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Kard. Sarah: „Die Abneigung gegen Latein und Gregorianik wird mit der 68er-Generation verschwinden“

vor 20 Stunden in Weltkirche, 15 Lesermeinungen
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Emeritierter Kurienkardinal: „Als Kirche können wir nicht gegen jene Krieg führen, die eifrig die Messe besuchen, nur weil sie eine Form der anderen vorziehen. Das ist eine kurzsichtige, rein ideologische Haltung – weder seelsorglich noch christlich“


Vatikan (kath.net/pl) Die Abneigung gegen Latein und den Gregorianischen Choral „erscheint mir als eine Abneigung, die auf wenige, um sich selbst kreisende kulturelle Kreise beschränkt ist – eher eine Frage der Psychologie als der Sache selbst –, und ich halte es schlicht für ein Generationsproblem: Sobald die 68er-Generation abgetreten ist, werden auch diese haltlosen, einseitigen Positionen verschwinden, welche die kulturelle Bedeutung des lateinischen Katholizismus schmälern“. Das stellt Kardinal Robert Sarah im Interview mit Nico Spuntoni für die in Mailand/Italien erscheinende Tageszeitung „Il Giornale“ fest. Kardinal Sarah ist als der emeritierte Präfekt des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung ein ausgewiesener Kenner der Materie.

Sarah berichtet, dass die „Liberalisierung der außerordentlichen Form“ einen „positiven Einfluss – ich würde sogar von einer Korrektur sprechen – auf mögliche Missbräuche bei der Feier der ordentlichen Form“ mit sich brachte. Solche Missbräuche seien „äußerst schwerwiegende Vorgänge, dürfen aber niemals mit der ordentlichen Form an sich gleichgesetzt werden. Viele Priester berichten, dass ihnen die Entdeckung der außerordentlichen Form geholfen habe, die Messe besser zu feiern. Ich glaube, dass sich in der Absicht Benedikts XVI. auch eine zutiefst demütige und demokratische Haltung widerspiegelte: Er wollte einen möglichst breiten Zugang gewährleisten, damit das Volk Gottes im Laufe der Jahrzehnte selbst entscheiden konnte, welche Form seinen gelebten Glauben besser zum Ausdruck brachte. Doch all dem wurde durch ‚Traditionis Custodes‘ ein Ende gesetzt – noch zu Lebzeiten des emeritierten Papstes“, kritisiert Sarah. Dies sei ihm allerdings „weder als kluge noch als respektvolle Entscheidung“ vorgekommen. „Doch Benedikt, sanftmütig wie ein Lamm, ließ diese Demütigung zu und brachte sein Leiden in Stille und Gebet Gott dar, um so umso tiefer am Leiden Christi für seine Kirche teilzuhaben und zu deren Läuterung beizutragen.“


Spuntoni fragte den emeritierten Kardinal, was er von den Forderungen halte, die Beschränkungen für die außerordentliche Form aufzuheben? Kardinal Sarah führte dazu aus, dass „der Zugang zu rituellen Formen, die seit Jahrhunderten anerkannt und in Gebrauch sind“, „niemals künstlich per Dekret eingeschränkt werden“ dürften. „Würde ein Ritus dem Glauben nicht mehr dienen, würde er von selbst aussterben; bewahrt und nährt er jedoch den Glauben, so dürfen wir ihn niemals beschränken – denn damit würden wir die Bewahrung und Verbreitung des Glaubens selbst einschränken. Was würden Sie den vielen Gläubigen sagen, die sich zur alten Liturgie hingezogen fühlen und womöglich weite Strecken zurücklegen müssen, nur um eine Messe zu besuchen?“

Er selbst könnte „diesen tiefen Ausdruck der Liebe zu Gott nur bewundern. Dieses Phänomen breitet sich aus. Wenn sich die Hierarchie als fähig erweist, die Zeichen der heutigen Zeit – und nicht etwa die von 1968, womit sie erneut zu spät käme – wirklich zu deuten, dann kann sich Raum für einen geschwisterlichen und friedlichen Dialog öffnen.“

Abschließend betonte Kardinal Sarah: „Als Kirche können wir nicht gegen jene Krieg führen, die eifrig die Messe besuchen, nur weil sie eine Form der anderen vorziehen. Das ist eine kurzsichtige, rein ideologische Haltung – weder seelsorglich noch christlich. Sie ist schädlich und zerstört die Kirche.“

Il cardinal Robert Sarah a @ilgiornale “Traditionis Custodes? Nè saggio né rispettoso verso Benedetto XVI. La guerra alla Messa antica è distruttiva per la Chiesa” https://t.co/Am8A9DrADu

— Nico Spuntoni (@nicospuntoni) August 27, 2026

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Lesermeinungen

lesa vor 9 Stunden: Damit alle eins seien ... (vgl Joh)

@Fink: Danke für Ihre tiefen Überlegungen.
Die Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers wirkt jedesmal Vereinigung und wirkt den Bund, die Vereinigung bis ins Leibliche hinein - bis ER kommt in Herrlichkeit und Sein das Reich der Liebe vollendet ist Alles Leben der Erlösung kommt aus diesem Opfer - für jene, die in diesen Bund leben wollen...

