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vor 6 Stunden in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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„Wenn wir auf die Geschichte unserer eigenen Berufung zurückblicken, sehen wir, dass jeder Priester auf ganz eigene Weise erkennt, dass Gott ihn ruft.“ Erster Vortrag bei Priesterexerzitien in Łódź/Polen. Von Kardinal Anders Arborelius/Stockholm
Oslo/Łódź (kath.net/pl) kath.net dokumentiert die schriftliche Vorlage des ersten der drei Vorträge von Anders Kardinal Arborelius OCD, Erzbischof von Stockholm (Schweden), bei den Priesterexerzitien 2026 (3.11.-5.11.) im Erzbistum Łódź (Polen) in voller Länge in kath.net-Übersetzung und dankt S.E. für die freundliche Erlaubnis zur Weiterveröffentlichung – Fortsetzung folgt
Nach dem Ebenbild Gottes erschaffen
Nihil sum – sed tuus sum (Der heilige Bernhard)
Jeder einzelne Mensch ist auf eine persönliche und einzigartige Weise erschaffen. Von Anbeginn an ist ein jeder von uns nach dem Ebenbild Gottes geschaffen. Etwas in uns bleibt stets mit Gott verbunden. Was auch immer in unserem Leben geschieht, diese existenzielle und ontologische Bindung bleibt lebendig. Etwas im Herzen eines jeden von uns sehnt sich nach Licht und Wahrheit, nach Schönheit und Barmherzigkeit – kurz: nach Gott. Das ist auch der Grund, warum wir in jedem menschlichen Antlitz einen flüchtigen Blick auf das unendliche Geheimnis Gottes erhaschen können. Als von Gott geschaffene Menschen helfen wir einander, uns an Gott zu erinnern. Wir alle sind Meisterwerke, geformt vom göttlichen Künstler. Wir müssen jedem Menschen mit Ehrfurcht begegnen; seine Würde ist stets zu achten. Ebenso müssen wir unsere eigene Würde achten und ein Leben führen, das dieser Würde entspricht. Gott hat uns unser Dasein als persönliches Geschenk geschenkt. Das Leben ist eine unermessliche Gnade und ein Vorrecht. Daran werden wir in unserer heutigen Zeit, in der Abtreibung zu einer alltäglichen Erscheinung geworden ist, mehr denn je erinnert. Gott für das Geschenk des Lebens zu danken, ist eine tägliche Aufgabe und eine tägliche Freude.
Wenn Gott uns erschaffen und uns diese unendliche Würde verliehen hat, so bedeutet dies, dass Er einen Plan für unser Leben hat. Von Anbeginn unseres Lebens an möchte Gott – in Seiner Barmherzigkeit, Seiner fürsorglichen Vorsehung und Seiner Liebe –, dass wir etwas Besonderes sind. So wie ein Töpfer oder jeder andere Künstler etwas Einzigartiges und Schönes erschaffen möchte, so hat Gott große Pläne für unsere Zukunft. Unsere persönliche Lebensgeschichte ist eine Geschichte des Heils und der Heiligung. In Seiner Vorsehung wird Gott uns weiterführen und uns zu Seiner Ehre gebrauchen. So wie der Prophet Jeremia erkannte, dass Gott bereits im Mutterleib einen Plan für ihn hatte, so darf auch jeder Mensch darauf vertrauen, dass Gott etwas für sein Leben hier auf Erden vorgesehen hat. Gott hat die Erde zu unserem Wohlergehen erschaffen; doch zugleich ist es unsere Aufgabe, bestmöglich für diese Erde Sorge zu tragen. Gott hat um unseretwillen einen wunderschönen Garten angelegt, und wir sind die Verwalter – die Hüter – dieses Gartens, der Ihm gehört. In der Schöpfung liegen Samen der Wahrheit – logoi spermatikoi. Unser Leben hier auf Erden ist dazu bestimmt, etwas ungemein Schönes zu sein. Das setzt voraus, dass wir die Regeln und Gesetze befolgen, die diesem irdischen Leben innewohnen. Bereits zu Beginn der Schöpfung hat Gott uns ein Naturgesetz mitgegeben, das uns dabei hilft, ein gutes und glückliches Leben zu führen, unsere Mitmenschen zu achten und unsere gemeinsame Erde zu respektieren. Schon auf dieser natürlichen Ebene der Schöpfung gibt es viel zu lernen, um ein gutes und gerechtes Leben zu führen.
