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Du bist eingeladen – mit deinem ganzen Leben

vor 18 Stunden in Spirituelles, 3 Lesermeinungen
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„Gott möchte uns nahe sein. Unser Leben ist ihm nicht gleichgültig: das Gelungene und das Unfertige, unsere Freude und das, woran wir schwer tragen.“ Von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer


Eichstätt (kath.net/pl) Predigt zum 28. Sonntag im Jahreskreis A (Jes 25,6–10a; Phil 4,12–14.19–20; Mt 22,1–14)

1. Ein Platz für dich
Liebe Schwestern und Brüder,
es gibt Sätze, die uns guttun und unser Herz erwärmen: Schön, dass du da bist. Wir haben auf dich gewartet. Dein Platz ist noch frei. – Wer sich übersehen fühlt oder fürchtet, anderen zur Last zu fallen, hört darin etwas Kostbares: Ich bin erwünscht. Ich gehöre dazu.

Mit einer Einladung beginnt auch das heutige Evangelium. Ein König richtet seinem Sohn die Hochzeit aus. Alles ist vorbereitet. Menschen sollen kommen, miteinander feiern und seine Freude teilen.

Jesus lässt uns darin etwas von Gottes Sehnsucht nach uns erkennen. Gott möchte uns nahe sein. Unser Leben ist ihm nicht gleichgültig: das Gelungene und das Unfertige, unsere Freude und das, woran wir schwer tragen.

Das Gleichnis enthält auch erschreckende Bilder von Gewalt und Ausschluss. Sie fordern uns heraus. Doch über seiner ganzen Ernsthaftigkeit dürfen wir den Anfang nicht vergessen: Gott bereitet ein Fest. Seine Einladung erreicht uns heute, mitten in unserem wirklichen Leben.

2. Das Leben nicht auf später verschieben
Die Eingeladenen haben anderes vor. Einer geht auf seinen Acker, ein anderer in seinen Laden. Arbeit und Verantwortung verdienen unsere Sorgfalt. Doch sie können uns so vollständig beanspruchen, dass kaum noch Raum bleibt für das, was wirklich wichtig ist und was uns innerlich trägt.

Wir kennen dieses Später: Wenn es ruhiger wird, nehme ich mir Zeit für Gott. Wenn alles erledigt ist, besuche ich diesen Menschen. Wenn die Sorgen nachlassen, werde ich mich wieder freuen.

Dabei schenkt Gott uns gerade jetzt diesen Tag. Auch im Unfertigen kann etwas Gutes beginnen: ein Gespräch, das Nähe schafft; ein Augenblick der Stille; eine Freude, die wir dankbar annehmen.


Der Sonntag lädt uns ein, dafür empfänglich zu werden. Wir dürfen unsere Arbeit aus der Hand legen und uns beschenken lassen. Unser Wert reicht tiefer als alles, was wir leisten. Wir leben davon, dass Gott uns liebt. Wer darin zur Ruhe kommt, kann auch den Alltag mit neuer Zuversicht aufnehmen.

3. Das Gewand der Liebe
Die Einladung geht weiter. Die Diener holen Menschen von den Straßen herein, ausdrücklich: Böse und Gute. Gottes Ruf erreicht Menschen mit Brüchen, Schuld und unerfüllten Hoffnungen. Menschen wie uns.

Dann die befremdliche Frage nach dem Hochzeitsgewand. Gregor der Große erschließt ihren geistlichen Sinn: „Was sollen wir anderes unter dem Hochzeitsgewand verstehen als die Liebe?“ (Gregor der Große, Predigten zu den Evangelien 38,9).

Gottes Liebe kommt uns zuvor. Sie möchte in uns lebendig werden und durch uns andere erreichen. Das Gewand der Liebe tragen wir, wenn wir einem Menschen dieselbe Barmherzigkeit zugestehen, von der wir selber tagtäglich leben.

Die Gerichtsbilder mahnen uns, diese Einladung ernst zu nehmen. Unser Tun hat Gewicht; Hartherzigkeit verwundet und zerstört Gemeinschaft. Auch wer längst zur Kirche gehört, bleibt zur Umkehr gerufen.

Zugleich dürfen Menschen Mut fassen, denen das Lieben schwerfällt. Wer nach einer Enttäuschung wieder Vertrauen sucht, wer mit seiner Ungeduld ringt, wer einen Schritt zur Versöhnung wagt, öffnet sich bereits der Liebe. Manches braucht Zeit. Gott kennt unsere Wunden und unsere mühsamen Anfänge. Seiner Barmherzigkeit dürfen wir auch das anvertrauen, was in uns noch der Heilung bedarf.

4. Die Liebe lässt sich unterbrechen
Von Abbas Agathon, einem der alten Wüstenmönche, wird erzählt: Als er in der Stadt seine Handarbeiten verkaufen wollte, fand er einen kranken Fremden, um den sich niemand kümmerte. Agathon mietete eine Unterkunft und sorgte mit dem Ertrag seiner Arbeit für ihn. Vier Monate blieb er, bis der Kranke gesund war. Dann kehrte er in seine Einsiedelei zurück (Apophthegmata Patrum, alphabetische Sammlung, Agathon 27; sinngemäß).

Agathon ließ sich unterbrechen. Der fremde Mensch wurde ihm so wichtig, dass er ihm Zeit und Lebensraum schenkte. So nahm das Gewand der Liebe Gestalt an: Einer, den alle übersehen hatten, erfuhr Geborgenheit.

