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Frankreich und das Zeichen der Wiedergeburt

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Leo XIV.: Von Notre-Dame über Lourdes bis Metz. Eine Reise als Weg der Erneuerung von Kirche, Europa und menschlicher Würde. Der Wiederaufbau einer Kathedrale, die Frage nach den geistigen Fundamenten Europas. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) „Wir danken Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, allezeit, wenn wir für euch beten. Denn wir haben von eurem Glauben in Christus Jesus gehört und von der Liebe, die ihr zu allen Heiligen habt wegen der Hoffnung, die für euch im Himmel bereitliegt. Schon früher habt ihr davon gehört durch das wahre Wort des Evangeliums, das bei euch anwesend ist. Wie in der ganzen Welt, so trägt es auch bei euch Frucht und wächst seit dem Tag, an dem ihr den Ruf der göttlichen Gnade vernommen und in Wahrheit erkannt habt“ (1 Kol, 3-6).

Bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz blickte Papst Leo XIV. auf seine fünfte Apostolische Auslandsreise nach Frankreich zurück und fasste die Erfahrungen der vergangenen Tage unter einem einzigen Symbol zusammen: der Kathedrale Notre-Dame de Paris. Die Reise sei für ihn und für das Volk Gottes in Frankreich ein Geschenk gewesen, für das er dem Herrn dankte. Zugleich erneuerte er seinen Dank an die staatlichen Autoritäten, die Hirten der Kirche und alle, die ihm begegnet seien oder ihn auf den Straßen begrüßt hätten „als Apostel Christi und Bote des Friedens“.

Die Gedanken und Eindrücke der Reise, die noch lebendig seien, habe er um ein einziges großes Symbol sammeln wollen: Notre-Dame. Dort seien am Nachmittag des ersten Tages die Vesper der seligen Jungfrau Maria gefeiert worden. Musik, Gesang und die Schönheit des Gotteshauses hätten die in der Liturgie versammelten Menschen im Gebet verbunden. Gerade Notre-Dame mit dem Drama, das sie Kathedrale erlebt habe, habe die gesamte Apostolische Reise symbolisch erhellen können. Der Schlüssel zu ihrer Deutung habe in einem Wort gelegen: „Wiedergeburt“. Die Kathedrale von Paris, die vor sieben Jahren durch den Großbrand beinahe zerstört worden war, sei wiederaufgebaut worden. Der Brand habe auf verschiedenen Ebenen positive Reaktionen ausgelöst, von sichtbaren und praktischen Maßnahmen bis hin zu geistlichen Vorgängen. Der Wiederaufbau habe gezeigt, dass eine Zusammenarbeit zwischen Kirche, Staat, öffentlichen Einrichtungen und Zivilgesellschaft möglich sei. Dadurch hätten sowohl die Großzügigkeit der Wohltäter als auch die Fähigkeiten der Fachleute und Handwerker zur Geltung kommen können. Aus diesem Vorgang leitete Leo XIV. einen Maßstab für das Gemeinwohl ab. Die Zusammenarbeit zum Wohl aller müsse nach seiner Darstellung der normale Stil von Institutionen, politischen und gesellschaftlichen Kräften sowie von Menschen mit ziviler und wirtschaftlicher Verantwortung sein. Diese Botschaft habe er den französischen Autoritäten ebenso wie den Mitgliedern der UNESCO in Paris übermittelt. Entscheidend sei dabei die „Würde der menschlichen Person“.


Zugleich habe Notre-Dame für Leo XIV. eine zweite, tiefere Bedeutung erhalten. Die Kathedrale sei ein Bild für die Kirche aus lebendigen Steinen und für das heilige Volk Gottes gewesen. In diesem Zusammenhang stellte der Papst die Vesper in Notre-Dame der Jugendvigil im Stade de France gegenüber. Beide Orte seien völlig verschieden gewesen, hätten aber geistlich miteinander verbunden werden können. Ihr gemeinsames Fundament sei die Kirche gewesen, die nicht aus Steinen oder Beton bestehe, sondern aus Menschen, die Jesus Christus liebten, weil sie von ihm geliebt worden seien.

In Notre-Dame hätten sich Priester und Diakone, Gottgeweihte und pastorale Mitarbeiter versammelt. Im Stadion  habe sich dagegen die neue Generation Frankreichs getroffen. Neu sei diese Generation, so Leo XIV., nicht nur aufgrund ihres Alters gewesen, sondern noch mehr durch ihren Geist, ihre Freiheit des Herzens und ihres Glaubens. Die Jugendlichen hätten gesungen und gerufen, seien aber auch still geworden und hätten zugehört. Ihre Gesichter hätten nach seiner Darstellung den Wunsch nach Wahrheit und Liebe zum Ausdruck gebracht. An sie habe er sich mit den Worten gewandt: „Ihr seid die Heiligen Frankreichs!“. Diese Vigil sei damit zu einem Zeichen der Hoffnung geworden.

Auch die Begegnung in der Maison Bakhita habe für Leo XIV. ein Zeichen der Wiedergeburt dargestellt. Dort habe er Menschen in unterschiedlichen Notlagen getroffen. Dieser Ort sei einer von vielen gewesen, die als Früchte des Evangeliums entstanden seien und an denen täglich versucht werde, der Würde des Menschen in Liebe zu dienen.

