen mit "Löwenmut und Leidenschaft", das ist die Aufgabe von Bischöfen und Priestern, von allen engagierten Katholiken, wie Paprotny richtig schreibt! Und ein mehrfaches Wehe ertönt aus dem Thron Gottes bei Ezechiel, wer das nicht macht! Stattdessen grenzt Marx auf dem KT wieder Lebensschutz gegen Lebensschutz aus und "warnt" und urteilt/verurteilt mit populistischen und unklaren/vieldeutigen Sprechblasen.
JP2B16 vor 2 Tagen: Kirchentage als Demonstrationen für den Glaubensabfall
Wenn sich auf Kirchentagen(!), katholischen wie evangelischen, alles nur noch um die weltlichen Sorgen und Nöten der Menschen, ihre eigenen Befindlichkeiten, Eitelkeiten und moralischen Selbsterhöhungen, ihre Rechthabereien, Besserwissereien und vermessenen Ansprüche dreht und nicht mehr um den eigentlichen Kern von Kirche, nicht mehr um die Sehnsucht nach dem Erlangen des eigenen Seelenheils und das meines Mitmenschens, dann kann der Nachweis des großen Glaubensabfalls (2 Thes 2,3) wohl kaum besser erbracht werden.
Versusdeum vor 3 Tagen: Perfekt auf den Punkt gebracht danke.
Retten wird uns nur unser "ja" zum Opfer des Gottessohnes, die von ihm gestifteten Sakramente (v.a. die Hl. Beichte nicht zu vergessen!) und die Kirche als seine Stiftung - aber keine Ideologie dieser Welt, deren "größte" Heilslehren auch die meisten Opfer gefordert haben (v.a. National- und Internationalsozialismus) und deren neueste Spielart, der Wokeismus, der (warum auch immer) den Westen für die in Ansätzen bereits erkennbare Übernahme durch den Islam bis zur Beklopptheit (Stichwort 54 oder mehr "Geschlechter") weichklopft.
Walahfrid Strabo vor 3 Tagen: Wer geht noch zum Katholikentag?
In erster Linie Menschen, die im kirchlichen Dienst arbeiten plus Gremienkatholiken. D.h. die Bubble ist wie sonst auch unter sich.
Und von den Erstgenannten tun sich das diejenigen, die nicht aufm synodalen Trip sind, auch nicht an. Ja, die gibt es tatsächlich. Aber ich würde nicht mal auf einen Katholikentag (in Deutschland) gehen, wenn ich Geld dafür bekommen würde!
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