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Das Hochzeitsmahl und die Einladung Christi: das Verhältnis zwischen Gott, Christus und der Kirche

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Leo XIV.: das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl als Bild der Einladung Gottes, die Freude des Evangeliums anzunehmen und in der Welt zu bezeugen. Von Armin Schwibach


Rom (kath.net/as) In seiner Katechese vor dem Gebet des Angelus am achtundzwanzigsten Sonntag im Jahreskreis betrachtete Papst Leo XIV. das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl aus dem Matthäusevangelium (Mt 22,1-14). Im Mittelpunkt seiner Katechese stand die Einladung Gottes, an seiner Freude teilzuhaben, sowie die Verantwortung der Christen, diese Freude in der Welt zu bezeugen. Ausgehend von der Hochzeit, die ein König für seinen Sohn ausrichtete, erschloss der Papst die Bedeutung des Festmahls, die Zurückweisung der Einladung und die Ausweitung des Rufes an alle, die sich auf den Straßen finden ließen.

Leo XIV. erinnerte zunächst daran, dass die Hochzeit eines Sohnes für jede Familie einen besonderen Anlass darstelle. Der glückliche Vater wolle seine Freude mit anderen teilen, richte ein Festmahl aus und lade zahlreiche Menschen ein. In diesem Zusammenhang verwies der Papst auf den heiligen Thomas von Aquin, der die Neigung des Guten, sich mitzuteilen und auszubreiten, mit der Formel „Bonum dicitur diffusivum sui“ beschrieb (Summa theologiae, I, q. 5 a. 4, ad 2). Auch das Gleichnis spreche in einem konkreten Lebenszusammenhang von dieser Wirklichkeit. Wenn etwas Gutes geschehe, entzünde sich ein Licht, das dazu führe, dass man andere am eigenen Glück teilhaben lasse.

Damit verband Leo XIV. die Einladung zum Hochzeitsmahl mit der Natur des Guten selbst. Freude bleibe nicht auf denjenigen beschränkt, der sie erfahre, sondern dränge dazu, sich mitzuteilen. Das Fest des Königs veranschauliche diese Dynamik: Die Freude über die Hochzeit seines Sohnes solle nicht allein dem König und dem Brautpaar gehören, sondern auch die Eingeladenen umfassen. Das Bild des Festmahls eröffne so einen Zugang zu jener Freude, die Gott den Menschen schenken wolle und an der sie durch seine Einladung Anteil erhalten sollten.

Der Verlauf der Erzählung zeige allerdings, dass eine solche Einladung nicht selbstverständlich angenommen werde. Die Eingeladenen zögen sich zurück, obwohl ihnen die Teilnahme am Fest angeboten werde, und kümmerten sich lieber weiterhin um ihre eigenen Angelegenheiten. Einige gingen noch weiter, reagierten verärgert, beschimpften die Boten des Königs und töteten sie sogar. Leo XIV. bezog diese Zurückweisung auf Erfahrungen, die auch außerhalb des Gleichnisses begegneten. „Nicht immer wird das Gute, das wir anbieten, verstanden, anerkannt und geschätzt; vielmehr wird es manchmal missverstanden und abgelehnt“. Der Papst machte deutlich, dass die Ablehnung des Guten denjenigen, der es anbiete, nicht dazu bringen dürfe, seine Sendung aufzugeben. Die Zurückweisung könne entmutigen, doch dürfe sie nicht das letzte Wort behalten. Im Gleichnis sage der König die Hochzeit nicht ab und lasse das Fest nicht ausfallen. Vielmehr erweitere er den Kreis der Eingeladenen und sende seine Diener auf die Straßen, um weitere Menschen herbeizurufen. Die Freude des Brautpaares solle dadurch zu einem Geschenk für alle werden.


In dieser Ausweitung der Einladung erkannte Leo XIV. eine wesentliche Aussage des Gleichnisses. Die Ablehnung einiger Gäste führe nicht zum Ende des Festes. Der König halte an seinem Vorhaben fest und eröffne anderen die Möglichkeit, an der Feier teilzunehmen. Die Einladung werde nicht zurückgenommen, sondern auf einen größeren Kreis ausgedehnt. Damit trete die Bereitschaft hervor, die Freude nicht für sich zu behalten, sondern sie auch jenen anzubieten, die zunächst nicht zu den erwarteten Gästen gehörten.