Ein weiteres Zeichen der Wiedergeburt sah der Papst in der Zahl junger Menschen und Erwachsener, die in Frankreich seit einigen Jahren um die Taufe bäten. Diese Entwicklung bezeichnete er als eine „schöne Überraschung“ Gottes. In Paris finde dazu eine synodale Provinzversammlung statt, bei der er den Weg der Katechumenen und Neugetauften sowie der Gemeinschaften, denen sie angehörten, begleitet und ermutigt habe.

Den Höhepunkt seines Aufenthalts in der französischen Hauptstadt habe die Heilige Messe auf der Place de la Concorde gebildet. Dort sei das Zeichen der Wiedergeburt in der liturgischen Versammlung sichtbar geworden. Die Priester, der Chor und die große Zahl der Gläubigen hätten sich über die weite Fläche der Place de la Concorde hinaus entlang der Avenue des Champs-Élysées bis zum Arc de Triomphe und darüber hinaus erstreckt. Auch bei der Kommunion hätten alle zur Eucharistie hinzutreten können, die an den verschiedenen Orten ausgeteilt worden sei. Darin erkannte Leo XIV. die eigentliche Wiederherstellung der Kirche: „die wahre Rekonstruktion, die Wiederherstellung der Kirche, die nur Gott durch die Fürsprache der Jungfrau Maria vollbringen kann“.

Von Paris aus sei deshalb der Weg nach Lourdes folgerichtig gewesen. Dort habe der Papst Maria als Mutter der Kirche verehrt, als jene, die in der Stunde der Passion und des Todes die Lampe des Glaubens und der Hoffnung brennend halte. In Lourdes habe der Herr durch die mütterliche Fürsorge der Jungfrau Maria allen Pilgern und besonders den körperlich und geistig Kranken eine Botschaft der Hoffnung und der Wiedergeburt vermittelt. Diese Botschaft habe Leo XIV. ausdrücklich erneut vortragen wollen: „Jedes menschliche Leben, unter welchen Bedingungen auch immer, selbst in größter Zerbrechlichkeit, bewahrt seine unverletzliche Würde und verdient es, umsorgt, begleitet und von seinem Leiden durch menschliches Mitgefühl und mit Hilfe der von der Wissenschaft angebotenen Mittel erleichtert zu werden“. Deshalb stelle Lourdes für die ganze Welt ein Heiligtum der „Zivilisation der Liebe“ dar. An diesem Ort habe der Papst auch einige Menschen getroffen, die Opfer von Missbrauch geworden seien. Er habe sie gebeten, ihm dabei zu helfen, auch anderen Betroffenen den Willen von ihm und der gesamten Kirche zu vermitteln, ihnen zuzuhören und sie auf ihrem Weg zu begleiten, während sie Heilung suchten. Dabei gehe es darum, das ihnen zugefügte Leid anzuerkennen und an der Prävention von Missbrauch zu arbeiten.

Die dritte und letzte Station der Reise sei Metz gewesen, eine Stadt in einer Region Frankreichs und Europas, die vom Zweiten Weltkrieg geprägt worden sei. Dort wirkte Robert Schuman, den Leo XIV. als einen der wichtigsten Inspiratoren des europäischen Einigungsprozesses bezeichnete. Das heutige Europa sei als Friedensprojekt nach der Zerstörung des Krieges entstanden. Damit führte der Papst das Bild von Notre-Dame auf die Geschichte Europas weiter. Was in Paris durch den Brand geschehen sei, habe sich in Europa durch den Zweiten Weltkrieg ereignet. Auch Europa sei wiedergeboren worden, und zwar auf der Grundlage jener Prinzipien von Demokratie, Solidarität und Brüderlichkeit zwischen den Völkern, die nach der Darstellung des Papstes den christlichen Wurzeln Europas viel verdankten.

Auf diesen Fundamenten und mit diesem lebendigen „Lebenssaft“ könne sich das europäische Projekt auch in einer stärker globalisierten Welt erneuern. Dabei komme dem interreligiösen Dialog eine zentrale Bedeutung zu. In Metz habe Leo XIV. deshalb Vertreter verschiedener religiöser Traditionen getroffen. Diese hätten in seiner Gegenwart den „Aufruf von Metz“ für Dialog und Frieden gelesen und unterzeichnet.

Zum Schluss kehrte der Papst zum Leitwort seiner Reise zurück: „Damit die Welt das Leben habe“. Diese Worte Jesu fassten seine gesamte Sendung des Heils zusammen und hätten während der Reise den dem Evangelium entspringenden Sinn jeder Begegnung zum Ausdruck gebracht. Nun sollten sie auch das Gebet der Gläubigen bestimmen, damit das Ereignis der Gnade „reiche und dauerhafte Früchte“ trage.

Die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum begrüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Einen herzlichen Gruß richte ich an die Pilger deutscher Sprache. In Lourdes habe ich alle eingeladen, im Rosenkranzmonat Oktober für den Frieden unter den Völkern und auch in den Herzen aller Menschen zu beten. Maria, die Königin des Friedens, möge unsere Fürsprecherin sein.

Foto (c) Vatican Media

 


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