Als Priester ist es wichtig zu erkennen, dass unsere Berufung ihren Ursprung in der Schöpfung hat und dass wir – auf die eine oder andere Weise – auch Verantwortung für die Schöpfung tragen. Blicken wir noch einmal auf den Propheten Jeremia: Er verstand, dass Gott ihn bereits vor seiner Geburt in seinen Dienst gerufen hatte. Gott hatte einen wunderbaren Plan für ihn. Gott hat für jeden einzelnen Menschen einen wunderbaren Plan. Als Priester dürfen wir Gott dafür danken, dass er uns bereits im Mutterleib berufen hat. Das ist Prädestination, aber kein Determinismus. Gott achtet unseren freien Willen, doch sein Wille ist es, uns zu seinen treuen Dienern zu machen. Wenn wir auf die Geschichte unserer eigenen Berufung zurückblicken, sehen wir, dass jeder Priester auf ganz eigene Weise erkennt, dass Gott ihn ruft. Doch letztlich müssen wir alle anerkennen, dass es Gott ist, der möchte, dass wir ihm als Priester dienen. Es ist nicht in erster Linie unser eigener Wunsch – oder der Wunsch unserer Eltern. Das Entscheidende ist, dass Gott mich will; dass ich – so unbedeutend ich auch sein mag – für ihn so wichtig bin, dass er mein Dasein auf diese Aufgabe hin vorbereitet hat. Ich bin dieser Gnade gewiss nicht würdig, doch ich kann schrittweise ein Leben führen, das zeigt, dass ich mich darum bemühe, seinem Ruf immer würdiger zu werden. Eine Berufung ist immer ein allmählicher Reifungsprozess. Schritt für Schritt wachsen wir Gott näher und versuchen, auf seinen Willen zu antworten.
Vom Mutterleib bis ins Grab führt mich Gott in seinem Dienst voran. Meine irdische Pilgerschaft in die Ewigkeit ist meine Art, auf seine Gnade und sein Vertrauen in mich zu antworten. Jeder einzelne Augenblick meines Lebens soll eine Antwort auf seine liebende Gnade sein. Diese beständige Beziehung zu Gott steht jedem Menschen offen, doch für einen Priester ist es besonders wichtig, sich dieses Geschenks bewusst zu sein. Manchmal vergessen wir, dass unsere Berufung bereits mit unserer Erschaffung beginnt. Für das geistliche Leben aller Christen ist diese Verankerung in der Schöpfung von größter Bedeutung. Auch für den Priester ist es unerlässlich, in der Schöpfung gegründet und verwurzelt zu sein. Wir müssen in der Wirklichkeit, in der Schöpfung, zu Hause sein, um dem Schöpfer zu begegnen und dort unsere Stabilität und Harmonie zu finden.
„Für dich bin ich geschaffen“ – so lautet ein Refrain in einem der Gedichte der heiligen Teresa von Ávila. Es ist einer jener kleinen Sätze, die wir im täglichen Dienst für den Herrn immer wiederholen können – so wie im Psalm 136 immer wieder der Vers erklingt: „Ewig währt seine Barmherzigkeit.“ Was auch immer geschieht, wie auch immer wir uns fühlen – wir können versuchen, diesen ständigen Kontakt zu Gott durch alle Stunden des Tages hindurch aufrechtzuerhalten. Wenn wir nicht einschlafen können, können wir diesen Satz ebenfalls wiederholen; ich bin sicher, dass wir dann viel schneller einschlafen, als wir denken. Schlaf, Gebet und Tod hängen eng zusammen – so sieht es zumindest Karl Rahner. In kontemplativen Klöstern kommt es vor, dass Menschen während des Gebets einschlafen, doch das ist kein Weltuntergang. Wenn wir uns im Gebet ganz Gott überlassen, liegt es in seiner Hand, ob er uns wach hält oder uns in den Schlaf führt.