Parcival vor 10 Stunden: Wann wurde Latein eigentl. zur Kultsprache der Westkirche?

Die Kirche begann nicht auf Latein. Jesus + die Apostel lebten im hebr.-aramäischen Sprachraum; das NT wurde überwiegend griech. verfasst. Auch die Liturgie der frühen röm. Gemeinde war zunächst griechischsprachig. Erst im 3./4. Jh. setzte sich dort Latein zunehmend durch. Entscheidend: Damit wählte man keine vom Volk abgehobene „heilige Sprache“; Latein war bei den Christen im Westen die weithin gesprochene Sprache.
Zur eigentl. Sakralsprache wurde Latein erst allmählich. Einen entscheid. Schub brachte die karoling. Reform um 800: Kirchenlatein, liturg. Texte + Gesang wurden vereinheitlicht. Zugleich entwickelten sich die roman. Volkssprachen immer deutlicher vom Latein weg. Damit trat die Trennung zunehmend hervor: hier normierte Liturgie-, Schrift- + Bildungssprache, dort gesprochene Volkssprache.

SalvatoreMio vor 12 Stunden: Die 68er Generation

@ggk: Sie sprechen offenbar die Extreme an. Ich war damals auch dabei und habe es so erfahren: die "soziale Revolution", die damals ausgelöst wurde, zog sich durch die ganze Gesellschaft: besonders an Gymnasien und Realschulen beeinflussten gewisse Lehrer die Schüler, damit sie gegen die Eltern aufmüpfig würden; Haschisch und andere Drogen wurden ausprobiert, besonders in der "gehobeneren Gesellschaft"; die sexuelle Freiheit wurde nicht nur gepriesen, sondern auch ausprobiert.- Mir fiel auf, dass auch junge Kapläne, die gerade in der Praxis die ersten Schritte wagten, oft recht anders "tickten", als man es sonst gewohnt war. Dann trat auch noch die antiautoritäre Erziehung in Erscheinung, die sich in Schulen und auch Kirchengemeinden auswirkte. Doch recht anstrengende Zeiten, die bis heute ihre Spuren hinterlassen haben. - Meines Erachtens waren die RAF-Terroristen bzw. Chaoten die Spitze des Eisberges.

Wirt1929 vor 12 Stunden: Den Lateinern,

wie denen die deutsche Sprache Nutzenden Kommentatoren stimme ich voll inhaltlich größtenteils zu. Um ein Sprachenüberbietungsprozess zu vermeiden und allgemein verständlich zu bleiben, erspare ich mir die Übersetzung ins „Plattdeutsche". Gut norddeutsch Tschüss und allseits gesegneten Sonntag!

A.Reik vor 12 Stunden: Cosmas

"da Latein und der Choral immer existierten"

Die lateinische Sprache differenzierte sich ab ca. 1000 v. Chr. aus der italischen Sprachfamilie heraus. Und natürlich gab es den gregorianischen Choral NICHT immer. In Rom hat er die altrömischen Choräle als Vorgänger, die sichtlich älter und anders sind. Der gregorianische Choral entstand ab ca. 500. Es hat also weder Latein noch den Choral immer gegeben.

ggk vor 13 Stunden: Praxis?

Das sind alles schöne Diskussionen im Elfenbeinturm.
Ich währe froh wenn in den seitherigen Pfarrgemeinden wenigstens ein guter Sonntagsgottesdienst angeboten würde und nicht nur alle vier Wochen. Wenn dann ein Priester noch Zeit hat, kann er noch zusätzlich eine Lateinische Messe anbieten.
68er: wer von den 68er spricht hat die Zeit wohl nicht erlebt. die 68er waren die RAF Chaoten und Co, dann abgeschwächt die heutigen grünen. Das auf die kath. Kirche zu übertragen ist für mich unerträglich.

