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Wer ist Jesus Christus für mich? Der Glaube als tägliche Entscheidung

vor 2 Tagen in Aktuelles, 4 Lesermeinungen
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Leo XIV.: Der Glaube darf nicht zur Gewohnheit werden. Die Frage nach Christus ist keine rein theoretische Frage, sondern berührt das Verhältnis des Menschen zu Gott, seine Lebensentscheidungen und seinen Blick auf die Welt. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) In seiner Katechese vor dem traditionellen Gebet des Angelus am einundzwanzigsten Sonntag im Jahreskreis stellte Papst Leo XIV. die Frage nach der Identität Jesu in den Mittelpunkt seiner Betrachtung. Das Evangelium des Sonntags aus dem Matthäusevangelium (Mt 16,13–20) führe unmittelbar zu einer Frage, die jeden Menschen auf seinem Glaubensweg betreffe: „Wer ist Jesus wirklich für mich?“. Gerade für die Jüngerschaft sei diese Frage entscheidend, denn der Glaube erschöpfe sich nicht in der Kenntnis dessen, was Jesus gesagt und getan habe. Vielmehr müsse sich jeder Christ immer wieder neu fragen, wer Christus für ihn selbst sei und welche Bedeutung seine Gegenwart im eigenen Leben habe.

Leo XIV. nahm dabei die Situation der Apostel in den Blick. Die Zwölf hätten bereits vieles aus dem Leben und Wirken Jesu miterlebt. Dennoch habe Jesus nicht vorausgesetzt, dass sie ihn deshalb wirklich kannten oder das Geheimnis des Reiches Gottes bereits verstanden hätten. Nachdem er zunächst gefragt habe, was die Menschen über ihn dachten, habe er sich unmittelbar an seine Jünger gewandt: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Diese Frage aus dem Evangelium bezeichnete der Papst als eine grundlegende Frage für die Jünger aller Zeiten und damit auch für jeden einzelnen Gläubigen. Leo XIV. betonte, dass der Glaube nicht als etwas verstanden werden dürfe, das dem Menschen ein für alle Mal gegeben sei und anschließend keiner weiteren Vertiefung bedürfe. Im Gegenteil: „Wir müssen stets das Antlitz Christi und sein Evangelium neu entdecken, seine Botschaft vertiefen und die Entscheidungen unseres Lebens erneuern, damit sie mit dem übereinstimmen, was wir bekennen“. Damit verband der Papst die Erneuerung des Glaubens unmittelbar mit der Lebensführung. Der Christ müsse zugleich die Versuchung überwinden, bereits alles zu wissen und den Glauben zu einer Gewohnheit werden zu lassen.


Die Frage „Wer Jesus für mich ist und welche Bedeutung seine Gegenwart in meinem Leben hat“, stelle sich jeden Tag neu. Sie komme insbesondere im Gebet und in der Betrachtung des Evangeliums zum Vorschein. Sie stelle sich aber ebenso dort, wo der Mensch mit den „Wunden und Nöten unserer Brüder und Schwestern“ konfrontiert werde, und in jenen Beziehungen und Situationen, die das Gewissen besonders in Anspruch nähmen. Gerade im Alltag könne sich zeigen, welche Bedeutung Christus tatsächlich für das eigene Leben habe. Leo XIV. unterschied dabei zwischen zwei Formen des Verständnisses Jesu. Im Alltag müsse sich erweisen, „ob der Jesus, der Herr, für uns lediglich eine große Persönlichkeit der Geschichte ist, die wichtige Dinge gesagt und getan hat, oder ob er der „Christus Gottes“ ist, der gesandt wurde, um uns in die Liebe des Vaters einzuführen und unser Leben sowie die Welt, in der wir sind, zu verwandeln“. Die Frage nach Christus sei damit keine rein theoretische Frage. Sie berühre vielmehr das Verhältnis des Menschen zu Gott, seine Lebensentscheidungen und seinen Blick auf die Welt.

Von hier aus formulierte der Papst einen besonderen Aufruf verbunden mit einer Forderung: „Lernen wir, uns nicht in unseren Überzeugungen und religiösen Gewissheiten zu verschließen, damit wir offen bleiben für eine authentische Beziehung zu Christus“. Der Glaube könne sich nicht darin erschöpfen, etwas über Jesus gehört zu haben oder bestimmte Formeln und Vorstellungen übernommen zu haben. Manchmal begnüge man sich mit „Hörensagen“, mit Gemeinplätzen oder mit dem, was einem vielleicht sogar in guter Absicht weitergegeben worden sei. Demgegenüber rufe Jesus zu einer persönlichen Antwort auf. Es gehe darum, Christus „aus nächster Nähe kennenzulernen“ und sich „von der Freundschaft mit ihm tiefgreifend prägen zu lassen“. Diese Begegnung bleibe nicht statisch, sondern müsse immer neu geschehen. Leo XIV. machte deutlich, dass eine solche Beziehung zu Christus auch bedeuten könne, neue Wege einzuschlagen und andere Entscheidungen zu treffen als jene, die man sich ursprünglich vorgestellt habe. Diese Forderung nach einer erneuerten Begegnung mit Christus betreffe nicht nur den persönlichen Glaubensweg. Sie gelte ebenso für den Weg der Kirche und für pastorale Entscheidungen. Auch dort könne die Versuchung entstehen, sich mit dem Bestehenden zufriedenzugeben und anzunehmen, „es reiche aus, so weiterzumachen wie bisher“. Gerade deshalb müsse die Kirche ebenso wie jeder einzelne Gläubige bereit sein, sich immer wieder von der Frage nach Christus und seinem Evangelium in Anspruch nehmen zu lassen.

Leo XIV. formulierte daraus mehrere Fragen, die das christliche Leben begleiten sollten: „Wer ist der Herr für mich? Kenne ich ihn wirklich? Was fordert sein Evangelium heute von mir? Welche Schritte sollte ich gehen und welche Entscheidungen sollte ich treffen?“. Diese Fragen führten zurück zur Ausgangsfrage des Evangeliums: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Sie verlangten nicht nur nach einer Antwort mit Worten, sondern nach einer Antwort, die im Leben Gestalt gewinne. Damit verband der Papst die Jüngerschaft mit einer fortwährenden Prüfung des eigenen Lebens. Der Christ müsse immer wieder feststellen, ob seine Entscheidungen tatsächlich mit dem übereinstimmten, was er im Glauben bekenne. Die Begegnung mit Christus könne dabei neue Wege eröffnen und Entscheidungen verlangen, die über bisherige Vorstellungen hinausgingen. Der Glaube bleibe deshalb ein Weg, auf dem das Antlitz Christi und sein Evangelium immer neu entdeckt und vertieft würden.

Zum Abschluss seiner Katechese wandte sich Leo XIV. an die Jungfrau Maria. Er rief die an, die „in ihrem Herzen durch ihren Sohn den Willen Gottes suchte“, damit sie die Gläubigen stets auf dem Weg des Glaubens führe.

Foto (c) Vatican Media

 


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Lesermeinungen

ottokar vor 16 Stunden: Empfehle als kluge,wunderbare Antwort :

Die Sonntagspredigt "Christus ist der Fels der uns trägt" von Archimandrit Dr.Andreas-Abraham Thiermeyer unter der KatNet-Rubrik "Spirituelles".Ein wunderbarer Wegweiser

Pilgrim Pilger vor 19 Stunden: Muss jede Generation zwingend neue Wege finden ?

Wir alle sind maßgeblich durch die „Tradition der Väter“ und die vertrauten Worte des Evangeliums geprägt. Diese Weitergabe hat unser Fundament gefestigt und uns im Glauben sozialisiert. Doch genau daraus ergibt sich eine spannende Frage, die mich aktuell sehr beschäftigt: Muss jede Generation zwingend neue Wege finden? Oder geben uns die bekannten Pfade nicht bereits genug Erkenntnis? Die Suche nach neuen Wegen birgt Risiken: Wer sich von den altbewährten Wurzeln löst, um vermeintlich „neue Wege“ zu suchen, läuft Gefahr, orientierungslos zu werden, im aktuellen Zeitgeist zu versinken und die eigentliche Mitte des Evangeliums aus den Augen zu verlieren.

DWT151 vor 23 Stunden: Neue Wege?

Anscheinend ging es gestern nur mir so, aber ich hatte gestern bei der Ansprache ein seltsames Gefühl, als der Papst von "neuen Wegen" für die Kirche sprach und von dem, was in guter Absicht weitergegeben worden sei. Für mich geht das in die Richtung "weg mit den alten Zöpfen...". Die alten Wege der Tradition sind starr und wir müssen jetzt etwas Neues ausprobieren. Diese neuen Wege gehen wir jetzt seit den 1960er-Jahren und wohin haben uns diese neuen Wege geführt. War nicht das, was den Menschen früher in guter Absicht weitergegeben worden ist, nicht vielleicht doch gut? Oder habe ich da was missverstanden?

SarahK vor 24 Stunden: Mhm

ist ja schon wirklich irgendwie komisch, dass wir uns diese Frage täglich stellen und wohl ähnlich wie Petrus beantworten und manche oder traurigerweise die meisten - auch Kirchgänger- sich das gar nicht fragen.
Ich musste gestern bei der Predigt denken „don‘t laugh“ „ Don’t say out loud what Jesus means to you.” , hatte unser Dorfpfarrer 1 doch im letzten Jahr die gleiche rhetorische Frage gestellt wie gestern….nun gut, sw ist es keinem außer mir aufgefallen und was soll er auch sonst zum Evangelium predigen. Nun ja, da ich gegen Laienpredigt bin werde ich - so Gott will, das er uns erhalten bleibt - auch im nächsten Jahr nichts reinrufen:-)

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