Unsere Möglichkeiten sind verschieden. Manchmal können wir viel tun, manchmal nur wenig. Ein aufmerksames Zuhören, ein Besuch, ein versöhnliches Wort können einen Menschen aufrichten. Liebe beginnt damit, dass wir wahrnehmen, wer neben uns lebt.

Und wer selbst Hilfe braucht, gehört ebenso dazu. Er darf empfangen, sich tragen und versorgen lassen. Auch darin wächst Gemeinschaft. Unsere Würde bleibt ungeschmälert, wenn unsere Kräfte nachlassen. Wir bleiben Menschen, an denen andere Freude haben dürfen.

5. Gott sieht jede Träne
Was aber ist mit denen, denen heute überhaupt nicht nach Feiern zumute ist? Mit Menschen, die trauern, die Schmerzen haben oder sich vor dem nächsten Tag fürchten?

Ihnen gilt die Verheißung des Propheten Jesaja: Gott „wischt die Tränen ab von jedem Gesicht“ (Jes 25,8). Von jedem Gesicht! Gott sieht auch den stillen Kummer, den niemand bemerkt. Bei ihm findet der Schmerz eines jeden Menschen Beachtung.

Wer einem anderen die Tränen abwischt, kommt ihm nahe. So zärtlich spricht die Schrift von Gott. Wir dürfen mit verweinten Augen zu ihm kommen und bei ihm bleiben, auch wenn uns die Worte fehlen.

Seine Verheißung reicht bis an die äußerste Grenze unseres Lebens: Gott wird den Tod für immer überwinden. In der Auferstehung Jesu Christi hat diese Hoffnung ihren festen Grund. Ihm dürfen wir unsere Verstorbenen anvertrauen und auch den Weg, der noch vor uns liegt.

Das macht Abschiede weiterhin schmerzlich. Doch wir dürfen hoffen, dass Gottes Liebe uns durch sie hindurchträgt. Und wenn mitten in der Trauer wieder Freude aufkommt, dürfen wir sie annehmen. Ein Lachen verrät keinen geliebten Menschen. Es kann ein leises Zeichen dafür sein, dass das Leben in uns weiterblühen darf. Trauer und Dankbarkeit, Sehnsucht und Freude haben in einem Herzen Platz.

6. Das Fest beginnt schon jetzt
In der österlichen Predigt, die unter dem Namen des Johannes Chrysostomos überliefert ist, heißt es: „Der Tisch ist reich gedeckt; genießt alle davon! […] Niemand gehe hungrig fort!“ (Johannes Chrysostomos zugeschrieben, Osterhomilie; eigene Übersetzung).

Etwas von dieser österlichen Freude trägt jeder Sonntag in sich. In der Eucharistie schenkt Christus uns sich selbst. Wir kommen mit unserem Hunger nach Frieden, nach Vergebung und einem neuen Anfang. Er nährt in uns die Liebe und stärkt unsere Hoffnung.

Paulus kennt Mangel und Überfluss. In beidem erfährt er, dass Christus ihn stärkt (vgl. Phil 4,12–13). Diese Zuversicht darf auch uns begleiten: Für den nächsten Schritt müssen wir die Kraft nicht allein aus uns selbst gewinnen.

Liebe Schwestern und Brüder, nehmen wir diese Hoffnung mit in die Woche. Halten wir einen Platz frei für einen Menschen, der uns braucht. Nehmen wir Hilfe an, wo wir sie benötigen. Und geben wir der Freude Raum, wenn sie uns begegnet. Gottes Einladung gilt uns mit unserem ganzen Leben.

Herr Jesus Christus, du lädst uns an deinen Tisch. Stärke unsere so oft verzagten und müden Herzen, tröste uns und lass uns in deiner Liebe wachsen. Schenke uns Freude am Leben und mache uns füreinander zu Menschen, bei denen andere aufatmen und sich freuen können. Amen.


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Lesermeinungen

SalvatoreMio vor 13 Stunden: Sehr schöne Predigt!

Herzlichen Dank, Herr Archimandrit Dr. Thiermeyer und vielen Dank an kath.net! Ich habe die Predigt jemandem übermittelt als "Leitfaden".

SarahK vor 14 Stunden: Was für eine wunderbare Predigt

Es ist für mich aus Gnade so verständlich und vielleicht vergesse ich oft, dass es nicht für jeden so ist. Sollte ich also hier irgendjemandem der mich da noch nicht mal kennt mit Texten zu nahe getreten sein bitte ich um Vergebung, definitiv wollte ich nie jemanden (absichtlich) verletzen.
Ich erzählte heute morgen meiner Friseuse, etwas teurer und exklusiver, dafür sitzt man aber auch nicht neben jemandem der das Gespräch mitbekommt, dass ich gestern Nachmittag überraschend die Information erhalten hatte das mir ein Preis zugesprochen wird, inkl. was es ist und Laudatio. Und sie meinte dann „Läuft bei dir“, sie weiß dass ich gläubig bin und trotzdem obwohl es so einfach gewesen wäre sagte ich nicht, dass ich glaube das Gott wusste das es mir die Woche über nicht so richtig gut ging und dass er mich aufbauen wollte, weil ich aus seiner Hand und in seine Hand hinein lebe und dass nichts was ich habe nicht von ihm kommt. Man ist echt doof, ich hätte so gut Zeugnis geben können.

Nescio vor 14 Stunden: Vielen Dank

Vielen Dank für diese wunderbare Predigt.

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