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„Ich wünsche mir so sehr einen neuen missionarischen Aufbruchs in Frankreich … dafür gibt es nur einen „Fahrplan“ und der bleibt stets derselbe: Jesus Christus bekannt und geliebt zu machen, auf authentische Weise, mit Leidenschaft, immer wieder...“
Lourdes (kath.net/pl) kath.net dokumentiert die Ansprache von Papst Leo XIV. an die Bischöfe der französischen Bischofskonferenz im Rahmen seiner Apostolischen Reise nach Frankreich bei der Begegnung in Lourdes am 27.9.2026 in voller Länge:
Eminenz,
Exzellenzen,
ich freue mich, euch, liebe Brüder im Bischofsamt, an diesem vom Himmel gesegneten Ort zu treffen, nur wenige Schritte von der Grotte entfernt, in der die Jungfrau Maria der heiligen Bernadette erschienen ist und an der ihr euch regelmäßig zu euren Vollversammlungen zusammenfindet. Mit dieser Wahl bekundet ihr deutlich euren Willen, die Kirche in Frankreich unter den Schutz der Mutter Gottes, der Unbefleckten Jungfrau, zu stellen, um sie umso sicherer gemäß dem Willen des Herrn zu führen. Es gibt in der Tat keinen besseren Weg, zu Jesus zu gelangen, als über Maria. Alles in ihr führt uns zu ihrem Sohn.
Damit führt ihr das Erbe fort, das ihr von euren Glaubensvätern übernommen habt, so weit die Evangelisierung eures Landes zurückreicht. Die Verehrung der Mutter Gottes hat hier so tief Wurzeln geschlagen, dass Frankreich schon sehr früh als „Königreich Mariens“ bezeichnet wurde (Pius XI., Apostolisches Schreiben Galliam, Ecclesiae filiam primogenitam, 2. März 1922). Diese besondere Verbindung zwischen eurer Nation und der Heiligen Jungfrau kam auf einzigartige Weise zum Ausdruck, als Frankreich ihr am 10. Februar 1638 feierlich geweiht wurde, wovon ich vorgestern in der Kathedrale Notre-Dame de Paris eine wunderschöne Darstellung sehen konnte. Und mein Vorgänger Pius XI. erklärte in Bezugnahme auf dieses Gelübde die in den Himmel aufgenommene Gottesmutter zur Patronin Frankreichs (vgl. ebd.).
Dieser lange Weg des Vertrauens und der Zuneigung zu Maria, der geprägt ist von so vielen Andachtsformen und Orten, die ihren Namen tragen, von so vielen – oft unter Tränen – erhörten Bitten, von Heiligtümern und Wallfahrten sowie Kathedralen, setzt sich gegen alle Widrigkeiten fort und zeugt vom lebendigen Glauben des euch anvertrauten Volkes Gottes. Angesichts der immensen Herausforderungen unserer Zeit appelliere ich an euch, liebe Brüder, Mut, Kühnheit und missionarische Kreativität zu zeigen. Lasst euch nicht entmutigen durch die Fehler, die Unstimmigkeiten oder gar die Rückschläge, die die Geschichte dieses Volkes auf seinem Weg markiert haben. Habt immer den Mut, Fehler in der Liebe zur Wahrheit anzuerkennen, und die Entschlossenheit, die Wunden mit der Liebe des Guten Hirten zu heilen, der seine Schafe kennt und jedes einzelne bei seinem Namen ruft. Erhebt euch also voller Hoffnung und werdet nicht müde, das Evangelium zu verkünden!
Die Geschichte der Kirche in Frankreich ist reich, unermesslich reich. Sie ist schön und fruchtbar; und es ist wichtig, sich darauf zu beziehen, um die Zukunft eurer Gemeinschaften wie auch die eures Landes zu gestalten. Die Kirche hat den langsamen Aufbau eurer Nation begleitet, ja sogar dazu beigetragen; sie ist auch heute noch ein wesentlicher Bestandteil ihrer Kultur, ihrer Identität und ihrer Berufung für die Welt. Deshalb hat das Wort der Kirche zurecht seinen festen Platz im öffentlichen Diskurs in Frankreich; es besitzt von Natur aus eine prophetische Autorität. Auch wenn es nicht immer gehört wird, wird es doch erwartet. Auch wenn ihm nicht gefolgt wird – insbesondere bei wesentlichen Fragen, die die Grundlagen der Zivilisation betreffen –, ist es notwendig; daran dürft ihr nicht zweifeln! Ich kenne eure Entschlossenheit und euren Mut – ihr habt dies in den jüngsten Debatten über das Ende des Lebens deutlich unter Beweis gestellt –, und ich lade euch ein, gemeinsam mit allen Menschen guten Willens, die dieselben Werte verteidigen, beharrlich zu bleiben.
