
Aktuelles | Chronik | Deutschland | Österreich | Schweiz | Kommentar | Interview | Weltkirche | Prolife | Familie | Jugend | Spirituelles | Kultur | Buchtipp

vor 5 Stunden in Prolife, 1 Lesermeinung
Artikel versenden | Tippfehler melden
Der Geistliche gründete eine Lebensschutzorganisation mitten in der Zeit der Volksrepublik Polen, noch vor der Entstehung der Solidarność-Bewegung. Ein solches Engagement war damals illegal und wurde vom Geheimdienst bespitzelt
Warschau (kath.net/pl) Als in den 1980er Jahren der politische Wandel in Polen begann, engagierte sich Pfarrer Stanisław Małkowski (1944–2026) „unmittelbar für den Schutz ungeborener Kinder. Zu jener Zeit kamen jährlich Hunderttausende Kinder in der Gebärmutter ums Leben, und Frauen litten unter der Situation. Diese Rechtslage wurde von der damals regierenden Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PZPR) politisch geschützt, da sie als Fundament des sozialistischen Staates galt.“ Das schildert ein bewegender Nachruf des im Besitz der Polnischen Bischofskonferenz stehenden Internetpaotals „Opoka“, das im Gegensatz zu manchen deutschsprachigen offiziell-katholischen Medien tatsächlich die katholische Lehre vertritt. „Opoka“ greift hier einen Beitrag von PFROZ auf, der „Polnische Föderation der Lebensrechtsbewegungen“. Der Name des Priesters taucht ab etwa 1977 in den Akten des polnischen sogenannten „Sicherheitsdienstes“ auf, der Überwachung und Bespitzelung der polnischen Bevölkerung durch das kommunistische Regime zu verantworten hatte. Der katholischen Trauerfeier für den am 7.9.2026 verstorbenen und am 17.9. beigesetzten Priester stand Erzbischof Adrian Galbas, Metropolit von Warschau, vor. „Der legendäre Aktivist der antikommunistischen Opposition war von Präsident Andrzej Duda mit dem Orden vom Weißen Adler ausgezeichnet worden“, erinnert „Opoka“.
Pfarrer Małkowski hatte sich direkt und von Anfang an in der Lebensschutzbewegung engagiert. Das Thema war zwar Teil der kirchlichen Lehre in Polen und wurde bei zahlreichen Exerzitien angesprochen, doch es war Pfarrer Małkowski, der das Fundament für das gesellschaftliche Lebensschutz-Engagement in Polen legte, erläutert der „Opoka“-Beitrag. Auf dieser Basis bauten später führende Persönlichkeiten und weitere Organisationen auf, als ihnen dies schließlich gestattet wurde. „Unsere Berufung ist es, hier eine Gemeinschaft aufzubauen – eine Zivilisation der Liebe, des Lebens und der Wahrheit. Ganz gleich, ob jemand glaubt oder nicht. Natürlich ist es besser, wenn jemand glaubt und seine Haltung zum Schutz des Lebens auf das fünfte Gebot des Dekalogs – ‚Du sollst nicht töten‘ – sowie auf den Willen Gottes, des Schöpfers und Erlösers, stützt. Doch auch wer nicht glaubt, aber das menschliche Leben achtet, sollte gegen Abtreibung sein“, hatte Pfarrer Stanisław vertreten.
Debatte nach der Nachrichtensendung
Die Warschauer Bewegung zum Schutz ungeborener Kinder „Gaudium Vitae“ entstand 1979 auf Anregung von Pater Ludwik Wiśniewski; gegründet wurde sie schließlich jedoch von Pfarrer Stanisław Małkowski gemeinsam mit Pater Jacek Salij und – teilweise – Pfarrer Stanisław Ługowski.
„Pfarrer Małkowski war am nächsten dran, am engagiertesten und jederzeit verfügbar. Er feierte regelmäßig die Heilige Messe für die Mitglieder von Gaudium Vitae und führte Seelsorgegespräche mit Frauen in schwierigen Lebenslagen, die einen Schwangerschaftsabbruch in Erwägung zogen oder unter den Folgen einer Abtreibung litten“, erinnern sich heute Aktivisten der Polnischen Föderation der Bewegungen zum Schutz des Lebens, schreibt „Opoka“.