Anschließend fragte der Papst nach der Bedeutung der Hauptfiguren des Gleichnisses. Dabei griff er auf die Auslegung des heiligen Hieronymus zurück, der den König mit dem Vater im Himmel, den Bräutigam mit Jesus und die Braut mit der Kirche identifiziert habe (Kommentar zum Matthäusevangelium, Buch III, Kap. 22). Die Erzählung beschreibe somit nicht nur ein Hochzeitsfest, sondern verweise auf das Verhältnis zwischen Gott, Christus und der Kirche. Zugleich betreffe sie unmittelbar das Leben der Gläubigen. Zu den Protagonisten gehörten nämlich auch die Christen selbst, die vom Herrn dazu berufen seien, ihre Existenz mit ihm zu teilen und gemeinsam mit ihm Träger des Lebens zu sein. Leo XIV. führte diesen Gedanken mit den Worten aus: „Das Hochzeitsfest ist das unsere und der Festsaal sind unsere Kirchen, unsere Häuser, die Orte, an denen wir leben und an denen der Sohn des Königs, Jesus Christus, jeden Tag wiederkehrt, um uns seine Liebe zu bekunden und auf unser ‚Ja‘ zu warten“.

Damit bezog der Papst das Bild des Festsaales auf die verschiedenen Räume des christlichen Lebens. Die Einladung Christi beschränke sich nicht auf einen bestimmten Ort oder einen einzelnen Augenblick. Sie betreffe die Kirchen ebenso wie die Häuser und die Orte des täglichen Lebens. Dort begegne Christus den Menschen, bekunde ihnen seine Liebe und warte auf ihre Antwort. Das Gleichnis verweise so auf eine Beziehung, die in der Gemeinschaft der Kirche ihren Ort habe und zugleich das alltägliche Leben durchdringe. Leo XIV. beschrieb die Antwort auf diese Einladung anhand des Bildes vom Hochzeitsgewand. Die Gläubigen begegneten Christus, „gekleidet wie die Braut im weißen Kleid der Taufe und angetan mit dem Schmuck der guten Werke, die uns Gott und einander näherbringen“. Das weiße Kleid verwies auf die Taufe, durch die der Mensch in das Leben Christi aufgenommen werde. Die guten Werke bezeichneten die konkrete Gestalt, die dieses Leben annehme, wenn es sich in der Beziehung zu Gott und zum Nächsten bewähre. Die Einladung zum Hochzeitsmahl erschöpfe sich demnach nicht darin, eine Botschaft zu hören oder sich zu einer Gemeinschaft zu zählen. Sie betreffe die ganze Existenz des Menschen, der Christus sein Ja gebe und dieses Ja im Leben sichtbar werden lasse. Die Taufe und die guten Werke gehörten in diesem Bild zusammen: Die Zugehörigkeit zu Christus finde ihren Ausdruck in einem Leben, das auf Gott ausgerichtet sei und die Gemeinschaft mit den anderen Menschen fördere.

Von hier aus wandte sich der Papst der Freude zu, die aus dieser Beziehung hervorgehe und von den Christen verkündet werde. Sie sei nicht mit einer bloß äußerlichen Fröhlichkeit gleichzusetzen und beruhe nicht auf einer künstlich erzeugten Stimmung. Leo XIV. beschrieb sie vielmehr als eine Wirklichkeit, die im konkreten Leben Gestalt annehme: „Die Freude, die wir verkünden, ist also nicht künstlich, sondern tief, konkret, real, schön wie die Gesichter der Menschen, denen wir begegnen, wahr wie die Arbeit, das Lächeln, die Tränen, die Händedrücke und die guten Taten in unserem Alltag“. Der Papst verankerte die Freude des Evangeliums damit in den Erfahrungen des täglichen Lebens. Sie zeige sich in den Gesichtern der Menschen, in der Arbeit, im Lächeln und in den Tränen, ebenso in den Begegnungen und den guten Taten. Das Evangelium stehe nicht außerhalb dieser menschlichen Wirklichkeit, sondern eröffne ihr einen tieferen Sinn. Die Freude, zu der Christus einlade, sei weder eine Flucht aus dem Alltag noch eine Verdeckung seiner Schwierigkeiten. Sie gehöre vielmehr zu einem Leben, das sich von der Liebe Gottes bestimmen lasse und diese Liebe in den Beziehungen zu den anderen Menschen sichtbar mache.

Leo XIV. erweiterte diesen Gedanken über das persönliche Leben hinaus und bestimmte die Freude als Gabe Gottes für die Welt. Sie sei „ein Geschenk Gottes für das Heil der Welt“. Damit verband er die Erfahrung der Gläubigen mit der Sendung der Kirche. Die Freude des Evangeliums sei nicht für einen abgeschlossenen Kreis bestimmt, sondern solle weitergegeben werden. Wie der König im Gleichnis seine Einladung auf immer mehr Menschen ausdehne, seien auch die Christen dazu aufgerufen, anderen die Teilnahme an der Freude Christi zu eröffnen.

Am Ende seiner Katechese wandte sich Leo XIV. an die Gottesmutter und bat um ihre Fürsprache. Maria, die Mutter des Herrn, solle den Gläubigen helfen, in dieser Freude zu wachsen und sie überall zu verkünden. Der Papst bat darum, dies auch dort zu tun, wo die Botschaft nicht verstanden werde, und zwar „mit Großherzigkeit, mit Mut und mit Glauben“.

 


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