Ihr lebt derzeit unter einem recht besonderen System der Laizität, das aus einer bewegten Geschichte hervorgegangen ist, die heute zwar befriedet ist, der Kirche jedoch ermöglichen muss, ihren Auftrag zu erfüllen. Dass das mühsam errungene Gleichgewicht nach und nach in Frage gestellt wird, wie es auch anderswo in der westlichen Welt geschieht, darf euch nicht zum Aufgeben veranlassen. Ich lade euch ein, Wachsamkeit zu zeigen, um die Freiheit und die Rechte der Kirche zu verteidigen, das Evangelium zu verkünden, zur wahren Freiheit zu erziehen und den Gottesdienst öffentlich zu feiern, damit die Nächstenliebe im Namen Jesu Christi sichtbar ausgeübt werden kann.
Papst Franziskus schrieb euch anlässlich der Wiedereröffnung der Kathedrale Notre-Dame de Paris: »Ich lade alle Getauften, die mit Freude in diese Kathedrale eintreten werden, dazu ein, einen berechtigten Stolz zu empfinden und sich ihr Glaubenserbe wieder anzueignen. […] dieses Haus, in dem unser himmlischer Vater wohnt, gehört Euch; Ihr seid dessen lebendige Steine. Diejenigen, die Euch im Glauben vorangegangen sind, haben es für Euch errichtet« (Botschaft anlässlich der Wiedereröffnung von Notre-Dame de Paris, 21. November 2024). Die Getauften zu ermutigen, sich „ihr Glaubenserbe wieder anzueignen“, ist heute Teil eures pastoralen Auftrags im Hinblick auf eine Erneuerung der Kirche in Frankreich.
Was euch, den Katholiken Frankreichs, der ältesten Tochter der Kirche, vom Herrn geschenkt wurde, gibt in der Tat reichlich Anlass zur Danksagung: eine ununterbrochene Reihe von Heiligen bis in die Gegenwart; die Blüte der Künste, der Literatur und der Wissenschaften unter dem Einfluss des Glaubens und im Wirken des Heiligen Geistes; die unumkehrbare Reifung des Bewusstseins für den unveräußerlichen Wert des Menschen, für seine Würde und für die Notwendigkeit, seine Rechte und Freiheiten zu schützen; nicht zu vergessen der gewaltige missionarische Elan, der bis an die Enden der Erde Früchte getragen hat. Ja, Jesus hat euch viel gegeben … und möchte euch in seiner Liebe noch mehr geben …
Deshalb fügte Papst Franziskus mit Blick auf die Zukunft seinen bereits zitierten Worten hinzu: »Möge die wiederaufgebaute Kathedrale Notre-Dame de Paris ein prophetisches Zeichen für die Erneuerung der Kirche in Frankreich sein« (ebd.). Auch ich glaube, dass die Zeit reif ist, in der viele unserer Zeitgenossen darauf warten, die hoffnungsvolle Botschaft des Evangeliums erklingen zu hören und das Licht des auferstandenen Christus vor ihren Augen aufstrahlen zu sehen.
Die Botschaft des Friedens, die ihren Ursprung in Jesus hat, wird umso sehnlicher erwartet, als man in Frankreich wie auch anderswo im Westen eine beunruhigende Polarisierung, einen Rückgang der Geschwisterlichkeit, der Herzlichkeit und der Qualität des gesellschaftlichen Lebens sowie ein Wiederaufflammen von Gewalt, Ungleichheit und Armut feststellt. Angesichts solcher Herausforderungen folgen Enttäuschung und Orientierungslosigkeit auf die falschen Versprechungen einer Welt, in der Gott nicht vorkommt und ins Privatleben verbannt wird und in der die Hilfe seiner Gnade als nutzlos für den Aufbau der Gesellschaft angesehen wird. Doch Jesus hat seine Jünger deutlich gewarnt: »Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen« (Joh 15,5).