Stefan Fleischer vor 14 Stunden: Meine persönliche Ansicht

ist je länger je mehr, dass der «Kampf gegen das Latein» im Grunde genommen nur ein Tarnmanöver war und ist, um das viel tiefer liegende Übel des Paradigmenwechsels von gottzentriert zu menschzentriert und die damit einhergehende Ablehnung des päpstlichen Primates und der hierarchischen Struktur der Kirche zu verschleiern und aus der Schusslinie zu nehmen. Bedauerlich ist, dass viele Freunde der Tradition dies nicht erkannten und ihre Kräfte in diesen Nebenkriegsschauplatz investierten, statt voll, in Einheit mit dem Papst und allen anderen Kräften guten Willens. gegen die Ursache des Problems, gegen die Verweltlichung der Kirche, nicht zuletzt durch eine dialektisch sehr geschickt agierende Befreiungstheologie, einzusetzen. Aber wie gesagt, dies ist meine persönliche Meinung, die noch durchdiskutiert werden muss.

Cosmas vor 14 Stunden: falls @Hardenberg bzgl. 'existere' mich anspricht

Ich meinte mit existere tatsächlich nicht "existieren", da Latein und der Choral immer existierten, sondern eben genau das von ihm genannte "sie zeigten sich nicht, kamen nicht zum Vorschein."
Das von ihm gebrauchte Wort respuere finde ich wieder etwas grob, denn der Stamm ist spuere, spucken. Sputum = die Spucke. Ausspucken als drastische Form der Ablehnung. Ich hätte eine etwas zivilisiertere Alternative von mehreren möglichen gewählt, vielleicht objicere.

Fink vor 14 Stunden: Ist die Messe/ Eucharistie ein Opfermahl oder ein Gemeinschaftsmahl ?

Bei dieser Frage scheiden sich die (theologischen) Geister. Und wenn man die Frage beantwortet "es ist beides", dann stellt sich die Frage nach der Priorität. Die Anhänger der "Traditionellen lateinischen Messe" wollen das "Opfer" im Mittelpunkt sehen. Die Anhänger der Neuen Messe" betonen den Gemeinschaftscharakter. Und nicht wenige von denen wollen von "Opfer" gar nichts mehr wissen. Es sei veraltet, "obsolet". Wir sind doch moderne Menschen der Aufklärung...

Pilgrim Pilger vor 15 Stunden: Kardinal Sarahs Plädoyer gegen das ideologische Paradigma

Die liturgische Krise zwischen dem ordentlichen und dem außerordentlichen Ritus wurzelt – wie Robert Kardinal Sarah treffend analysiert – in einer spezifischen Ideologie. Obgleich diese nicht ausschließlich der 68er-Generation entspringt, fand sie in deren Denken ein wesentliches theoretisches Fundament.

Das gegenwärtige Bröckeln dieses ideologischen Paradigmas im gesellschaftlichen Diskurs wird unweigerlich auch die sakrale Praxis der Kirche, insbesondere in Deutschland, verändern. Bislang manifestiert sich der profane Einfluss vor allem in tagespolitischen Akzentuierungen der Fürbitten.

Daraus erwächst die zentrale theologische Frage: Soll sich die Kirche primär anthropozentrisch an die säkulare Welt anpassen oder eine konsequent christozentrische Reorientierung vollziehen, die das Evangelium und Jesus Christus wieder verstärkt in das Zentrum des liturgischen Geschehens stellt?

Hardenberg vor 15 Stunden: ex(s)istere

Lat. ex(s)istere heißt NICHT existieren.
Vgl. Georges, s.v. existere: heraus-, hervortreten, -kommen, -gehen, -tauchen, ans Tageslicht treten, zum Vorschein kommen, sich erheben, auftreten, aufstehen, auftauchen; heraus-, hervor-, losbrechen, plötzlich sich erheben, hervortreten, -hervorgehen, zum Vorschein kommen, auftreten, auftauchen, eintreten, sich zeigen, entstehen, werden.

Und natürlich existieren sehr wohl hinreichend Menschen, die Latein kennen und können. Schauen Sie erstmal nach Heiligenkreuz.

Ich würde eine Eminenz im Plural ansprechen. Schöner im Lateinischen wäre: Salubre est. "domus linguistica" ist unlateinisch.

gebsy vor 17 Stunden: Vergelt's Gott Eminenz!

Gratias tibi ago, Eminentia Tua!

Aedificans est domum linguisticam invenire ubicumque in mundo.

Cosmas vor 18 Stunden: Linguam latinam et cantum gregorianum respuere non poterant, quia non existebant.

Hardenberg vor 18 Stunden: Numquam

Numquam in ecclesiis a me aditis homines animadverti linguam latinam aut musicam monodicam respuentes.

girsberg74 vor 19 Stunden: Kardinal Sarah ist ein Fels in der Brandung!

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