„Es ist keine Frage der Weltanschauung, es ist eine Frage der Menschlichkeit“, erklärte Pfarrer Małkowski. Gemeinsam mit den ersten Führungspersönlichkeiten der Bewegung „Gaudium Vitae“ engagierte er sich stark in kontroversen Debatten über den Lebensschutz und Abtreibung; diese wurden mehrmals – einmal wöchentlich – im Polnischen Fernsehen zur besten Sendezeit, direkt nach der Nachrichtensendung, ausgestrahlt.
Ewa Kowalewska, Vorsitzende von Human Life International Polen, erinnert sich, wie sie diese Debatten gemeinsam mit Freunden voller Anteilnahme verfolgte. „Wir waren damals noch nicht in dieser Bewegung engagiert; sie steckte gerade erst in den Anfängen. Wir verfolgten die Debatten jedoch mit großer Aufmerksamkeit und mussten anerkennen, dass die Seite der Lebensschützer besser vorbereitet war und die Argumente für den Schutz der Menschenwürde von der Empfängnis an unwiderlegbar waren. Diese Debatten gipfelten in der Ausstrahlung des Films von Dr. Bernard Nathanson mit dem Titel ‚Der stumme Schrei‘ (‚The Silent Scream‘). Er zeigt eine Abtreibung in Echtzeit auf dem Bildschirm eines damals noch sehr einfachen Ultraschallgeräts. Der Film wurde vielfach angekündigt, und die Einschaltquoten waren enorm. Dies war von entscheidender Bedeutung für das Wachrütteln des polnischen Gewissens, denn zuvor war der Schwangerschaftsabbruch oft als Entfernung eines Zellklumpens oder eines ‚Seepferdchens‘ dargestellt worden – als alles Mögliche, nur nicht als Kind. Die Wahrheit war nun unbestreitbar.“ Nach dieser Ausstrahlung stellte die Führung des polnischen Fernsehens (TVP) derartige Sendungen ein.
Jahrelang unterstützte Pfarrer Małkowski in seiner Tätigkeit in der Friedhofskapelle von Wólka Węglowa Eltern nach dem Verlust eines ungeborenen Kindes. Er kümmerte sich zudem um die geistliche Formung der Väter und deren Verantwortungsbewusstsein, indem er sich beim „Männerrosenkranz“ engagierte.
„Der Schutz des Lebens ist keine Frage der Weltanschauung, sondern eine Frage des Menschseins. Wer sich gegen den Lebensschutz stellt, sollte wissen, dass er sich sowohl gegen das Menschsein von Menschenwesen von der Empfängnis an als auch gegen sein eigenes Menschsein stellt. Sie stellen sich selbst als Menschen infrage“, hatte Pfarrer Stanisław Małkowski stets vertreten.
Mitglieder der „Polnischen Föderation der Lebensrechtsbewegungen“ erläuterten: „Ein Zeitzeuge ist von uns gegangen, für den die Treue zu Gott, zur Wahrheit, zur Menschenwürde und zum freien Vaterland stets über der eigenen Sicherheit stand. Er lehrte die Polen Mut und Achtung vor dem empfangenen Leben. Wir rufen die Verteidiger des Lebens zum Gebet auf und dazu, ein offenes, herzliches Gedenken an diesen unerschütterlichen Priester und furchtlosen Verteidiger des menschlichen Lebens zu bewahren; er legte den Grundstein für das breite gesellschaftliche Pro-Life-Engagement sowie für zahlreiche Bewegungen und Organisationen“, zitiert „Opoka“ abschließend.
Hintergrund: Pfarrer Małkowski war auch ein bekannter Aktivist der demokratischen Opposition während der Zeit der Volksrepublik Polen, er war ein bekannter Kaplan der Gewerkschaft „Solidarność“ und ein enger Freund und Wegbegleiter des katholischen Märtyrerpriesters Jerzy Popiełuszko, der 2010 in Warschau seliggesprochen worden war.
Archivfoto Pfarrer Małkowski (c) Erzbistum Warschau
Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!
SpatzInDerHand vor 18 Minuten: WARUM haben wir eigentlich in Österreich, in Deutschland
und in der Schweiz nicht solche bemerkenswerten priesterlichen Gestalten? Warum engagieren sich nicht hervorragende Priester für den Lebensschutz, öffentlich und gut erkennbar???
Um selbst Kommentare verfassen zu können nützen sie bitte die Desktop-Version.

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz