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Streit kocht hoch: Braucht die barocke Basilika Weingarten wirklich einen neuen „modernen“ Altar?

vor 7 Stunden in Kommentar, 21 Lesermeinungen
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Die „Zeit“ macht das Thema jetzt auch bundesweit bekannt – Haben wir wirklich Bedarf an noch mehr Moderne in unseren Kirchen oder darf ein Kirchengebäude auch mal unverändert erhalten bleiben? kath.net-Kommentar von Petra Lorleberg


Weingarten (kath.net/pl) Es ist der Altar für die unglaublich wertvolle Heilig-Blut-Reliquie in der Basilika St. Martin im schwäbischen Weingarten. Der Blutritt in Weingarten ist immerhin Europas größte Reiterprozession (regelmäßig bis zu 2.000 Blutreiter und bis zu 30.000 Pilger), die Heilig-Blut-Reliquie ist in diesem Altar aufbewahrt und steht durch ein Sichtfenster den Gläubigen zur Verehrung offen. Der neo-barocke Altar, der 1931/32 im Rahmen der Liturgischen Bewegung eingefügt wurde, um den Menschen eine stärkere Teilnahme am Altargeschehen zu ermöglichen, kommt in Größe und blutroter Farbe zwar eigentlich auffällig daher – aber in einer barocken Kirche schmiegt er sich dennoch fast nahtlos in das Gesamtbild ein.

Jetzt ist ein neuer Altar geplant, ja bereits genehmigt. Dem verfügbaren Bildmaterial nach handelt es sich um einen schlichten, hellen Altar, leicht konisch, an einen Steinblock erinnernd – „Kochinsel“, nennen ihn manche Kritiker und dies ist keineswegs freundlich gemeint. Immerhin sieht der Entwurf erneut ein Sichtfenster für die Heilig-Blutreliquie vor, hier wäre auch die Sicherung der Reliquie verbessert im Vergleich zum aktuellen Altar, eindeutig ein Pluspunkt für den geplanten Altar. Allerdings soll die Reliquie künftig nur noch zu besonderen Anlässen im Hauptaltar ausgestellt werden, ansonsten in einem Seitenaltar. Dass sich der geplante Entwurf organisch in das Gesamtbild der Basilika einfügen würde, wird aber niemand behaupten können, nicht einmal seine Befürworter.

Nun wird Widerstand gegen den geplanten Altar öffentlich. Eine Petition hat bereits über 1.200 Unterschriften gegen den neuen Altar gesammelt, darunter sogar der Benediktinerpater „Pirmin Meyer, der schon einige Male Blutreiter war“ („Schwäbische Zeitung“), seines Zeichens der letzte Prior des 2010 aufgegebenen Benediktinerklosters Weingarten.


Das Thema hat längst die Ebene „Pfarrgemeinde“ und verantwortliche Gremien der Diözese Rottenburg-Stuttgart verlassen. Verschiedene Artikel in Regionalzeitungen berichten. Überregional fragt  Moritz Hackl in der „Zeit“: „Wem gehört eine Kirche? Dem Pfarrer, der Gemeinde – oder allen, die sich ihr verbunden fühlen? In Baden-Württemberg entzündet sich an einem Altar ein Streit über Macht, Mitbestimmung und Tradition.“ Und er beantwortet die Frage, wem eine Kirche denn nun gehöre: „keinem allein. Nicht dem Pfarrer, der sie gestalten will, nicht Reichle, der sie erhalten möchte, nicht einmal dem Gremium, das über sie entscheidet. Sie gehört denen, die noch kommen werden, um in ihr zu beten. Die werden beurteilen, ob der Altar, der dann in dieser Kirche stehen wird, zu ihrem Gottesdienst passt.“

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Ebenso lässt sich streiten über Argumente, ob ein Kirchenraum eher museal oder eher modern ausgerichtet sein sollte. Man wird von Fall zu Fall Vor-Ort-Lösungen finden müssen und diese werden naturgemäß unterschiedlich aussehen. Dies ist ein gesunder Vorgang, sofern die Ergebnisse wirklich UNTERSCHIEDLICH sind und nicht völlig einseitig zugunsten der Modernität ausfallen. Weder das gewohnheitsmäßige Fremdeln mit der Modernität noch das gewohnheitsmäßige Fremdeln mit der geschichtlichen Entwicklung wären begrüßenswert.