Vor allem die Jugend hegt große Hoffnungen. Besorgt über die Welt, die ihr hinterlassen wird, und voller Sorge um die Zukunft ist sie bereit, mutig und großzügig für alles Schöne, Wahre und Gute einzutreten. Zeigt ihr den Weg des Evangeliums, den einzig sicheren Weg – auch wenn er anspruchsvoll ist –, der auf diesem französischen Boden bereits so viele Früchte getragen hat. Wir haben gestern in Paris das ermutigende Zeichen des Katechumenats angesprochen, das vor allem junge Erwachsene betrifft. Das ist eine Gnade und eine Freude für das gesamte Volk Gottes. Es ist wichtig, dass ihr diese Gnade insbesondere durch die Aufnahme in lebendige Gemeinschaften begleitet, die Nächstenliebe üben und Solidarität leben; sowie durch eine solide Glaubenslehre, die im Wort Gottes verwurzelt ist und es ihnen ermöglicht, Einwänden und Zweifeln zu begegnen.
Um diese Erneuerung der Hoffnung im Rahmen eines neuen missionarischen Aufschwungs in Frankreich zu bewirken, den ich mir von ganzem Herzen wünsche, gibt es nur einen „Fahrplan“, der immer derselbe bleibt: Jesus Christus bekannt zu machen und ihn lieben zu lassen – authentisch, leidenschaftlich, immer und immer wieder … Im aktuellen Kontext steht ihr vor einigen großen Herausforderungen, unter denen diejenige im Bereich der Bildung von besonderer Bedeutung ist. Es ist sehr lobenswert, dass sich eure Versammlungen eingehend mit diesem Thema befassen. Die Bildung ist ein besonders weitreichender Auftrag, der zahlreiche Lebensbereiche berührt. Ich möchte hier lediglich den Bereich des katholischen Schulwesens ansprechen, dessen „Eigencharakter“ derzeit in Frage gestellt wird. Es ist erfreulich, dass die katholischen Bildungseinrichtungen weitgehend offen sind für diejenigen, die unseren Glauben nicht teilen. Diese großzügige Aufnahme, die die Gewissensfreiheit jedes Einzelnen achtet, verspricht große Fruchtbarkeit für alle – für die Gesellschaft und für die Kirche selbst. Dennoch darf der katholische Schulbetrieb in keiner Weise auf sein Erziehungsideal verzichten, ein auf Christus ausgerichtetes Ideal, das auf die ganzheitliche Entwicklung des Menschen in all seinen Dimensionen abzielt: spirituell, kulturell, intellektuell, moralisch und sozial. Niemand sollte sich daher über die Gelegenheiten wundern, die in jeder katholischen Einrichtung geboten werden, um Jesus Christus zu begegnen und sein Wort zu hören. Noch weniger sollte ein Schüler in seiner Klasse ausgegrenzt werden, nur weil er an Jesus glaubt.
In den letzten Jahren habt ihr euch entschlossen mit der schmerzlichen Plage des Missbrauchs von Minderjährigen durch Mitglieder des Klerus bzw. im kirchlichen Umfeld auseinandergesetzt. Ihr habt mutige Maßnahmen ergriffen, um darauf zu reagieren – durch Zuhören, Suche nach Wahrheit, durch Gerechtigkeit, Vergebung, Wiedergutmachung und ein entschlossenes Engagement für eine Kultur der Prävention und des Schutzes vor diesen Verbrechen. Ich danke euch für das, was ihr getan habt, und ich weiß, dass einige Momente für eure Konferenz sehr schwierig waren. Es gilt, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen und dabei größte Wachsamkeit zu wahren. Gleichzeitig braucht euer Klerus Unterstützung und Ermutigung; ich weiß, dass er Gegenstand eurer väterlichen Fürsorge ist. Damit Priesterberufungen entstehen können, muss der Priester erwünscht, aufgenommen und geliebt werden, und seine Identität – Christus gleichgestaltet – muss innerhalb des Volkes Gottes klar und gut verstanden werden, zur Freude am Evangelium und im Dienst seiner Sendung.