Alles Geschaffene erinnert uns an den Schöpfer. Unser Gebetsleben könnte so viel einfacher und natürlicher sein, wenn wir diese Wahrheit wirklich annehmen und uns zunutze machen würden. Die Psalmen, die wir beten, erinnern uns stets daran. Und wenn wir das Stundengebet dann beiseitelegen und uns der Tageszeitung, dem Fernsehen oder dem Internet zuwenden, können wir diese grundlegende Haltung bewahren. Es gibt so vieles, wofür wir beten können, wenn wir sehen, was in unserer armen Welt geschieht. In unserem täglichen Leben begegnen wir Gott und hören seine Stimme auf vielfältige Weise. Die Menschen, denen wir begegnen, helfen uns dabei, uns stärker auf Gott und seine Gegenwart auszurichten. Doch meist erfordert es eine ständige Anstrengung, für diese göttliche Gegenwart – sowohl in unseren Mitmenschen als auch in der Wirklichkeit selbst – offen zu bleiben. Aufgrund der Erbsünde neigen wir dazu, in unseren eigenen kleinen Begierden und unbedeutenden Wünschen gefangen zu sein. Wir neigen dazu, uns eher an dem zu orientieren, was uns gefällt, und uns von dem abzuwenden, was uns missfällt. Wir müssen uns aus dieser Knechtschaft unserer Gefühle und Sinne befreien. Gott möchte, dass wir unseren Frieden in ihm finden. Nichts kann uns diesen Frieden wirklich rauben, denn er ist eine beständige Gnade, die uns bereits bei unserer Erschaffung geschenkt wurde. Wir müssen sie lediglich entdecken und annehmen. Auf der tiefsten Ebene unseres Daseins sind wir stets mit Gott verbunden. Wir müssen uns ihm nur hingeben und bei ihm verweilen. Wenn wir dem Trubel um uns herum und in uns selbst keine Beachtung schenken, sind wir aufmerksam für Gott – auch wenn uns dies auf der Ebene unserer Gefühle und Sinne gar nicht bewusst ist.
In der Gegenwart Gottes zu leben, ist ein klassisches Thema christlicher Spiritualität. Für uns alle – ob Priester, Ordensleute oder Laien – ist es grundlegend, in seiner Gegenwart zu bleiben. Wenn wir unsere Berufung tatsächlich als eine Gnade annehmen, die uns bereits im Augenblick unserer Erschaffung zuteilwurde, dann wird diese Verbundenheit mit der schöpferischen Gegenwart Gottes für uns noch lebendiger. Dennoch muss sie Tag für Tag aufs Neue eingeübt und erlernt werden. Das Leben ist einem ständigen Wandel unterworfen, und wir sind es ebenso. Im geistlichen Leben gibt es keine leichten Siege. Doch dank Gottes unermesslicher Gnade kann selbst ein Verlust zum Gewinn werden. Je ärmer wir werden und je weniger wir uns unserer selbst sicher sind, desto mehr bedürfen wir Gottes und seiner Gegenwart. Von seiner Seite aus besteht dieses Angebot beständig. Er ist immer und überall gegenwärtig. Wir können ihm nicht entfliehen; und sollten wir es dennoch versuchen, so wird er zum „Jäger des Himmels“ (Francis Thompson), der stets hinter uns ist. Oder, wie der heilige Patrick es in seinem wunderbaren „Brustpanzergebet“* ausdrückt: Er ist schlichtweg überall dort, wo auch wir sind. Wir können ihn nicht wirklich loswerden – und Gott sei Dank ist das so.
*Anmerkung der kath.net-Redaktion – Der volle Text des Gebets „St. Patricks Brustpanzer“ lautet:
Christus mit mir, Christus vor mir,
Christus hinter mir, Christus in mir,
Christus unter mir, Christus über mir,
Christus zu meiner Rechten, Christus zu meiner Linken,
Christus, wenn ich mich niederlege,
Christus, wenn ich mich setze,
Christus, wenn ich aufstehe,
Christus im Herzen eines jeden, der an mich denkt,
Christus im Mund eines jeden, der von mir spricht,
Christus in jedem Auge, das mich sieht,
Christus in jedem Ohr, das mich hört.
Foto aus diesen Priesterexerzitien: Vortrag von Kardinal Arborelius (c) Erzbistum Łódź
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Hope F. vor 5 Stunden: Danke für diesen wunderbaren Artikel
Es lohnt sich, Gottes Vorsehung immer wieder vor Augen zu halten. Nur allzu oft, wollen wir, daß alles nach unserem Kopf geht. Leider behandeln wir auch den Planeten Erde nicht so, wie wir nach Gottes Plan sollten. Wir beuten ihn schamlos aus und zerstören ihn, anstatt ihn in seiner ganzen Schönheit zu erhalten. Was dürfen wir dafür von Gott erwarten?
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