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Wenn die Sehnsucht leuchten lernt

vor 10 Stunden in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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„Vielleicht ist uns freudige Erwartung fremd geworden. Wir denken über Gott nach, bemühen uns um Glauben. Aber sehnen wir uns auch nach ihm? Darf der Gedanke an Christus unser Herz erwärmen?“ Predigt von Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer


Eichstätt (kath.net/pl) Predigt zum 32. Sonntag im Jahreskreis A (Mt 25,1–13)

1. Wir sind geladene Gäste
Liebe Schwestern und Brüder, „Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen!“ Dieser Ruf durchbricht die Nacht. Er steht in der Mitte des heutigen Evangeliums. Von ihm her dürfen wir das ganze Gleichnis hören: Unser Leben geht einer Begegnung entgegen. Christus kommt und er möchte uns bei sich haben. Jesus hätte viele Bilder wählen können, um von seiner Wiederkunft zu sprechen. Hier wählt er eine Hochzeit. Menschen sind geladen und werden erwartet. Ein Fest ist bereitet. Gemeinschaft soll vollkommen werden.

Vielleicht ist uns diese freudige Erwartung ein wenig fremd geworden. Wir denken über Gott nach, wir bemühen uns um unseren Glauben. Aber sehnen wir uns auch nach ihm? Darf der Gedanke an Christus unser Herz erwärmen? Die Kirchenväter des Ostens sprechen von dieser Sehnsucht mit großer Innigkeit. Für sie bedeutet Glauben, von Gottes Schönheit angezogen zu werden. Ein Mensch beginnt zu ahnen: Bei ihm finde ich das Leben, nach dem ich mich hier im Tiefsten sehne. Darum lautet die erste Frage dieses Evangeliums: Wen erwarte ich? Woraufhin lebt mein Herz?

2. Das Öl, das wir empfangen dürfen
Die jungen Frauen haben Lampen bei sich. Doch die Lampe allein genügt nicht. Sie braucht Öl. In den geistlichen Homilien, die unter dem Namen des Makarios überliefert sind, findet sich dazu ein tiefer Gedanke: Das Öl ist die frohmachende Gnade des Heiligen Geistes. Die klugen Jungfrauen haben es in den „Gefäßen ihres Herzens“ aufgenommen.¹ Das Herz als Gefäß: Welch ein schönes Bild!

Wir müssen vor Gott nicht immer etwas vorweisen. Wir dürfen uns ihm öffnen. Wir dürfen empfangen, was wir uns selbst nicht geben können: Vertrauen, das tiefer reicht als unsere Unsicherheit; Frieden, der auch unter Tränen trägt; eine Liebe, die unser verschlossenes Inneres wieder lebendig und froh macht.

Bei Makarios heißt dieses Geschenk auch „Öl der Freude“. Damit ist keine Fröhlichkeit gemeint, die alles Schwere übergeht. Es ist die leise Freude, zu Christus zu gehören. Die Gewissheit: Mein Leben ist ihm wertvoll. Auch das Unfertige in mir darf ich ihm anvertrauen, - gerade das möchte er von mir  haben. Vielleicht beginnt geistliche Erneuerung gerade dort, wo wir aufhören, uns selbst unablässig anzutreiben. Dort wo zu beten versuchen: Herr, ich bin da. Du kennst mich. Erfülle du mein Herz mit deinem Geist und dankbarer Freude.


Aus diesem Empfangen wächst auch unsere Fähigkeit zu lieben. Gottes Güte beginnt, unser Wesen frohmachend zu durchdringen und durch uns für andere spürbar zu werden.

3. Auch in der Nacht bleibt die Sehnsucht wach
Der Bräutigam lässt auf sich warten. Es wird Nacht. Alle schlafen ein. Alle: auch die Guten und Getreuen werden müde! Es gibt die geistliche Nacht! Jesus kennt die lange Zeit zwischen Verheißung und Erfüllung. Er kennt einen Glauben, der warten muss. Manchmal wird Gott uns dabei fremd. Worte, die uns früher getragen haben, erreichen uns kaum noch. Wir beten, aber spüren keine Antwort. Dann kann die bange Frage aufsteigen: Habe ich ihn verloren?

Gregor von Nyssa betrachtet in seinen Auslegungen zum Hohenlied die Seele, die ihren Geliebten in der Nacht sucht. Gott entzieht sich ihrem Begreifen; dennoch geht ihre Suche weiter. Gerade darin erschließt sich für Gregor eine tiefere Bewegung des Glaubens: Gott ist größer als alles, was wir von ihm schon erfahren und verstanden haben.² Das kann uns behutsam helfen. Gottes Nähe lässt sich nicht daran messen, wie deutlich wir sie empfinden oder spüren.

Auch das sehnsüchtige „Wo bist du?“ kann ein Gebet sein. Auch ein wortloses Ausharren kann Verbundenheit ausdrücken. Wer unter Gottes vermeintlicher Ferne leidet, der trägt oft noch eine tiefe Liebe zu ihm in sich.

Wir brauchen solche leeren und trostlosen Zeiten nicht schönzureden. Aber wir sollen und dürfen sie Christus hinhalten. Im Gleichnis beendet schließlich ein Ruf die Nacht. Der Bräutigam kommt von sich aus. Die Wartenden müssen ihn nicht herbeizwingen. So lebt unsere Hoffnung von seiner Treue.

4. Die Begegnung lässt sich nicht ersetzen
Und doch bleibt das ernste Ende: Die Tür wird geschlossen. Die Zurückgebliebenen hören: „Ich kenne euch nicht.“ - Dieses Wort erschüttert. Es lässt sich nicht einfach auflösen. Im Zusammenhang des Gleichnisses wird deutlich, wie viel auf dem Spiel steht: die Gemeinschaft mit Christus. Äußere Nähe zum Glauben kann die persönliche Verbundenheit mit ihm nicht ersetzen.

Darum lässt sich auch das Öl in diesem entscheidenden Augenblick nicht einfach ausleihen. Andere können mich im Glauben tragen. Sie können für mich hoffen und beten. Doch Christus möchte auch meinem eigenen Herzen begegnen. Das ist eine Einladung von großer Würde: Ich selbst bin gemeint. Mit meiner Lebensgeschichte, mit dem, was in mir noch leuchtet, vielleicht auch nur noch flackert, mit meinen Fragen, mit meiner Sehnsucht.

Die Warnung Jesu ruft uns deshalb in die Gegenwart. Heute spricht er zu uns. Heute dürfen wir uns ihm zuwenden. Heute kann Vertrautheit wachsen. Vielleicht genügt dafür zunächst, einen kleinen Satz des Evangeliums im Herzen zu behalten. Ihn still zu bewegen, bis aus gehörten Worten ein persönliches Gespräch wird: Herr, was möchtest du mir sagen? Lass mich dich erkennen.

5. Schon jetzt beginnt das Fest
Gregor von Nazianz verbindet das heutige Gleichnis mit der Taufe. Die Lichter der Tauffeier weisen für ihn voraus auf jene Begegnung, bei der die Glaubenden dem Bräutigam entgegengehen. Auch unser Gottesdienstgesang ist für ihn schon ein Vorspiel für den himmlischen Lobgesang beim Hochzeitmahl.³

Was wir hier feiern, trägt eine große Verheißung in sich. In unserer Taufe hat Christus uns mit seinem Leben verbunden. In der Eucharistie schenkt er uns sich selbst. Wir empfangen den, auf dessen Kommen wir hoffen.

Deshalb dürfen wir getrost sein: Christus kommt, holt uns ab und geht mit uns dem Fest entgegen, zu dem er uns eingeladen hat. Sein Geist nährt die Sehnsucht unseres Herzens und bewahrt unser Vertrauen auch dann, wenn wir seine Nähe kaum spüren. Schon heute dürfen wir etwas von der Freude kosten, für die wir geschaffen sind: bei ihm geborgen zu sein und aus seiner Liebe zu leben.

Wir warten und gehen dem entgegen, der uns liebt. Diese Gewissheit darf unseren Heimweg zum ewigen Hochzeitsmahl erhellen. Und wenn uns unterwegs das Licht klein geworden ist, dürfen wir uns an seine Verheißung halten: Der Bräutigam kommt! Unsere Sehnsucht wird eine Heimat finden – in der Fülle seiner Freude. Amen.

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Quellen 
1. Pseudo-Makarios, Fünfzig geistliche Homilien, Homilie 4,6–8: Das Öl als Gnade des Heiligen Geistes, aufgenommen in die Gefäße des Herzens; „Öl der Freude“. Die Sammlung wurde traditionell Makarios dem Ägypter zugeschrieben. (Wikisource, the free online library)
2. Gregor von Nyssa, Homilien zum Hohenlied, Homilie 6, zu Hld 3,1–4: Die nächtliche Suche der Seele nach Gott, der sich ihrem gedanklichen Zugriff entzieht und ihre Sehnsucht weiterführt. (Sophia Scriptura)
3. Gregor von Nazianz, Rede 40 über die heilige Taufe, Abschnitt 46: Tauflichter und Psalmengesang als Vorausbilder der Begegnung mit dem himmlischen Bräutigam. (newadvent.org)

Archimandrit Dr. Andreas-Abraham Thiermeyer ist der Gründungsrektor des Collegium Orientale in Eichstätt. Er ist katholischer Theologe mit Schwerpunkt auf ökumenischer Theologie, ostkirchlicher Ekklesiologie und ostkirchlicher Liturgiewissenschaft. Er studierte in Eichstätt, Jerusalem und Rom, war in verschiedenen Dialogkommissionen tätig. Er veröffentlicht zu Fragen der Ökumene, des Frühen Mönchtums, der Liturgie der Ostkirchen und der ostkirchlichen Spiritualität. Weitere kath.net-Beiträge von ihm: siehe Link.
 


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Lesermeinungen

Karlmaria vor 9 Stunden: Wem viele Sünden vergeben sind der liebt viel

Es ist ja so dass es schwierig ist den Leuten vorschreiben zu wollen Gott mehr zu lieben. Ich weiß nicht ob das überhaupt geht außer eben durch diesen Zusammenhang dass der dem viele Sünden vergeben sind viel liebt. Nun ist es ja so dass man nicht unbedingt ein besonders großer Sünder sein muss um erkennen zu können wie vie Sünden einem vergeben sind. Und dann ist es auch dass es nicht immer so ist dass Glauben bedeutet nicht zu wissen. Manche Dinge kann man schon sehr genau erleben. Wenn die Sünden vergeben sind und das Herz freudiger wird. Es sind noch zwei Tage übrig von den acht Tagen wo man auf dem Friedhof für die Armen Seelen beten sollte. Da könnte man doch seine größten Anliegen den Armen Seelen sagen und um ihre Fürbitte bitten. Wer das einmal erlebt hat wie mächtig die Fürbitte der Armen Seelen ist der wird das nie mehr vergessen!

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