Es liegt mir am Herzen, auch den bedauerlichen Rückgang der Berufungen zum geweihten Leben zu erwähnen, insbesondere zum kontemplativen Leben. Mit großem Bedauern habe ich von der kürzlich erfolgten oder bevorstehenden Schließung alter und angesehener klösterlicher Gemeinschaften erfahren, die in der Geschichte große Bedeutung hatten. Das eigene Leben auf einem so anspruchsvollen Weg der Nachfolge Jesu zu widmen, setzt neben dem Wirken der Gnade eine besondere Großherzigkeit, eine feste Verwurzelung im Glauben, ein intensives geistliches Leben und eine besondere Nähe zum Herrn voraus. Solche Voraussetzungen finden sich am häufigsten in christlichen Familien, die größte Aufmerksamkeit und größtmögliche Unterstützung verdienen. Die Vertiefung und Verwurzelung des Glaubenslebens in den Familien ist sicherlich ein Schlüssel zur Lösung zahlreicher Krisen, mit denen die Kirche und unsere Gesellschaften konfrontiert sind. Denn gerade in den Familien werden das Zusammenleben, der Respekt vor dem anderen, die Akzeptanz von Vielfalt, die gegenseitige Unterstützung, Großherzigkeit, die uneigennützige Selbsthingabe und der Geist der Aufopferung vermittelt. Vielleicht ist genau dies die größte Herausforderung, der wir uns stellen müssen: dass Jesus ganz in den katholischen Familien Frankreichs lebt und sie durch seine Gegenwart erleuchtet!
Zu diesen Herausforderungen gesellt sich eine weitere, die Anlass zu einer gewissen Sorge um die Zukunft geben kann: die Herausforderung der Einheit. In diesem Zusammenhang möchte ich daran erinnern, wie wichtig es ist, dass die Jünger Jesu in der Liebe vereint sind, wie er es von Seinem Vater erbeten hat: Sie »sollen eins sein, […] damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast« (Joh 17,21). Die Kirche in Frankreich ist eine kleine Herde, die ihre Kräfte für ihre Sendung bündeln muss. Ideologische Spaltungen würden ihr Zeugnis zunichtemachen. Es gab in der Geschichte der Kirche schon immer Spannungen, doch gerade wenn sie sich zeigen, können wir das Geschenk der Einheit umso mehr schätzen. Diese Einheit ist keine flache Gleichförmigkeit, sondern ermöglicht es, dass jede wahrhaft katholische Ausrichtung selbstverständlich in einem gemeinsamen Glaubensbekenntnis zusammenfließt, im Gehorsam gegenüber den rechtmäßigen Hirten und insbesondere gegenüber dem Nachfolger Petri, »dem immerwährenden und sichtbaren Prinzip und Fundament der Glaubenseinheit und der Gemeinschaft« (Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, 18). Es handelt sich um eine dynamische Einheit, die sich aus der Tradition der Kirche – von den Kirchenvätern bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil – und aus dem nachkonziliaren Lehramt nährt. Darüber hinaus wird sie durch den gegenseitigen Dialog bereichert, der vom Glauben ausgeht, im Sinne eines synodalen Stils, den wir in letzter Zeit zu vertiefen suchen.
Liebe Brüder! Die Kirche in Frankreich liegt dem Papst sehr am Herzen! Wie sehr möchte ich euch die Gefühle der Begeisterung und Hoffnung vermitteln, die mich erfüllen, wenn ich an euch denke! Reich an lebendigen, brüderlichen und weltoffenen Gemeinschaften; reich an einer leidenschaftlichen Jugend, die sich in vielfältigen Initiativen engagiert; reich auch an einem Erbe, das sie trägt, zugleich aber auch verpflichtet, wird das Volk Gottes in Frankreich, da bin ich mir sicher, seine Mission, Jesus Christus zu verkünden und die Liebe zu ihm zu wecken, mit Eifer fortsetzen, damit die Welt das Leben hat. Indem ich eure Versammlung, eure diözesanen Gemeinschaften und euer Land dem mütterlichen Schutz Unserer Lieben Frau von Lourdes anvertraue, erteile ich euch mit Freude den Apostolischen Segen. Danke.
Foto aus dieser Begegnung (c) Vatican Media
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