Deshalb möchte ich noch ein Argument zu bedenken geben: Wer Modernität in Kirchenräumen schätzt, findet sie zu Hauf. Wir haben bemerkenswerte Kirchen aus den 60er- und 70-Jahren, die immer noch als „modern“ empfunden werden, und die bei Renovationen oft geschmackvoll weiterentwickelt wurden. Wir haben ältere Kirchen, die – mehr oder weniger – behutsam den modernen Bedürfnissen angepasst worden waren, genannt sei hier der Rottenburger Dom St. Martin. Über diesen Dom informiert übrigens Wikipedia, bei der letzten Renovierung 2001-2003 sollte „durch den Einzug einer Zwischendecke, ein modernes Beleuchtungskonzept, neue Bestuhlung und das Entfernen spätgotischer Altäre … der Eindruck eines historischen Raumes mit gotisch-barockem Stilgemisch vergessen gemacht werden“ (Hervorhebung PL). Derart auf den Punkt gebracht liest man dies eher selten. Fakt ist nämlich: inzwischen kennt man allzu viele Kirchenrenovationen, die zu modern ausgefallen sind. Eine unveränderte Bestandserhaltung ist seit geraumer Zeit nicht en vogue.

Doch wie wäre es eigentlich, wenn wir in unseren Kirchen gelegentlich auch mal den Mut fänden, Althergebrachtes zu würdigen und zu erhalten, auch dann, wenn es gerade nicht unserem stets flüchtigen Zeitgeist entspricht? Wie wäre es konkret, wenn man den bisherigen Volksaltar der Weingartner Basilika behutsam restaurieren, die Sicherheitsfrage für die Heilig-Blut-Reliquie lösen und die unebenen Stufen um den Altar egalisieren würde? Wie wäre es, wenn man in Zeiten knapper Finanzen die ca. 150.000 Euro, die für den neuen Altar und die Altarraumgestaltung veranschlagt sind, sinnvoller einsetzt? Wie wäre es, wenn man an der immerhin größten Barockkirche nördlich der Alpen einfach mal keine markanten Änderungen vornehmen würde, die über behutsame Anpassung von Licht-, Ton- und Sicherheitstechnik hinaus gehen?

Und wer bedenkt eigentlich die Frage, wohin der Zeitgeist innerhalb der katholischen Kirche inzwischen weht? Dem aufmerksamen Beobachter ist längst klar: er weht nicht mehr in Richtung Modernisierung. In den USA – und darüber hinaus – lässt sich ein neuer Trend feststellen: Die Abkehr von nüchternen Kircheninnenräumen. Der nachkonziliare „katholische Bildersturm“ hat ausgestürmt. Junge Leute, die heute wieder zur Kirche zurückfinden, wollen Rechtgläubigkeit in der Lehre und sie wollen Kirchenräume, die offen sind für Mystik. Deshalb hat der Gedanke von Moritz Hackl in der „Zeit“ überraschendes Gewicht: „Wem gehört eine Kirche? … Sie gehört denen, die noch kommen werden, um in ihr zu beten.“ - Ich selbst plädiere jedenfalls für den Erhalt des bisherigen Altars.

Vergleiche dazu auch den kath.net-Kommentar: Neuer Trend in den USA: Abkehr von nüchternen Kircheninnenräumen - In den USA gibt es Pfarreien, die den Kahlschlag beenden, der in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts (auch in Europa) durch die Kirchengebäude gezogen war – Dieser „Bildersturm“ hatte keinen Rückhalt im II. Vatikanum. Von Petra Lorleberg

Foto des aktuellen Altars in der Basilika Weingarten (c) Wikipedia/CC BY 2.0/Clemens von Vogelsang


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Lesermeinungen

SarahK vor 2 Stunden: @SalvatoreMio und Spatz in der Hand

Erstmal vielen Dank fürs Teilen der Petition
..und dann ja es war eine Sachen die AI ausspuckt wie diese wenn sie der Teufel wäre die Lirche zerstören würde:
Make the sanctuary feel more like an auditorium or performance space than a place of worship.

Paddel vor 3 Stunden: Petition

habe heute Mittag die Petition unterschrieben und weitergeleitet.

anjali vor 6 Stunden: Neuer Altar ??

Ich finde auch dass es Kapitalvernichtung und Geldverschwendung ist.

Tschuschke vor 6 Stunden: Die Stufen sind das Problem

Auf https://katholisch-weingarten.de/altarraumgestaltung/ wird die Frage beantwortet, warum der bisherige Altar ausgedient hat. Sie Stufen des Altares sollen beseitigt werden zugunsten eines „neuen, einheitlichen Stufenniveaus“. So wie in der Hedwigskathedrale in Berlin. Die Vorschrift des (neuen!) Messbuchs, dass der Altarraum „durch eine leichte Erhöhung“ vom übrigen Raum abghoben sein soll (AEM 258) wird wieder einmal ignoriert. Man vergleiche das Bild in https://www.kath.net/news/86164. - Angeblich wäre der Aufwand zu hoch, den alten Altar herunterzusetzen auf das neue Niveau. Das ist eine etwas fade Ausrede. Aber das eigentliche Problem ist, dass die Abbruchskommandos nicht wissen, was ein Altar ist.
Wolfgang Tschuschke, Pfr. i. R.

katholisch-weingarten.de/altarraumgestaltung/

Johannes14,6 vor 7 Stunden: Die Umgestaltung der Dome

in Hildesheim und Berlin z.B. -
führt sie mehr Menschen zum Glauben ?

Meiner Ansicht nach ist das Gegenteil der Fall.
Offenbar ist immer noch genug Geld im Säckel, um die "Ideen" ehrgeiziger Architekten umzusetzen. Ob die etwas mit dem Glauben verbinden, ist die Frage.

Man darf gespannt sein, ob die ach so synodale, "HÖRENDE" Kirche auf die Proteste der Bewahrer HÖRT?
Vermutlich sind diese schon in der "Ablage P, Ewiggestrige, unbeachtlich" gelandet., und das Projekt Betonisierung wird durchgezogen.

Versusdeum vor 9 Stunden: @discipulus

A propos "Volksaltar": Meine Mutter selig hatte den Hochaltar analog dazu manchmal als "Gottesaltar" bezeichnet. Und ich frage mich (leider nur halb im Scherz), ob auf dem "Volksaltar" dem Volk oder gar das [Gottes]Volk zum Opfer dargebracht wird. Und falls letzteres, ggf. wem wird es dargebracht? Eine Frage, sich angesichts der teils offen antibiblischen Forderungen des SyndWegs sehr aktuell stellt.

Mensch#17 vor 10 Stunden: Neuer Altar? - Neue Herzen!

Wichtig ist die Erneuerung der Herzen! "... ihr seid ein Brief Christi, ausgefertigt durch unseren Dienst, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf Tafeln aus Stein, sondern - wie auf Tafeln - in Herzen von Fleisch". (2 Kor 3,3)
.
Und wenn die Herzen erneuert sind, dann ist die Ausstattung der Kirchengebäude mit ihren Altären völlig nebensächlich (einfach, barock, modern, vergoldet, Betonästhetik ... etc). Auch die Apostel hatten für ihre Messfeiern keine prächtigen Altäre!

Heiliger Petrus und heiliger Paulus bittet für uns!

Versusdeum vor 11 Stunden: Der nächste Designpreis der Betonindustrie,

gewidmwt den Brutalismusunheiligen St. Betonasius und St. Zementz? "Wenn Ihr die Verwüstung an Heiliger Stätte seht..."

AlbinoL vor 11 Stunden: Die Barocke Basilika benötigt kein UFO als Altar bei dem ab der 3. Reihe niemand mehr etwas sieht

Das widerspricht auch dem 2. Vatikanum da die Gläubigen in einer Kirche die halb so groß ist wie der Petersdom dann vom heiligen Geschehen nichts mitbekommt.
Wenn man dann noch bedenkt dass überall in der Diözese Kirchen aufgegeben und Gemeinde- und Tagungshäuser verkauft werden, fragt man sich schon ob es überhaupt notwendig ist. Zumal es Erfahrungsgemäß am Ende deutlich teurer wird.

SpatzInDerHand vor 12 Stunden: @SalvatoreMio: Die Befürchtung,

dass wir von Heiden gelenkt werden, ist mir leider auch schon des öfteren gekommen.

Mariat vor 12 Stunden: Nein!!! Sie braucht KEINEN NEUEN Altar!

Dieser Altar passt sehr gut zur "Hl. Blut Reliquie".
Rot und Weiß, zeigen sich die Strahlen aus dem Herzen Jesus; die Blut und Wasser bedeuten, auf dem Bild vom "Barmherzigen Jesus".
ER selbst hat sich so der Hl. Sr. Faustina gezeigt.
Dieser Altar soll bleiben!
Er beinhaltet ein Hohes Gut.
Barmherziger Herr Jesus - wir vertrauen auf Dich. Amen.

Cosmas vor 12 Stunden: @discipulus

Ja, das glaube ich. Hier wird optisch der Kunstmarmor aufgenommen. Dieser riesige Volksaltar hat sicher das alte Ensemble massiv verändert. Offenbar wurde auch das Fußbodenniveau verändert. Umbauten in zwei Schritten sind häufig. Zuerst lehnte man sich optisch noch irgendwie an das Ambiente an. Im zweiten Schritt kommt dann die moderne Kunst. Ganz ohne Volksaltar wäre es am schönsten, denn die barocken Architekten achteten sehr auf die Harmonie der Raummaße und des natürlichen Lichteinfalls. Das wurde durch die Einbauten zerstört, heißt ihrer Wirkung beraubt.

SalvatoreMio vor 12 Stunden: Heiden mitten unter uns?

@Spatz in der Hand: wenn Ihre Vermutungen stimmen, dann werden wir von Heiden gelenkt. Auch das wäre nicht mehr verwunderlich.

SpatzInDerHand vor 12 Stunden: @anjali:

nachdem ich schon viele Vorher/Nachher-Versionen in Kircheninnenräumen gesehen habe, befürchte ich: der Altar soll genau deshalb weg, weil er schön ist und weil er zu direkt auf die Heilig-Blut-Reliquie hinführt. Heutige Kirchenarchitektur möchte unser Gebet und unsere Gottesbeziehung nicht mehr fördern, ist leider mein starker Eindruck. Ja, wie wäre es denn mit einem Communio-Stuhlkreis um diesen Altar und im Sichtfenster ein paar Symbolgegenstände für Natur und Klima?

anjali vor 13 Stunden: H.Blut-Altar

Der Altar ist doch wunderschön . Weshalb muss das weg??

discipulus vor 13 Stunden: @Cosmas: Witzig

Der Heilig-Blut-Altar ist einer der ersten "Volksaltäre" Deutschlands... Mehr als 30 Jahre vor "dem Konzil"...

Schon allein deshalb sollte er bleiben! Ich habe die Petition schon vor drei Wochen unterzeichnet und freue mich, daß das Thema jetzt Aufmerksamkeit findet.

littlemore vor 14 Stunden: Hier gibt es keine Synodalität!

Wer einmal mit den "Herren" des bischöflichen Bauamtes gesprochen hat, kann erfahren, was die Meinung von Laien und Betroffenen in der Gemeinde wirklich zählt.

SpatzInDerHand vor 14 Stunden: Was soll denn so ein nüchtern-sachlicher Bauhaus-Altar

in einer Barockbasilika??? Ich bin dagegen!

Cosmas vor 14 Stunden: Der Volksaltar ist DAS nachkonziliare anthropozentrische Superdogma

Der Volksaltar kommt ja "vom Konzil". Proteste gegen zerstörerische Umbauten waren und sind sinnlos. Es wurde auf Betreiben der Bischöfe sogar das Denkmalschutzgesetz geändert. Früher lautete der Text "zwingende liturgische Notwendigkeit" erlaube neue Einbauten trotz des ja für alle Kirchen grundsätzlich bestehenden Denkmalschutzes. Als wir in einer Initiative minutiös nachwiesen, dass der Volksaltar nach den Richtlinien der Kirche KEINE ZWINGENDE liturgische Notwendigkeit ist, wurde das Wort 'zwingend' aus dem Gesetz herausgenommen. In §5 Abs. 2a des Denkmalschutzgesetzes heißt es nun, dass "allgemein angewandte liturgische Vorschriften" einen Umbau erlauben. Der nachkonziliare "Bildersturm" der Zerstörung der Altarräume durch Volksaltarum- und -einbauten ist eine bleibende Schande!

pikkuveli vor 14 Stunden: Mission zum Bauen?

Wir haben andere Probleme: Unsere Gesellschaft wird immer heidnischer. Diese andauernde Umbauerei lenkt davon so schön ab. Dabei hat die Kirche einen Missionsbefehl Christi. Von einem Baubefehl weiß die Heilige Schrift nichts. Und ja, wir haben wunderbare Kirchen, ein Reichtum sondergleichen. Mit einer tradierten liturgischen Gestaltung. Versus...?!

SalvatoreMio vor 15 Stunden: Weingarten: neuer Altar?

Was für eine abartige Idee? Hat die Kirche icht schon genug Feinde? Sind noch immer nicht genug ausgetreten? Wir Christen insgesamt werden so zum Gespött der Leute - zu Recht! Es läuft eine Petition gegen einen neuen Altar. Ich habe schon mitgemacht und sie gefunden unter den Worten: Weingarten, Petition".

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